Trotz grossem Kampf verloren

Der FC St. Gallen unterliegt in der vierten Runde der Europa League vor 16 951 Zuschauer in der AFG Arena dem FC Valencia 2:3. Über eine halbe Stunde nur zu zehnt spielend, gibt das Heimteam eine 2:1-Führung aus der Hand.

Thomas Werner
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FUSSBALL. Die Nachspielzeit in der AFG Arena lief, fast alle der 16 951 Zuschauer standen und hofften, dass die zuvor greifbare Überraschung doch noch Tatsache werde. Der Schlusspfiff nach 93 Minuten beendete diese Hoffnungen. Nach Sergio Canales' herrlichem Abschluss aus der Distanz war St. Gallens Goalie Daniel Lopar vier Minuten vor Schluss zum drittenmal bezwungen worden und Valencia im dritten Anlauf zum ersten Sieg in einem europäischen Wettbewerb auf Schweizer Boden gekommen.

Auch wenn am Ende der Punktgewinn fehlte, die St. Galler haben sich rehabilitiert und ihren Auftritt beim 1:5 in Valencia vergessen lassen. Der übertriebene Respekt vor dem Gegner war weg. Nur sieben Minuten nach dem 0:1 von Pablo Piatti in der 30. Minute glich Stéphane Besle im Anschluss an einen Corner per Kopf zum 1:1 aus. Noch vor Ablauf einer Stunde fasste die Mannschaft von Trainer Jeff Saibene gar den Mut für mehr – und dies in Unterzahl. Lopar hatte einen Penalty des Brasilianers Jonas abgewehrt. Philippe Montandon hatte den Schützen zuvor im Fünfmeterraum am Leibchen zurückgehalten und dafür die rote Karte gesehen.

Mutig und aggressiv

Nur zehn Minuten später narrte Goran Karanovic – inzwischen angesichts der Unterzahl einziger St. Galler in der Platzhälfte der Spanier – die gesamte Valencia-Abwehr und traf mit Links zum 2:1. Zuschauer und Trainer begannen zu träumen. Er habe bis zum Schluss an den Punktgewinn geglaubt, sagte Saibene. «Wir haben viel mutiger und aggressiver gespielt als in Valencia», so der Luxemburger. «Der Kampfgeist meiner Spieler war eindrücklich. Ich bin stolz auf diese Leistung.» Saibene sprach trotz aller Enttäuschung von einer verschmerzbaren Niederlage. Nicht zuletzt deshalb, weil die Besucher in der AFG Arena an diesem Abend ein «super Fest» erlebt hätten.

Dass der Vertreter der spanischen Primera Division den Super-League-Club in die Schranken weisen konnte, entsprach aber schliesslich doch der Logik. Dabei zeigte sich die Überlegenheit der Spanier ironischer weise vor allem dann am deutlichsten, wenn die St. Galler in Ballbesitz waren. Das gute Spiel ohne Ball ermöglichte es der Mannschaft von Trainer Miroslav Djukic den Gegner über weite Strecken sicher zu kontrollieren. Einmal in Ballbesitz sah sich jeder St. Galler sofort von mindestens zwei Gegenspielern unter Druck gesetzt. Dies führte vor allem vor der Pause zu vielen raschen Ballverlusten und verlorenen Zweikämpfen auf St. Galler Seite. So überraschte es kaum, dass die Tore der Ostschweizer nach einem ruhenden Ball und dank einer überragenden Einzelaktion zustande kamen. In seinen Kombinationsspiel fehlte dem Heimteam angesichts der beeindruckenden Präsenz der Gegenspieler zu oft die Präzision.

Noch im Rennen

Djukic musste allerdings zugeben, dass seine Mannschaft gegen die kämpferischen St. Galler weit mehr Mühe bekundete, das Spiel zu machen, als noch im eigenen Stadion beim 5:1. «Aber wir wussten ja, dass es in St. Gallen nicht einfach werden würde», so der Valencia-Trainer.

Weil Swansea in Krasnodar beim 1:1 Punkte abgegeben hat, haben die St. Galler trotz der gestrigen Niederlage Chancen, die K. o.-Runde der Europa League zu erreichen. So weit wollte Saibene aber gar noch nicht schauen. «Schön wäre es einfach, wenn es am letzten Spieltag im Heimspiel gegen Swansea noch um etwas geht.» Dazu braucht es einen Sieg in drei Wochen in Krasnodar.

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