Trotz Bruch an der Spitze

Obwohl der Wilener Radprofi Stefan Küng am Giro d'Italia einen grossen Rückschlag erlitt, hatte er ein enorm erfolgreiches Jahr. Unter anderem wurde er Welt- und Europameister.

Ralf Rüthemann
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Stefan Küng Radprofi (Bild: ky)

Stefan Küng Radprofi (Bild: ky)

RAD. Der 22jährige Thurgauer Radprofi Stefan Küng arbeitet sich immer weiter nach vorn. Das Jahr 2015 brachte grosse Erfolge, obwohl er am Giro d'Italia stürzte und sich einen Brustwirbel brach. Er erholte sich schnell und war nur kurze Zeit später wieder ganz der Alte.

Angefangen hat Küngs Jahr mit einem riesengrossen Erfolg: An der Bahn-WM räumte er in der Einzelverfolgung ab, nachdem er ein Jahr zuvor noch Silber gewonnen hatte. Damit stellte die Schweiz mit dem Wilener, der sich in der Elite bereits etabliert hat, zum erstenmal seit 2007 wieder einen Weltmeister im Bahn-Radsport. Im WM-Final bezwang Küng, der im amerikanisch-schweizerischen Team BMC unter Vertrag steht und seine erste Profisaison auf der Strasse bestritt, den australischen Weltrekordhalter Jack Bobridge. In einem packenden Final und nach einer grandiosen Aufholjagd überquerte er nach 4000 Metern die Ziellinie 269 Tausendstel vor Bobridge.

Glück im Unglück

Am niederländischen Strassenrennen Volta Limburg Classic liess Küng alle Konkurrenten hinter sich und auch am Kopfsteinklassiker Paris–Roubaix war er am Start. Nach der Tour de Romandie, wo er eine Etappe gewonnen hatte, folgte ein grosser Rückschlag in Küngs Saison: In der zwölften Etappe am Giro d'Italia stürzte er und brach sich einen Brustwirbel. Er hatte damit Glück im Unglück – das Schicksal von Silvano Beltrametti blieb ihm erspart. Es hatte geregnet, als Küng in einer Abfahrt bereits am Boden liegenden Fahrern ausweichen wollte. «Da flog ein Velo eines anderen gestürzten Fahrers in meine Richtung. Ich konnte nicht mehr ausweichen und prallte ungespitzt in den Boden», erklärte Küng. Man dachte, die Strassensaison sei für den Überflieger vorbei.

Küngs Jagd nach Medaillen

Doch nur wenig später sass Küng wieder auf dem Sattel und führte seine Erfolgsserie fort. In der Einzelverfolgung und im Punktefahren holte er am 25. August den für ihn obligatorischen Schweizer-Meister-Titel. Danach ging es einfach nur noch bergauf. An der Strassen-WM in Richmond gewann er mit seinen BMC-Teamkollegen Gold im Mannschaftszeitfahren. Im Einzelzeitfahren reichte es dann nur für den 19. Rang. Drei Wochen später trat er als deutlicher Favorit an der Bahn-EM in Grenchen an. In der Einzelverfolgung gewann er am 17. Oktober wie erwartet Gold, zwei Tage zuvor hatte er mit dem Schweizer Team bereits Silber in der Mannschaftsverfolgung erkämpft.

Dann folgte die Krönung: Nach dieser hervorragenden Saison wurde Stefan Küng zum Schweizer Radsportler des Jahres gewählt. Auch als Sportler des Jahres wurde er gehandelt, dort kam er allerdings nicht in die vorderen Ränge. Was ihm aber immer noch bleibt, ist die Möglichkeit, zum Thurgauer Sportler des Jahres gewählt zu werden.

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