TRIUMPH: Mit Gespür zum Jubiläumssieg

Die Handballerinnen des LC Brühl sind zum zehnten Mal Schweizer Cupsieger. Im Final besiegen die St.Gallerinnen Thun mit 27:21. Einer schlechten ersten Spielhälfte lässt Brühl in Olten eine sehr gute halbe Stunde folgen.

Daniel Good/Olten
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Neun Tore und kein Gegentreffer in dieser Phase nach der Pause lassen das Brühler Team jubeln. (Bild: Alexander Wagner)

Neun Tore und kein Gegentreffer in dieser Phase nach der Pause lassen das Brühler Team jubeln. (Bild: Alexander Wagner)

Daniel Good/Olten

Nach der Partie stellte sich nur eine Frage. Was hatte der St.Galler Trainer seinem Team in der Pause gesagt? Denn in der ersten Halbzeit hatte sich noch keineswegs abgezeichnet, dass der LC Brühl später den zehnten Cup­finalsieg seiner Clubgeschichte feiern würde. Trainer Werner Bösch, der durchaus auch laut werden kann, bewies Gespür. «Ich habe dem Team in der Pause gut zugeredet. Es daran erinnert, was wir uns für die Partie vorgenommen hatten. Hart und konsequent zu verteidigen», sagte Bösch. Nach dem Seitenwechsel setzte Brühl die Strategie des Trainers perfekt um. Neun Tore erzielten die St.Gallerinnen, derweil Thun während fast 20 Minuten nicht mehr reüssierte.

14:14 stand es im Cupfinal der Frauen in Olten zur Pause, 23:14 führte Brühl nach 50 Minuten. Das erste Tor für Thun in der zweiten Halbzeit verbuchte mit Annina Ganz überdies eine St.Gallerin, die viele Jahre für Brühl gespielt hat. In der Schlussphase trat Brühl nicht mehr mit letzter Konsequenz auf, siegte aber verdient 27:21. Mit dem Erfolg in Olten verteidigten die Ostschweizerinnen den Titel aus dem Vorjahr mit Erfolg. Mit zehn Cupsiegen stehen sie in der Schweiz allein auf weiter Flur; der aktuelle NLA-Leader Nottwil steht mit drei Cupsiegen zu Buche. Die Nottwilerinnen waren im Halbfinal überraschend an Thun gescheitert. Brühl hatte sich am Samstag im Halbfinal nach hartem Kampf 25:24 gegen Zug durchgesetzt. Jenny Murer erzielte den entscheidenden Treffer sieben Sekunden vor dem Spielende mit einem Penalty.

Die St.Gallerinnen feiern ihren 27: 21-Sieg gegen die Thunerinnen. (Bild: Keystone)
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Der zehnten Cupsieg wird ordentlich mit Champager begossen. (Bild: Keystone)
Erfreute Gesichter bei den St.Gallerinnen nach dem Spielende. (Bild: Keystone)
Freude auf der einen Seite, getrübte Gesichter auf der anderen: Thuns Spielerinnen ist die Enttäuschung anzusehen. (Bild: Keystone)
SCHWEIZER CUP, FINAL, CUPFINAL, HANDBALL, SAISON 2016/17, FRAUEN, DHB ROTWEISS THUN, LC BRUEHL, (Bild: Keystone)
Traf vierfach für ihr Team: Brühls Martina Goricanec. (Bild: Keystone)
Auch Zerin Oezcelik erzielte vier Tore für den LC Brühl. (Bild: Keystone)
Gleich zwei Thunerinnen versuchen Brühls Stephanie Haag zu stoppen. (Bild: Keystone)
Thuns Teja Ferfolja zieht an den St.Gallerinnen Jeannine Fink (links) und Kathryn Fudge (rechts) vorbei. (Bild: Keystone)
Hartes Anpacken von Brühls Stefanie Haag gegen Thuns Celine Oberson (links). (Bild: Keystone)
Kein Durchkommen gegen die Brühlerinnen: Thuns Rebecca Wyer (Mitte) im Spiel gegen die Brühlerin Vanessa Koslowski (links). (Bild: Keystone)
Goal per Sprungwurf: Thuns Corina Michelle Schmied. (Bild: Keystone)
Ab in die Höhe: Kerstin Kündig erzielt ein Tor für die St.Gallerinnen. (Bild: Keystone)
Brühl Captain Azra Mustafoska in Aktion. (Bild: Keystone)

Die St.Gallerinnen feiern ihren 27: 21-Sieg gegen die Thunerinnen. (Bild: Keystone)

Alle Feldspielerinnen treffen

Durch das Ausscheiden Nottwils war Brühl für den Final in die ­Favoritenrolle gerückt. In der NLA hatten die St.Gallerinnen das Heimspiel gegen die Berner Oberländerinnen mit zehn Toren Differenz für sich entschieden, auswärts waren sie um sechs Treffer besser. Die Favoritenrolle behagte Brühl im Final zunächst aber gar nicht. Erst die Erinnerung des Trainers, sich der de­fensiven Qualitäten zu besinnen, führte zur Besserung im St.Galler Spiel. Eine Ostschweizer Spielerin zeichnete sich besonders aus. Goalie Sladana Dokovic brachte die Thunerinnen schier zum Verzweifeln.

Beste Feldspielerin Brühls war Kerstin Kündig. Die Regisseurin und 50-fache Schweizer Nationalspielerin gab ihrem Team Stabilität und verbuchte wichtige Tore, obschon sie sich im Halbfinal am Handgelenk verletzt hatte und im Final mit einer Bandage spielte. Die 23-jährige Rechtshänderin bestreitet die vierte Saison mit Brühl. «Seither ist der Kern des Teams zusammengeblieben. Das ist der Schlüssel zu unseren Erfolgen. Der Teamgeist ist ausserordentlich gut. Das hilft uns, wenn wir in brenzlige Situationen kommen», sagte die ETH-Studentin.

Kündig erzielte, wie Zerin ­Özcelik und Martina Goricanec, vier Treffer. Sie waren die er­folgreichsten Werferinnen des St.Galler Teams. Erwähnenswert ist, dass sich sämtliche Ostschweizer Feldspielerinnen in die Torschützenliste eintrugen.

Auf gutem Weg zu einem zweiten Jubiläum

Nach dem Jubiläumssieg im Cup sollte für Brühl auch bald der 30.AABB22Meistertitel Tatsache werden. Der Trainer spricht nicht davon, sagt höchstens, dass Nottwil im NLA-Playoff nur mit zwei überragenden Leistungen besiegt werden könne. «Und zuerst müssen wir es in den Playoff-Final schaffen.» Aber die zweite Halbzeit im Cupfinal hat die Hoffnungen genährt. «Wenn wir gegen Nottwil zweimal so spielen wie in der zweiten Hälfte des Cupfinals, können wir vielleicht ein zweites Jubiläum feiern», sagt Bösch. «Mit dem Cupsieg ist es schon eine gute Saison, mit dem Meistertitel wäre es eine sehr gute.»

Thun hat vorgemacht, wie Nottwil beizukommen ist. Brühl ist mithin auf einem guten Weg.