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TRIUMPH: Gold als Selbstverständlichkeit

Dario Cologna wird mit seinem vierten Olympiasieg zum erfolgreichsten Schweizer Wintersportler. Er steht wieder zuoberst, weil er auch in schwierigen Jahren daran glaubte, der Beste zu sein.
Rainer Sommerhalder, Pyeongchang
Der Kampf. Die Erlösung. Die stille Genugtuung: drei Facetten von Dario Colognas Goldtag. (Bilder: Keystone, AP)

Der Kampf. Die Erlösung. Die stille Genugtuung: drei Facetten von Dario Colognas Goldtag. (Bilder: Keystone, AP)

Rainer Sommerhalder, Pyeongchang

Dario Cologna ist unzufrieden. Er zündet gegen die wenigen Journalisten, die ihn umlagern. Sie wüssten schliesslich besser, wo seine Defizite liegen. Es ist ein unfreundlicher Wintertag Anfang Ja­nuar 2017 im Val di Fiemme. Der beste Schweizer Langläufer aller Zeiten beklagt sich, dass die Medien seine vermeintlichen Mängel in der klassischen Technik und die fehlende Spurtstärke thematisieren, anstatt den zwei Tage zuvor eroberten dritten Platz in der vierten Etappe der Tour de Ski. Das ist typisch Cologna. Der 31-Jährige platziert Kritik subtil. Meckern und Jammern gehören ebenso wenig zu seinem Stil wie übertriebene Freudesbekundungen. Er kommentiert einen Olympiasieg in der gleichen Tonalität wie einen zehnten Platz.

Nur gestern spielen ihm die Emotionen einen Streich. Als der Bündner nach seinem famosen Sturmlauf zum Olympiasieg über 15 km im Publikum Eltern und Freundin erblickt und ihn im Ziel­gelände Teamkollegen und Serviceleute herzen, da überkommen ihn für einen kurzen Augenblick die Gefühle. Dario Cologna weint vor laufenden Kameras. Ein Bild mit Seltenheitswert. Aber eines, das unterstreicht, wie wichtig ihm dieser Sieg ist, wie hart er dafür gearbeitet hat, wie stolz er darauf sein kann.

Cologna will der Beste sein

Zwei Stunden später bei der Medaillenübergabe sieht man bereits wieder den gewohnten Cologna. Er lächelt, hat seine Gefühle und später auch die Fragen der Journalisten im Griff, wie seine Gegner während des Rennens. Alles wirkt kontrolliert, unaufgeregt. Da steht einer, der weiss, was er will und was er kann. Zurück in den Januar 2017. Colognas Spruch in Richtung Journalisten ist letztlich Selbstkritik. Er weiss, dass er nach einer gesundheitlich bedingten Durststrecke zwar wieder mit den Weltbesten mithalten, sie aber nicht schlagen kann. Aber genau das ist sein Anspruch. Diese Konsequenz und dieses Selbstverständnis, der Beste sein zu wollen, machen Dario Cologna zum weltbesten Langläufer und zum nun vierfachen Olympiasieger. Kein anderer Athlet in seiner Sportart hat über ein Jahrzehnt eine derartige Konstanz auf höchstem Niveau demonstriert. Auch im Januar 2017 ist er nicht weit weg davon, der Beste zu sein. Doch noch immer hindern ihn im Januar die Probleme in der linken Wade daran, seinen Plan durchzuziehen. Eine nicht konsequent auskurierte Fussverletzung nach den Winterspielen von Sotschi bringt den Motor zwischenzeitlich ins Stottern und beschert ihm zwei ganz schwierige Jahre. Cologna weiss an diesem Tag wohl bereits, dass es mit all den Baustellen rund um seine Gesundheit schwierig sein wird, an der WM in Lahti eine ­Medaille zu gewinnen. Und tatsächlich kehrt der Münstertaler im vergangenen Februar erstmals seit 2011 ohne Medaille von einem Grossanlass heim.

Szenenwechsel. Zu Colognas Gratulanten beim Erfolg vom Freitag über 15 km gehört Tor Arne Hetland, der seit zwei Jahren Coach der norwegischen Langläufer ist und zuvor längere Zeit Betreuer des Schweizer Ausnahmekönners war. Er zieht seine Mütze vom Kopf und verneigt sich. «Dario Cologna hat nach wie vor den wohl grössten Motor aller Langläufer und ist auch technisch auf absolutem Topniveau. Wenn er nicht verletzt ist, kann man ihn nur schwer bezwingen.» Der Bündner ist wieder dort, wo er seinen Platz sieht. Das zeichnet einen Ausnahmesportler wie ihn aus: Nur das Beste ist gut genug. Doch dafür braucht es harte Arbeit.

Juli 2017: Dario Cologna schwitzt auf dem neuen Laufband im Leistungszentrum Davos. Das 140 000 Franken teure Gerät ist eines der Puzzleteile auf dem Weg zum vierten Olympiasieg von Dario Cologna. Darauf lässt sich mit einer bislang unerreichten Präzision an der Technik schleifen. Eine geringe Anpassung des Laufstils und eine erhöhte Konsequenz beim Stabilitätstraining sind der Schlüssel, dass Cologna die linke Wade in den Griff bekommt und erstmals seit drei Jahren wieder verletzungsfrei in den Winter steigt. Der Weg zum Olympiasieg ist geebnet. Es fehlt noch die Psyche. Der 21-fache Weltcupsieger hat verlernt, wie man gewinnt. Als er im November in Skandinavien in die Saison steigt, sind es schon mehr als 1000 Tage seit seinem letzten Sieg. Doch an der Tour de Ski findet er das letzte Puzzleteil zum Olympiasieg. Er gewinnt zwei Etappen und die Gesamtwertung. «Ich kann alle schlagen», sagt er damals.

Egal ob Teamkollegen, Trainer oder Umfeld, man erfährt über Colognas Stärken stets dasselbe: Er ist bescheiden, fokussiert und konsequent. Und er hat sich und seine Ansprüche weder im Moment des Erfolgs noch in den Monaten der ­gesundheitlichen Probleme verändert. Und so geht er einmal mehr voran, wenn eine Schweizer Olympiaexpedition einen glorreichen Tag erlebt. Es ist kein Zufall. Es ist eine Selbstverständlichkeit.

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