TRIUMPH: Das Spiel ihres Lebens

Die Vorzeige-Curlingspielerin Eve Muirhead gehört zu den grossen Figuren an der EM in St. Gallen. Mit dem Finalsieg gegen favorisierte Schwedinnen bringt sie sich in eine exzellente Ausgangslage für Olympia.

Daniel Good
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Die Schottin Eve Muirhead ist die aussichtsreichste britische Olympiateilnehmerin. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Die Schottin Eve Muirhead ist die aussichtsreichste britische Olympiateilnehmerin. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Daniel Good

Eve Muirhead ist eine der besten Curling-Spielerinnen der Welt. Ausser Olympiagold hat sie schon alles gewonnen. In St. Gallen holte die 27-Jährige schon zum achten Mal in Folge eine EM-Medaille. Aber im Final im Lerchenfeld war Muirhead für einmal nicht die Favoritin. Die Schwedinnen um Skip Anna Hasselborg hatten das achttägige Turnier in St. Gallen dominiert und bis am Samstag zehn Siege nacheinander verbucht. Muirhead wusste also, was im entscheidenden Spiel um die Goldmedaille auf sie zukommen würde. Vor dem Final sagte sie: «Ich muss das Spiel meines Lebens abliefern, um gegen die starken Schwedinnen zu gewinnen.»

Nach einem ausgeglichenen Beginn ging Muirhead im Final mit einem Zweierhaus im sechsten End erstmals in Führung. Mit einem gestohlenen Punkt im neunten End führte die Schottin die Vorentscheidung herbei.

Die Revanche für die Heim-EM

Die Nervenanspannung im St. Galler EM-Final der Frauen hatte Spuren hinterlassen. Nach dem Finalsieg wusste Muirhead nicht einmal mehr sicher, wie viele EM-Finals sie schon bestritt. «Ich glaube, es war mein sechs­tes Endspiel.» Sie hatte recht. Viermal verlor sie schon. Wer aber wie Muirhead Olympiasiegerin werden will, muss sich im zweitwichtigsten Turnier des Winters auch gegen starke Teams wie Schweden durchsetzen.

«Wir lernten viel in dieser Woche. Es gelang uns, die Abläufe in unserem Spiel zu ver­feinern», so Muirhead. An der Heim-EM im vergangenen Jahr in Glasgow war sie bloss Dritte geworden. «Das war ganz bitter. Die Enttäuschung war riesig. Nun aber spielen wir eine Klasse besser als vor einem Jahr.»

Der Gewinn der EM ist für Muirhead auch mit Blick auf die Olympischen Spiele im Februar 2018 in Südkorea von grosser Bedeutung. Sie ist mit ihrem Team in Pyeongchang die aussichtsreichste Olympiateilnehmerin Grossbritanniens. «Die Fortschritte in unserem Spiel bringen uns in eine exzellente Ausgangslage. Die guten Resultate motivieren uns in der weiteren Olympiavorbereitung.» Eine olympische Medaille hat die vierfache Junioren-Weltmeisterin schon gewonnen. Vor knapp vier Jahren besiegte das Team um Skip Muirhead in Sotschi in Russland im Spiel um Bronze die Schweizer Equipe mit Mirjam Ott.

Bruder Thomas bleibt Silber

Auf dem Weg zum Triumph in St. Gallen hatte es Muirhead zweimal mit Otts Nachfolgerin Silvana Tirinzoni zu tun. Im Vorrundenspiel blieben die Schottinnen gegen die Schweizerinnen chancenlos. Als es aber um den Einzug in den Final ging, setzte sich Muirheads Team durch. Den Schweizerinnen blieb nach der Niederlage im Halbfinal nur der vierte Platz. Die Medaille für das Gastgeberland holte die Equipe aus Genf mit Skip Peter De Cruz. Mit dem Gewinn von Bronze erreichte der Schweizer Verband in St. Gallen das Minimalziel. Das Schweizer Männerteam blieb wie die Frauen im Halbfinal gegen Schottland auf der Strecke.

Vizeskip der Schotten ist Eve Muirheads Bruder Thomas. Doppelgold blieb der Familie aus Perth aber versagt. Im Final unterlag Schottland den Schweden 5:10. Als erster Skip ergatterte Niklas Edin den EM-Titel zum vierten Mal in Folge. Der 32-jährige Weltranglistenerste war in St. Gallen als Favorit angetreten und verlor nur ein Spiel.