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Tristes Wetter in St. Petersburg

Das Achtelfinalduell zwischen der Schweiz und Schweden ist am Spielort noch wenig präsent. Nur im warmen Einkaufszentrum kommt ein bisschen Fussball-WM-Stimmung auf.
Raphael Gutzwiller, St. Petersburg
Wenig los in der Fanzone von St. Petersburg am Tag vor Schweiz-Schweden. (Bild: Raphael Gutzwiller)

Wenig los in der Fanzone von St. Petersburg am Tag vor Schweiz-Schweden. (Bild: Raphael Gutzwiller)

Es ist eine Stimmung wie an einem verregneten November-abend kurz vor Advent. Eine junge Frau hat ihre Winterkappe tief ins Gesicht gezogen, ihr Freund hat den Arm wärmend um sie ­gelegt, in der anderen Hand hält er ein Schirm, daneben stehen zwei Mittedreissiger, die zu ihren Sombreros durchsichtige Regenmäntelchen über ihrem Mexiko-Leibchen tragen. Immerhin sie sind gekommen, in die Fifa-Fan-Zone in St. Petersburg neben der touristisch beliebten Auferstehungskirche. Eine halbe Stunde zuvor haben sie auf der grossen Leinwand gesehen, wie ihr Team gegen Neymars Brasilien ausgeschieden ist. Sie nippen unter dem kleinen Vordach der Verkaufstheke an ihrem Bier, sprechen kaum miteinander, lauschen den Klängen einer russischen Sängerin auf der Bühne.

Adventsmarkt statt Sommerparty

In 24 Stunden steigt das Spiel zwischen der Schweiz und Schweden, der WM-Achtelfinal in St. Petersburg. In der für die Fans eingerichteten Zone merkt man davon aber nur wenig. Statt einer Sommerparty gleicht die Veranstaltung vor dem Eingang eher einem Adventsmarkt, statt Weihnachtskränzen werden Fan-Schals verkauft. Auch das weisse Kreuz auf rotem Grund und das gelbe Kreuz auf blauem Grund wären zu haben. Schweiz und Schweden. Gefragt sind sie nicht.

Der Zuschaueraufmarsch ist aus beiden Ländern bescheiden. Die Fifa rechnet mit gut 990 Schweizer Fans, etwa 1200 sollen aus Schweden angereist sein für dieses Achtelfinalduell. Zumindest die Zahl der schwedischen Fans könnte zumindest angezweifelt werden, es dürften wohl wenig mehr sein. Für beide ­Nationalteams könnte es sich um eine historische Chance handeln, sind ihre Möglichkeiten auf ein erfolgreiches Turnier durch das Scheitern mehrerer Favoriten ­inzwischen deutlich gestiegen.

Im kalten St. Petersburg hat sich kurz zuvor der Himmel endgültig geöffnet. Der stetige Nieselregen ist inzwischen zu einem lang anhaltenden Platzregen ­gestiegen. Im Einkaufszentrum Galeria verkriechen sich einige der Fussballfans. Auf einer Grossleinwand zwischen Rolltreppen, Kleidergeschäften und Restaurants verfolgen sie sitzend das Spiel. Einige haben sich Brasilien-Trikots angezogen, andere schreien zwischendurch «Viva Mexico», einige tragen sogar das Dress des positiv überraschenden Gastgebers Russland. Die meisten der jungen Zuschauer sind neutral, sie diskutieren in Russisch angeregt mit ihren Freunden über das Gezeigte. Wenn Neymar den Ball berührt, hallt ein «Oh» von den Wänden. Dass ein Tag später das Spiel zwischen der Schweiz und Schweden steigt, interessiert nicht.

Im Einkaufszentrum Galeria ist das Public Viewing fleissig besucht. (Bild: Raphael Gutzwiller)

Im Einkaufszentrum Galeria ist das Public Viewing fleissig besucht. (Bild: Raphael Gutzwiller)

Schweden verwandeln Bar in Fanzone

Einzig ein gelbes Zelt des Schwedischen Fussballverbands in der Fanzone lässt darauf schliessen, dass die beiden verwechselbaren Länder nur einen Tag später in dieser Stadt ihr Achtelfinalduell bestreiten. Das gelbe Zelt dient als Anlaufstelle zu Fanfragen für die schwedischen Anhänger. Die Schweiz besitzt so was nicht.

Vielleicht ist es auch deshalb leichter herauszufinden, wo sich die schwedischen Supporter befinden. Vor dem Lokal der Stargorod-Brauerei in der Innenstadt steht ein Fan im gelben Shirt, den Kopf hält er gen Himmel, ­Abkühlung hilft. Er lacht. «Heja ­Sverige», sagt er und legt seinem Nebenmann den Arm auf die Schulter. Auch drinnen dominiert die Farbe Gelb, zur Begrüssung hängt eine überdimensionale Schweden-Fahne an der Wand. Aus den Boxen dröhnt ein ­schwedischer Hit. Einige Frauen wippen mit den Hüften, wenn der Refrain gespielt wird, grölen ­einige Männer lautstark mit. An einem langen Tisch werden rund 30 Bier verteilt. Die schwedischen Fans sind in Feierlaune. Mit der Achtelfinalqualifikation hatte man nicht rechnen können, jetzt wollen sie mehr. Damit sind sie aber nicht die Einzigen.

Stimmung, wie am Weihnachtsmarkt. (Bild: Raphael Gutzwiller)

Stimmung, wie am Weihnachtsmarkt. (Bild: Raphael Gutzwiller)

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