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In der Schweiz gibt es immer mehr Fussballerinnen. Auch die Leistungen des Nationalteams werden stetig besser, aber an der WM in Deutschland fehlt die Schweiz.

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Ramona Bachmann gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Fussballerinnen, sie ist beim schwedischen Spitzenclub Umea engagiert. Aber auch sie konnte der Schweiz nicht zur erstmaligen WM-Teilnahme verhelfen. (Bild: ky/Urs Flüeler)

Ramona Bachmann gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Fussballerinnen, sie ist beim schwedischen Spitzenclub Umea engagiert. Aber auch sie konnte der Schweiz nicht zur erstmaligen WM-Teilnahme verhelfen. (Bild: ky/Urs Flüeler)

Nur knapp verpassten es die Schweizer Fussballerinnen im vergangenen Herbst, sich erstmals für einen Grossanlass zu qualifizieren. Obwohl die Enttäuschung der Spielerinnen gross war und nicht wenige von ihnen nach der entscheidenden Niederlage gegen Italien in Tränen ausbrachen, durften sie auf ihre Leistung stolz sein. Denn auch wenn die WM in Deutschland derzeit ohne die Schweizerinnen stattfindet, hat diese Qualifikation gezeigt, dass die Schweiz im Frauenfussball in den vergangenen Jahren einen grossen Schritt nach vorne gemacht hat.

Um die Jahrtausendwende gab es in der Schweiz nur 7000 lizenzierte Fussballerinnen. Im Vergleich zum Jahr 1970, als die NLA der Frauen gegründet wurde und der Verband 270 Lizenzen an Frauen und Mädchen ausstellte, ist das zwar eine beachtliche Steigerung. Mittlerweile ist Fussball bei den Frauen sogar die beliebteste Teamsportart. Das kommt nicht von ungefähr. Denn in den vergangenen Jahren hat auch der Schweizerische Fussballverband das Potenzial des Frauenfussballs erkannt und im Jahr 2004 in Huttwil ein Ausbildungszentrum für Frauen eröffnet. Seither nimmt die Begeisterung stetig zu, im vergangenen Jahr gab es in der Schweiz bereits über 22 000 lizenzierte Fussballerinnen.

In den Ligen fehlen die Zuschauer

Trotz dieser Zahlen hat es der Frauenfussball in der Schweiz aber nicht geschafft, vom Image einer Randsportart wegzukommen. Das zeigen nicht zuletzt die Zuschauerzahlen der höchsten Liga, zu der auch St. Gallen und Staad gehören. Während die Spiele der Männer in der Super League durchschnittlich 11 240 Besucher anlockten, waren es bei den Frauen im Schnitt gerade einmal 123 Zuschauer. Zwar hat sich auch bei den Vereinen einiges getan. «Die Strukturen in den Vereinen werden immer professioneller und leistungsorientierter», sagt Nationaltrainerin Béatrice von Siebenthal, die gleichzeitig auch das Zentrum in Huttwil leitet. Doch auch wenn die Strukturen professioneller werden, kann in der NLA kaum eine Frau nur vom Fussball leben.

Dieser Umstand gilt aber nicht nur für die Schweizer Liga. Selbst in Deutschland kämpft die Bundesliga der Frauen mit tiefen Zuschauerzahlen, der durchschnittliche Lohn beträgt gerade einmal 800 Euro. Nur die ganz bekannten Spielerinnen wie Birgit Prinz oder Fatmire Bajramaj können gut vom Fussball leben. Dabei sind die deutschen Vereine im internationalen Vergleich spitze. Seit die Uefa für Frauen eine Champions League ausrichtet, gewannen deutsche Equipen sechs von zehn Titeln. Noch beeindruckender ist die Bilanz der Nationalteams. Die Deutschen gewannen sieben von bisher zehn EM-Titeln sowie zwei Weltmeisterschaften. Durch diese Erfolge haben die Vereine in Deutschland beinahe ungebremsten Zulauf junger Mädchen, mittlerweile sind über eine Million Fussballerinnen registriert. Die WM im eigenen Land, an der die Gastgeberinnen den dritten Titel in Serie anstreben, dürfte für weitere Begeisterung verantwortlich sein.

In England und Deutschland verboten

Die aktuelle WM zeigt auch, dass Frauenfussball gesellschaftsfähig geworden ist. Daran hatte die Engländerin Nettie Honeyball wohl nicht geglaubt, als sie 1894 das erste Frauen-Fussballteam gründete. Während des Ersten Weltkriegs erlebte der Sport zwar einen ersten Aufschwung, doch danach regten sich immer grössere Widerstände. Bereits 1921 verbot der englische Verband den Frauen das Fussballspielen, da sie dafür «nicht geeignet» seien. 1955 kam es auch in Deutschland zu einem Verbot, das wie in England bis 1970 dauerte. Auch in der Schweiz unterstützte der Verband die Frauen lange nicht. Als er 1965 der Walliserin Madeleine Boll versehentlich eine Lizenz ausstellte, zog der Verband diese wieder ein, als er den «Fehler» bemerkte.

Diese Zeiten sind vorbei, und die nationalen Verbände investieren – auch wegen verschiedener Bestimmungen des Weltverbandes Fifa – immer mehr Geld in den Frauenfussball. In der Schweiz haben diese Bemühungen zwar noch nicht den gewünschten Erfolg, sprich die Teilnahme an einer Endrunde, gebracht. Die nächste Chance bietet sich dem Team aber schon bald, im September beginnt die Qualifikation für die EM 2013 in Schweden. Vielleicht noch grösser ist die Möglichkeit, dass sich die Schweiz für die WM 2015 qualifiziert, dann wird die Zahl der Teilnehmer von 16 auf 24 aufgestockt. Und dass die Schweizer Fussballerinnen auch international erfolgreich sein können, zeigt das Beispiel von Lara Dickenmann. Die 25-Jährige spielt seit 2009 für den französischen Spitzenclub Lyon. Im Final der diesjährigen Champions League erzielte sie das 2:0 und sicherte Lyon den Titel. Zumindest bei einer Schweizerin wichen die Tränen der Enttäuschung damit jenen der Freude.

Markus Zahnd

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