TRAUM: Lieber Spiele als Training

Roger Federer bietet sich in diesem Sommer die Chance, nach fast fünf Jahren wieder die Spitze der Weltrangliste zu übernehmen. In Montréal spielt er diese Woche aber in erster Linie, weil er seine gute Form ausnutzen will.

Marcel Hauck (sda)
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Heute feiert Roger Federer seinen 36. Geburtstag. (Bild: Nicolas Luttiau/Freshfocus)

Heute feiert Roger Federer seinen 36. Geburtstag. (Bild: Nicolas Luttiau/Freshfocus)

Marcel Hauck (SDA)

Der Entscheid von Roger Federer, nicht erst in einer Woche in Cincinnati auf die Tour zurückzukehren, hat überrascht. Der Basler, der heute 36-jährig wird, ist bekannt für seine langfristige Planung. Dass er diese Woche bereits in Montréal wieder antritt, hat zwei Gründe: Federer wittert die Chance, die älteste Num- mer 1 im Tennis zu werden. Und er fühlt sich körperlich und im Kopf frisch. «Als ich nach den Ferien wieder mit dem Training begann, fühlte ich mich physisch und spielerisch in Form», sagt er. «Und ich habe ja im vergangenen Jahr genügend trainiert. Da wollte ich lieber die Form nützen und mehr Matches spielen, statt noch mehr zu trainieren.»

2016 hatte Federer nach Wimbledon die Saison abbrechen müssen, wie nun Stan Wawrinka und Novak Djokovic, um sein operiertes Knie richtig gesund werden zu lassen und sich dann optimal auf die neue Saison vorzubereiten. Diese verlief derart gut, dass er nun Fragen wie diese beantworten muss: Was wäre ihm lieber: Nochmals die Nummer eins der Welt zu werden oder mit den US Open in diesem Jahr noch ein drittes Grand-Slam-Turnier zu gewinnen? Federers Antwort darauf kommt zögernd: «Es ist unmöglich, da zu wählen.» Anderseits: «Mit 36 Jahren die Nummer eins zu sein, wäre schon sehr speziell. Und ich habe ja schon zwei Grand Slams gewonnen. Vielleicht also lieber die Nummer eins» Zum Schluss kommt dann aber doch: «Ich weiss es nicht.»

Rafael Nadal mit den besseren Karten

Es ist ja nicht so, dass Federer sich das einfach aussuchen könnte. Erst einmal muss er in Montréal, nächste Woche in Cincinnati und schliesslich an den US Open mehr Punkte holen als Rafael Nadal. Der Spanier kann den wegen Hüftproblemen pausierenden Andy Murray an der Spitze der Weltrangliste ablösen, wenn er in Kanada mindestens die Halbfinals erreicht. «Der Fokus wird also diese Woche mehr bei Rafa liegen. Aber die Nummer eins scheint für mich nicht so weit weg.» Und da hilft es Federer natürlich, dass er bereits diese Woche in Kanada wieder auf Punktejagd gehen kann.

Erstes Reiseziel der Zwillingsmädchen

Dass Federer seit 2011 nicht mehr in Montréal gespielt und das Turnier noch nie gewonnen hat, wenn es in der Metropole Québecs stattfand, steigert die Lust auf einen Sieg noch mehr. Vor allem aber hat der Basler beste Erinnerungen an die Stadt. Vor acht Jahren unternahm er die erste Reise mit seinen wenige Wochen zuvor geborenen Zwillingsmädchen Charlene und Myla just nach Montréal. Diesmal weilt er allerdings ohne Familie in Kanada. Er kann sich also voll auf das Erreichen des nächsten Traums konzentrieren. In einer Saison, die sowieso schon «ein kompletter Traum» sei – selbst, wenn er nichts mehr gewinnen würde.