TRANSFERS: Schuldenabbau leicht gemacht

Der FC Basel empfängt heute um 20.45 Uhr Benfica Lissabon im St.-Jakob-Park. Die Portugiesen sind Stammgast in der Champions League, obwohl sie jedes Jahr Leistungsträger verlieren.

Pascal Koster
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Haris Seferovic, der Schweizer von Benfica Lissabon, bejubelt sein Tor zum 1:0 gegen ZSKA Moskau. Trotzdem setzen sich die Russen am Ende noch durch. Bild: Mario Cruz/EPA (Bild: Haris Seferovic, der Schweizer von Benfica Lissabon, bejubelt sein Tor zum 1:0 gegen ZSKA Moskau. Trotzdem setzen sich die Russen am Ende noch durch. Bild: Mario Cruz/EPA)

Haris Seferovic, der Schweizer von Benfica Lissabon, bejubelt sein Tor zum 1:0 gegen ZSKA Moskau. Trotzdem setzen sich die Russen am Ende noch durch. Bild: Mario Cruz/EPA (Bild: Haris Seferovic, der Schweizer von Benfica Lissabon, bejubelt sein Tor zum 1:0 gegen ZSKA Moskau. Trotzdem setzen sich die Russen am Ende noch durch. Bild: Mario Cruz/EPA)

Pascal Koster

Es waren gewaltige Geldsummen, die diesen Sommer in die Vereinskasse Benfica Lissabons flossen. Stammgoalie Ederson wanderte für 40 Millionen Euro zu Manchester City ab. Innenverteidiger Victor Lindelöf zog es ebenfalls nach Manchester, allerdings zum Stadtrivalen. Er war der United satte 35 Millionen Euro wert. Auch zu einem Spitzenclub wechselte Nelson Semedo. Der FC Barcelona bezahlte 30,5 Millionen Euro für den Portugiesen. Konstantinos Mitroglou und André Carillo machen den sommerlichen Ausverkauf komplett. Wer nun denkt, diese schwerwiegenden Abgänge wären durch erstklassige Neuzugänge ersetzt worden, liegt falsch. Prominenteste Verpflichtungen im Sommer waren der Schweizer Haris Seferovic und der von Barcelona ausgeliehene Douglas.

Harte Zeiten erfordern harte Massnahmen

Die äusserst zurückhaltende Transferpolitik hat seine Gründe. Benfica Lissabon sitzt seit Jahren auf einem immensen Schuldenberg, der endlich abgebaut werden soll. Ein naheliegendes Mittel sind da die Spielerverkäufe. Benfica Lissabon war zwar schon länger als Ausbildungsverein bekannt, doch seit drei, vier Jahren hat sich diese Rolle verstärkt. In besagter Spanne liess der portugiesische Rekordmeister Top-Spieler wie Nemanja Matic, Nolito, Jan Oblak, Enzo Pérez, Bernardo Silva oder André Gomes ziehen.

Der Präsident Luis Filipe Vieira macht kein Geheimnis daraus, dass ihm nachhaltiges Wirtschaften wichtiger ist als der Gewinn von Titeln. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass es dem jetzigen Trainer Rui Vitória und seinem Vorgänger Jorge Jesus immer wieder gelang, den Umbruch relativ problemlos zu bewältigen. So litt der Erfolg noch nicht unter den Sparmassnahmen. Als Vorzeigebeispiel dient die vergangene Saison, als Benfica das nationale Double gewann.

Kritiker sind sich dennoch einig, dass dieses Modell nicht jedes Jahr funktionieren kann. Einige prophezeien dem Team aus der Hauptstadt, dass bereits diese Saison keine Titel mehr dazukommen werden, zumal der Meister wohl noch nie so drastisch an Kaderqualität verloren hat wie in diesem Transferfenster. Trainer Vitória sieht dies indessen anders. Er schwärmt ganz besonders vom in Frankfurt verschmähten Schweizer Nationalstürmer Seferovic.

Harmonierendes Sturmduo

Der Brasilianer Jonas und der Schweizer mit bosnischen Wurzeln haben in allen sieben Ligaspielen zusammen auf dem Platz gestanden und erzielten addiert elf Treffer. Vitória spricht von einer Symbiose zwischen den beiden. Doch nicht nur wegen Jonas, sondern auch wegen der Qualität der anderen Mitspieler könne er sich bei Benfica Lissabon so gut entfalten. «Seferovics technische Klasse kommt in der portugiesischen Liga und besonders bei Benfica besser zur Geltung als bei Frankfurt.» Der 25-Jährige bestätigt die Aussage des Trainers, indem er das Spielverständnis seiner Teamkollegen hervorhebt. «Unsere Mittelfeldakteure sind sehr offensiv eingestellt. Sie wissen, wie ich spiele», sagte er einst in einem Interview.

Die Portugiesen steigen als Favorit in das heutige Spiel gegen den FC Basel, obwohl das Startspiel im heimischen Estádio da Luz verloren ging. Vitória sagt dazu: «Wir haben gegen ZSKA Moskau drei Punkte verloren, die müssen wir nun anderswo holen.» Eine Aussage, die zeigt, dass auch dieses Jahr nur das Weiterkommen für den Traditionsclub zählt. Daran ändern auch die schwierigen Begleitumstände nichts.