Transferpolitik als Bumerang

Der FC Zürich empfängt heute um 20.15 Uhr in der Champions-League-Qualifikation Standard Lüttich zum Rückspiel. Nach dem 1:1 im Hinspiel ist Sportchef Fredy Bickel vorsichtig optimistisch. Für mehr Zuversicht hat er keinen Grund.

Ueli Zoss
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Drei Meisterschaftsspiele, null Punkte: Der FC Zürich und Ricardo Rodriguez sind in der Krise. (Bild: freshfocus/Andreas Meier)

Drei Meisterschaftsspiele, null Punkte: Der FC Zürich und Ricardo Rodriguez sind in der Krise. (Bild: freshfocus/Andreas Meier)

Fussball. Das zweite Spiel gegen den belgischen Cupsieger soll für den FC Zürich zum zweitenmal in dieser Saison die Wende bringen. Besserung versprachen sich die Zürcher bereits nach dem 1:1 in Lüttich, doch mit dem 1:2 auswärts gegen Lausanne-Sport folgte die Ernüchterung auf dem Fuss. Das Beste an der aktuellen Situation des FC Zürich ist sein Glück im Hinspiel – dass im Tor ein starker Johnny Leoni stand und der Gegner mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hatte. Das Unentschieden lässt den Zürchern allerdings unverändert alle Chancen auf ein Weiterkommen, das mindestens zu drei Millionen Franken Uefa-Prämien, einem Play-off-Gegner vom Kaliber Bayern München, Arsenal oder Lyon und gesicherten Europacup-Spielen bis Ende Jahr verhelfen würde – sei es in der Champions League oder in der Europa League.

Bickels Verärgerung

«Die Ausgangslage ist offen», sagt Sportchef Fredy Bickel, um gleich anzufügen: «Aber es wird sehr schwierig.» Eine resolute Kampfansage ist das nicht. Seine Hoffnung beschränkt sich darauf, dass «bei uns wirklich der hinterste und letzte begriffen hat, um was es geht». Weil der FC Zürich bisher nicht auf Touren kommt, wird Bickel mit dem Vorwurf konfrontiert, in der Transferzeit zu passiv agiert zu haben. «Klar, könnten wir neue Spieler gut gebrauchen. Es fehlen Winnertypen, die das Steuer herumreissen.» Der Sportchef setzte aber auf Kontinuität im Kader, weil ihm nicht viel anderes übrig blieb. Einerseits musste er sparen, andererseits blieben Zuzüge aus, weil er nicht alle Spieler transferieren konnte, von denen sich der Club trennen wollte. Bickel: «Florian Stahel bekam ein Angebot von St. Gallen, Milan Gajic eins von Lausanne. Beide zogen es vor, den Vertrag abzusitzen.» Sein Ärger über dieses Verhalten ist spürbar.

Bickel sagt aber auch: «Wir standen im vergangenen Sommer vor einer wichtigen Saison. Wir hatten die Chance, uns als Meister direkt für die Gruppenphase der Champions League zu qualifizieren, und tätigten entsprechend einige Transfers, ohne aber Spieler abzugeben.»

«Alles hängt vom Rückspiel ab»

Der Schwede Dusan Djuric, der zurzeit mit Abstand beste Spieler im Team von Trainer Urs Fischer, habe hingegen den Wunsch geäussert, in Spanien oder England zu spielen, sagt Bickel. Allerdings könne sich Djuric auch gut vorstellen, beim FC Zürich zu verlängern. «Ich hoffe natürlich, dass keine Offerte für ihn reinkommt», so der Sportchef. Unter vier bis fünf Millionen Franken lässt der FC Zürich Djuric ohnehin nicht ziehen. Geld, das allenfalls wieder investiert werden könnte. «Alles hängt vom Rückspiel gegen Standard Lüttich ab», sagt Bickel zu solchen Überlegungen.

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