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Manuel Akanji pokert in Dortmund – das könnte für die Nati vor der WM noch zum Problem werden

Der beste Schweizer Verteidiger ist bei seinem Verein auf das Abstellgleis geraten, weil er den Vertrag nicht verlängern will. Ein passendes Angebot ist bisher aber nicht eingetroffen.

Dominic Wirth 3 Kommentare
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Abwehrchef Manuel Akanji: Noch ist kein passendes Angebot eingetroffen.

Abwehrchef Manuel Akanji: Noch ist kein passendes Angebot eingetroffen.

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Nicht einmal auf der Ersatzbank von Borussia Dortmund findet sich derzeit ein Plätzchen für Manuel Akanji, auch am Wochenende war das wieder so. Da empfingen die Dortmunder im ersten Spiel der neuen Bundesligasaison Bayer Leverkusen, und sie mussten dabei auf Niklas Süle verzichten, den Innenverteidiger, den sie von Bayern München geholt hatten.

Manuel Akanji, 27 Jahre alt, Schweizer Nationalspieler, spielt wie Süle in der Innenverteidigung, und er tat das in der letzten Saison oft sehr gut. Doch gegen Leverkusen stand er wieder nicht im Aufgebot, nicht einmal das, wie schon in der Woche zuvor im DFB-Pokal. Stattdessen nahm der Dortmunder Trainer Edin Terzic als Süle-Ersatz Somalïa Coulibaly in seinen Kader, ein Franzose, 18-jährig erst, bisherige Einsätze in der Bundesliga: null.

Akanji will mehr als Dortmund

Akanji hat sich in Dortmund in eine schwierige Lage manövriert. Es läuft gerade so etwas wie ein Pokerspiel um seine Zukunft. Dieses Spiel könnte im Hinblick auf die WM in Katar zu einem Problem werden für den Verteidiger. Und damit auch für Murat Yakin, den Schweizer Nationaltrainer.

Die Karriere des Zürchers glich bisher einem Steigerungslauf: Ausbildung bei Winterthur, Wechsel nach Basel mit 19 und zweieinhalb Jahre später der Sprung in die Bundesliga, zu Dortmund, wo er bald Stammspieler wurde. Jetzt will Akanji noch höher hinaus. 2023 läuft der Vertrag beim deutschen Spitzenverein aus; Angebote für eine vorzeitige Verlängerung hat der Verteidiger ausgeschlagen.

In Dortmund haben sie darauf ziemlich ruppig reagiert. Mit Süle und Nico Schlotterbeck sind gleich zwei neue Innenverteidiger gekommen, deutsche Nationalspieler alle beide. Der Schweizer durfte in der Vorbereitung selbst in den Testspielen nicht mittun. Trainer Terzic fand vor dem Saisonstart zwar auch lobende Worte für Akanji. Betonte, dass der Verteidiger «weiter Gas» gebe. Vor allem aber machte Terzic klar, dass er vorderhand nicht auf ihn setzen will.

Das Kalkül ist leicht durchschaubar: In Dortmund wollen sie unbedingt verhindern, dass Akanji seinen Vertrag aussitzt und dann im nächsten Sommer ablösefrei wechselt – so, wie das immer mehr namhafte und folglich wertvolle Fussballer tun, diesen Sommer etwa Andreas Christensen, Antonio Rüdiger oder Paulo Dybala, im Jahr davor zum Beispiel David Alaba.

Der Faktor Sebastian Kehl

Dortmund hat 2014 Robert Lewandowski ablösefrei an Bayern München verloren, seither unternimmt der Klub alles, damit sich diese Geschichte nicht wiederholt. Mit Sebastian Kehl ist seit ein paar Wochen ein neuer Sportdirektor im Amt. Er tritt als Nachfolger von Michael Zorc in grosse Fussstapfen, und es geht für ihn in diesen Tagen auch darum, ein paar Zeichen zu setzen. Dazu hat er sich offensichtlich auch die Causa Akanji ausgesucht, bei der es immerhin um 20 bis 30 Millionen Euro Ablöse geht.

Hat in Dortmund gerade die Nachfolge von Michael Zorc angetreten: Sportdirektor Sebastian Kehl.

Hat in Dortmund gerade die Nachfolge von Michael Zorc angetreten: Sportdirektor Sebastian Kehl.

Keystone

Es ist gerade alles ein wenig kompliziert für Manuel Akanji. Winterthur, Basel, Dortmund, immer ging es aufwärts. Und das soll es auch weiterhin. Aber liegt das überhaupt noch drin? Nach Dortmund bleibt nur eine Handvoll Klubs in den grössten Ligen Europas übrig.

Schon vor Jahren hat Akanji klargemacht, dass ihm die englische Liga gefällt und Manchester United ganz besonders. Ein anderes mögliches Zielland ist Italien. Juventus soll sich mit Akanji befasst haben, zuletzt meldete die «Gazzetta dello Sport», dass Inter Mailand sich für ihn interessiert, falls sein slowakischer Innenverteidiger Milan Skriniar zu Paris Saint-Germain wechselt.

Auf solche Bewegungen ist der Schweizer Nationalspieler, der sich derzeit nicht zu seiner Situation äussert, jetzt angewiesen. Hier kippt ein Dominostein und dort einer. Und schliesslich führt das alles zu ihm. Noch ist das Transferfenster drei Wochen geöffnet, eine halbe Ewigkeit. Noch kann viel passieren.

Doch wie geht es weiter, wenn kein Angebot eines Vereins eintrifft, das Akanji für angemessen hält? Geht er dann an einen Ort, den er derzeit noch ausschliesst, nach England vielleicht und dort eben zu einem Klub wie West Ham, nur im Mittelfeld daheim, aber dank der TV-Millionen vermögend? Oder bleibt er doch in Dortmund und spekuliert darauf, dass sein aktueller Tribünenplatz nur eine Drohgebärde ist, die sich in Luft auflöst, sobald das Transferfenster geschlossen ist?

Es werden spannende Tage für Akanji. Und damit auch für Nationaltrainer Yakin, der darauf angewiesen ist, dass sein bester Verteidiger Spielpraxis hat, wenn die Schweiz im November an die WM nach Katar reist. Das zeigte sich zuletzt in den Nations-League-Spielen im Juni. Als Akanji da zu Beginn noch angeschlagen fehlte, kassierten die Schweizer gegen Tschechien und Portugal sechs Tore. Mit dem Abwehrchef war es dann noch eines gegen Portugal und Spanien.

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