TRANSFERCOUP: Ein Mann, der Hoffnung macht

Stürmer Albian Ajeti unterschreibt beim FC St. Gallen einen Vertrag bis 2021, was die Perspektiven schon für nächste Saison deutlich verbessert. Die Ostschweizer dürfen getrost ambitionierter werden.

Patricia Loher
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In den vergangenen zehn Spielen hat der 20-jährige Albian Ajeti (Mitte, mit Lucas Cueto) siebenmal getroffen. Nun gehört er definitiv dem FC St. Gallen. (Bild: Michel Canonica)

In den vergangenen zehn Spielen hat der 20-jährige Albian Ajeti (Mitte, mit Lucas Cueto) siebenmal getroffen. Nun gehört er definitiv dem FC St. Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Patricia Loher

Schon jetzt verfügt der FC St. Gallen über eine Mannschaft, die sich vor fast keinem Gegner in der Super League verstecken muss. Albian Ajeti hätte einst beim FC Basel bleiben können, Tranquillo Barnetta und Karim Haggui bringen Bundesligaerfahrung mit, Captain Toko ist ein gestandener Super-League-Spieler und Goalie Daniel Lopar befindet sich in einer beneidenswerten Form. Wäre die Vorrunde nur ein bisschen besser gewesen und hätte St. Gallen in dieser Rückrunde die eine oder andere Führung mehr über die Zeit gebracht, wären die Ostschweizer Platz vier deutlich näher. Trotz Ajeti, der in 19 Partien neun Tore erzielt hat und damit einiges dazu beitrug, dass es den lange kriselnden St. Gallern schon im Herbst besser lief, ist das Team noch immer keine Torfabrik. Keine Mannschaft in der Super League hat weniger getroffen als St. Gallen.

So mochten sich die Anhänger nicht ausmalen, was passiert, würde Augsburg seinen jungen Spieler am Ende dieser Saison zurück nach Deutschland beordern oder ihn an einen anderen Club verkaufen. Noch selten hat ein 20-Jähriger in St. Gallen gleich derart überzeugt wie es Ajeti getan hat, er ist körperlich robust, kaltblütig und kaum zu beeindrucken. Selbst im Training sei es unangenehm, gegen ihn zu spielen, sagen Teamkollegen.

Die Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt

So schien es ein Ding der Unmöglichkeit, den Basler länger zu halten, geschweige denn, ihn definitiv zu übernehmen. Trotzdem haben es der FC St. Gallen und Sportchef Christian Stübi geschafft: Die Verpflichtung von Ajeti bis 2021 ist ein Transfercoup. Sollten nach dieser Saison keine Leistungsträger abspringen, dürfen die Ambitionen in St. Gallen ruhig ein bisschen ­höher sein als zu Beginn dieser Meisterschaft, als einmal mehr der Ligaerhalt die Vorgabe war. St. Gallen hat nun eine gute Basis, es verfügt über eine eingespielte Achse mit Haggui, Toko, Barnetta sowie Ajeti. Gelingt es dem Trainerstab um Joe Zinnbauer, das Potenzial auszuschöpfen, kann diese Mannschaft kommende Saison um einen Platz in der Europa League spielen.

Ajeti sprengt das Budget nicht

«Wir haben uns frühzeitig um eine Übernahme von Albian bemüht, weil wir wissen, wie wichtig er für uns ist», sagt Stübi. Es sei normal, dass sich ein solcher Wechsel nicht von heute auf morgen realisieren lasse, «aber unsere Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt». Ajeti sei noch ein junger Stürmer, der aber in seiner Entwicklung schon sehr weit sei und enormes Potenzial besitze, so Stübi weiter. «Dass er sich nun bis 2021 an uns gebunden hat, ist ein Glücksfall für uns.» Über die ­Ablösemodalitäten wurde Stillschweigen vereinbart. Aus Deutschland war aber zu vernehmen, dass die Ostschweizer gut eine Million Franken nach Augsburg überweisen – der Bundesligaclub hatte Ajeti vor etwas mehr als einem Jahr für diese Summe vom FC Basel übernommen und ihn mit einem Vertrag bis 2020 ausgestattet. Ajetis Transfer sprenge St. Gallens Budget jedenfalls nicht, so Stübi. «Er ist zu hundert Prozent aus unserem Budget finanzierbar.» Zudem wurden im Winter unter anderem mit dem Abgang von Albert Bunjaku wieder Gelder frei.

Noch nicht definitiv vermeldet wurde der Transfer von Ajetis Zwillingsbruder Adonis, welcher derzeit beim FC Wil unter Vertrag ist. Allerdings zeichnet sich ab, dass auch der Innenverteidiger ab Sommer für St. Gallen spielen wird.