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Knieprobleme, Niederlagenserien und Schweizer Nati: FCSG-Star Tranquillo Barnetta im grossen Interview

Mit Tranquillo Barnetta wirkt seit eineinhalb Jahren ein Routinier wieder beim FC St.Gallen mit. Mit dem FCSG hat der alt Internationale noch einiges vor. Der Start wird mit dem Trainingslager in Bad Ragaz gemacht.
Reto Voneschen/Sarganserländer
«Das ist nicht selbstverständlich und auch nicht unbedingt der normale Rahmen, in welchem sich der FC St.Gallen bewegt» (Bild: Reto Voneschen)

«Das ist nicht selbstverständlich und auch nicht unbedingt der normale Rahmen, in welchem sich der FC St.Gallen bewegt» (Bild: Reto Voneschen)

Seit Montag weilt der FC St.Gallen in Bad Ragaz im Trainingslager, das am Freitag mit dem Spiel gegen den FC Bad Ragaz endet. Mit Tranquillo Barnetta steht ein Urgestein nach einigen Auslandsjahren wieder im FCSG-Kader. Im Interview mit dem «Sarganserländer» schaut der langjährige Nationalspieler nach vorne und zurück.

Tranquillo Barnetta, Sie haben im zweiten Training in Bad Ragaz gefehlt, darum die Frage: Wie geht es Ihnen?

Tranquillo Barnetta: In der Vorbereitung müssen wir mein Programm ein bisschen dosieren. Alles kann ich nicht voll mitziehen. Aber das ist nichts Besonderes, im Training danach stand ich wieder auf dem Platz.

Welcher Art Verletzung ist es denn?

Manchmal hab ich ein bisschen Mühe mit den Knien. Was man halt hat nach 16 Jahren Profifussball. Dann macht es keinen Sinn, schon zu Beginn der Vorbereitung direkt von Null auf 100 zu gehen. Die Gefahr der Überreizung droht. Dann trainiere ich in Absprache mit dem Physioteam ein anderes Programm als die Mannschaft.

Die FCSG-Fans müssen sich also keine Sorgen machen?

(lacht) Nein, bis jetzt noch nicht.

Wie ist Ihr Eindruck von Bad Ragaz und dem Grand Resort?

Es ist der Wahnsinn hier. Es ist wichtig, dass wir Spieler das auch zu schätzen wissen. Das ist nicht selbstverständlich und auch nicht unbedingt der normale Rahmen, in welchem sich der FC St.Gallen bewegt. Das ist sich wohl auch jeder Spieler bewusst, dass die Umgebung hier ein bisschen über den üblichen Verhältnissen des FCSG ist. Aber für uns Spieler, und gerade für die Jüngeren, ist es natürlich schön, so etwas mal zu sehen. Man kann das auch als Ziel sehen, bei grösseren Vereinen hat man solche Verhältnisse regelmässig in der Vorbereitung. Wir sind einfach froh und dankbar, dass wir die Top-Möglichkeiten hier haben.

Das weiss man also als Spieler zu schätzen? Bei Bundesligaprofis beispielsweise hat man eher das Gefühl, dass ihnen das egal ist.

Wenn man immer wieder in Hotels wie dem Grand Resort ist, dann ist es vielleicht so, dass man es nicht mehr so schätzt. Aber oft bist du im Trainingslager am Abend so kaputt, dass du nicht mehr durch die Lobby läufst und denkst, «oh, wie ist das schön». Wenn man mit dem FCSG in so einem Hotel ist, dann muss man das einfach schätzen. Aber im Endeffekt sind wir einfach da, um uns gut vorzubereiten.

Wie sind die Eindrücke der neuen «Espen on Tour»-Kampagne? Es ähnelt fast einem Wanderzirkus.

Positiv ist, dass wir nah bei den Fans sind. St.Gallen hat ein grosses Einzugsgebiet, so können wir einfach näher zu den Fans kommen. Als Spieler ist es nochmals anders. Man ist viel unterwegs, zum Glück wars nur eine kurze Tour. Aber auch die folgenden Freundschaftsspiele sind eine super Sache. Ich glaube, das Ziel ist mit den Trainings bei den verschiedenen Vereinen und Dörfern in der letzten Woche erreicht worden. So müssen die Leute mal nicht zu uns kommen, sondern wir kommen zu ihnen.

Wie viel Spass machen solche Spiele gegen Unterklassige?

Grundsätzlich schauen wir das als Trainingseinheit an. Die erste Partie gegen Bazenheid ging resultatmässig mit dem 1:1 nicht so aus, wie wir uns das erhofft hatten. Trotzdem zogen wir gute Schlüsse daraus, wir konnten einiges ausprobieren. Das Resultat steht dabei nicht im Vordergrund, obwohl es heisst, als «Grosser» müsse man diese Spiele gewinnen. Das wäre natürlich auch das Ziel, oft werden die Schwerpunkte aber anders gelegt als in einem «normalen» Spiel.

Oft war im Zusammenhang mit dem FCSG über den neuen Spirit, den die neue Führung eingebracht hat, zu hören. Habt ihr Spieler das auch gespürt, oder wie hat sich das bemerkbar gemacht?

Wir haben das definitiv gespürt. Für uns ist es immer am besten, wenn es rundherum ruhig ist. Dann kann man sich aufs Wesentliche konzentrieren. Da war das letzte Jahr nicht optimal. Als Spieler geht's darum, zu funktionieren. Wenn's Entlassungen gibt, dann kommt man am nächsten Tag trotzdem zum Training. Das geht aber nicht immer spurlos an einem vorbei. Es ist jetzt gut, dass versucht wird, eine Atmosphäre mit einer positiven Energie zu schaffen, wo wir in Ruhe arbeiten können.

Ende der letzten Saison lief es auf dem Feld nicht mehr rund. Waren das die Auswirkungen der Unruhe?

Schwierig zu sagen. Wir hatten eine Phase mit fünf, sechs Siegen, wo wir wohl auch über den Verhältnissen lebten. Wir gewannen das eine oder andere Spiel, das wir nicht unbedingt gewinnen müssten. Die letzten Spiele gingen dann genau in die andere Richtung – einige Partien dürften wir nicht verlieren. Nach zwei, drei Niederlagen kommst du wieder ins Grübeln. Die Leistung bei einigen Niederlagen war anfangs noch okay, bei den zwei letzten Spielen konnten wir diese aber auch nicht mehr abrufen. Woran das genau lag, ist wirklich schwierig zu sagen. Aber wir wollen nicht mehr zurückschauen. Wichtig ist jetzt, dass ein neues Kapitel gestartet wird. Das letzte Jahr war ein Umbruchjahr.

Bekommt man als Spieler privat auch beispielsweise mehr SMS in Richtung «jetzt gebt mal Gas»?

Diejenigen, die meine Nummer haben, unterstützen mich eher positiv. (lacht). Aber natürlich wird man mehr angesprochen, auch in der Stadt.

Nach dem letzten Spiel gabs Verwirrung, als plötzlich Ihr Rücktritt vermeldet wurde und Sportchef Alain Sutter sich dazu im TV-Interview äusserte. Was lief dort schief?

Nach dem Spiel hatte ich mit niemandem gesprochen. Ich war an einem Sponsoringanlass, als ich die Push-Nachricht las, dass ich zurückgetreten sei. Da schaut man schon komisch. Mit Sutter hab ich die Sache geklärt. Diejenigen, die mich kennen, die wussten, dass ich nicht zu Kurzschlussreaktionen neige und wegen einer Niederlage zurücktrete. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen. Aber dann wird das auch sauber mitgeteilt.

Aber solche Pläne haben Sie noch nicht?

Nein. Aber man muss immer schauen, wie es körperlich geht. Ich hab auch immer gesagt, solange ich Spass habe und der Körper mitmacht, dann mache ich weiter.

Kommen wir zur neuen Saison: Haben Sie mit Trainer Peter Zeidler gesprochen? Kannten Sie ihn vorher?

Nicht persönlich, aber sein bisheriges Wirken. Er war ja auch in der Bundesliga, als ich dort spielte. Die ersten Eindrücke hier sind sehr positiv. Uns freut es, dass wir so einen guten Trainer verpflichten konnten.

Wissen Sie schon, auf welcher Position Sie eingesetzt werden?

Ich bin wohl schon im Mittelfeld vorgesehen. Aber konkrete Gespräche haben wir noch nicht geführt.

Die WM ist derzeit ein grosses Thema. Sie nahmen dreimal an einer Endrunde teil. Welche Erinnerungen hegen Sie daran?

Sehr viele schöne. 2006 in Deutschland war es ein wunderbares Fussballfest. Gegen Togo in Dortmund vor 50'000 Zuschauern ein Tor zu erzielen, werde ich nie vergessen. Ebenso den Sieg 2010 gegen Spanien. Ich habe mehr positive als negative Erinnerungen an die WM. Natürlich, der verschossene Penalty im Achtelfinal 2006 war auch dabei. Aber den habe ich verarbeitet. Es haben ja an dieser WM schon ganz andere Penaltys verschossen. Damals, mit 21 Jahren, war's nicht eine so ganz einfache Zeit, wenn man einen wichtigen Strafstoss verschiesst.

Haben Sie noch Kontakt mit aktiven ehemaligen Natikollegen, die jetzt in Russland sind?

Nicht so intensiv wie auch schon. Verteidiger Michael Lang kenne ich beispielsweise schon lange. Aber während der WM mochte ich es auch nicht so, wenn mir geschrieben wurde, darum ist der Kontakt jetzt nicht so intensiv. Ich verfolge die WM eher als Fan.

Was erreicht die Nati noch?

Die ganzen Sachen, die passiert sind, das schweisst das Team wohl noch mehr zusammen. Allein die Quali war ein Riesenerfolg. Das wird immer ein wenig unterschätzt. Danach ist vieles möglich. Das hat man 2006 und 2014 mit dem grossartigen Spiel gegen Argentinien gesehen. Ich traue ihnen den Viertelfinal zu.

Sie sprachen es an: So ein «Anti-Reflex», wie nach den Geschehnissen nach dem Serbien-Spiel kann ein Team zusammenschweissen.

Das ist so. Etwas Ähnliches haben wir ja in den WM-Playoffs 2005 gegen die Türkei erlebt. Das war nicht schön, und es wurde viel darüber berichtet. Auch die Sperre gegen Beni Huggel schweisste uns extrem zusammen. Im Sinne von: «Jetzt spielen wir auch für ihn».

Haben die Medien nach dem «Doppeladler-Jubel» übertrieben reagiert?

In der heutigen Zeit wird alles ausgeschlachtet. Emotionen braucht's auf dem Platz. Ob es die beste Aktion war, darüber lässt sich streiten. Für mich hätte es auch gereicht, wenn man einmal etwas darüber geschrieben und danach das Thema ruhen gelassen hätte. Aber heutzutage wird das eher aufgebauscht.

Hätten sie sich mit dem Jubel wie Stephan Lichtsteiner auch solidarisiert?

Nächste Frage bitte. (lacht)

Okay. Sie werden Vater. Sitzen Sie schon auf glühenden Kohlen oder dauerts noch ein Weilchen?

Nein, das dauert noch. Wenn's dann soweit ist, werden auch alle informiert.

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