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TRAININGSLAGER: Cleverer Wolf

Stefan Wolf hat sich nach seiner Profikarriere auch im Berufsalltag etabliert. Der 46-Jährige ist nun Verwaltungsrat des FC St. Gallen – und wird die Leistungen des Teams weiterhin vor Sponsoren analysieren.
Patricia Loher, Sotogrande
Stefan Wolf ist im Verwaltungsrat für den Sport und den Nachwuchs zuständig. (Bild: Urs Bucher)

Stefan Wolf ist im Verwaltungsrat für den Sport und den Nachwuchs zuständig. (Bild: Urs Bucher)

Patricia Loher, Sotogrande

Es ist eine Ferienlandschaft. Neben dem Trainingsplatz, der sich auf einer Anhöhe befindet, ragen Palmen in den wolkenlosen Himmel. Ein bisschen weiter im Süden plätschern die Wellen des Meeres an die Küste. Nur, für den FC St. Gallen sind die Übungseinheiten auf dem Platz eines Poloclubs im spanischen Sotogrande harte Arbeit. Alles dreht sich in diesen Tagen um die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte, also vor allem darum, wie es gelingen kann, den vierten Platz bis zum Ende der Meisterschaft zu verteidigen. Mitgereist nach Andalusien ist auch Stefan Wolf. Erst seit fünf Wochen gehört der 46-Jährige dem Verwaltungsrat der St. Galler an – und damit ­jenem Gremium, das innerhalb weniger Stunden komplett neu zusammengestellt wurde.

Für Wolf, den ehemaligen Captain des FC St. Gallen, geht es auch um die kurzfristigen Erfolge. Der Innerschweizer, im Verwaltungsrat zuständig für den Sport und den Nachwuchs, muss aber auch das grosse Ganze im Auge behalten. Er und Sportchef Alain Sutter müssen sich fragen: Wohin soll sich dieser Club in den nächsten Jahren entwickeln? Darf er Ambitionen haben? Und wie wird er zu einer guten, aber gleichzeitig auch finanzierbaren Adresse im Ausbildungswesen?

Lange Gespräche mit Alain Sutter

So sassen Wolf und Sutter im Trainingslager schon viele Stunden zusammen. Auch am Morgen vor dem Testspiel gegen Sturm Graz besprechen sich die beiden früheren Internationalen. Dank ihrer Erfahrung im Spitzenfussball gab es in der Ostschweiz viele Vorschusslorbeeren. Insbesondere Wolf ist in St. Gallen noch immer in guter Erinnerung: Nach den Stationen Luzern, Sion und Servette spielte Wolf von 2002 bis 2006 für die Ostschweizer, ehe er seine Karriere wegen Knieproblemen beenden musste. Der Verteidiger, einst Meister mit Servette sowie Cupsieger mit den Genfern und Luzernern, galt als sicherer Wert und als einer, der über den Tellerrand hinausblickt. Die Anhänger mochten ihn, weil er mit seiner Bodenständigkeit so gut nach St. Gallen passte.

Trotz seines tadellosen Rufs besetzt Wolf nun aber zum ersten Mal den Posten eines Verwaltungsrats in einem Spitzenclub. Vor einigen Jahren gab es einmal eine lose Anfrage des FC Luzern, der einen Sportchef suchte. Aber Wolf hatte sich nach seiner ­Karriere bereits ein berufliches Standbein aufgebaut. Mit seiner Stiftung Next Sport Generation unterstützt er junge Athletinnen und Athleten aus unterschied­lichen Sportarten finanziell, er kümmert sich um behinderte sowie sozial benachteiligte Kinder und führt jedes Jahr in verschiedenen Regionen der Schweiz den Fussballnachmittag Kids-Day durch. Mit seiner Firma Wolf­assist, der auch seine Frau an­gehört, berät er Unternehmen, Clubs oder Sportler bezüglich ihrer Auftritte im Web. Aus der Distanz betrachtet, schien Wolf den Übergang vom Profifussball in den Berufsalltag gut zu meistern. «Aber es lief nicht immer ­ so problemlos», sagt er. Der Schritt in die Selbstständigkeit war mit einem harten Stück Arbeit verbunden. «Ich habe drei bis vier Jahre gebraucht, um mir ein eigenes Standbein aufzubauen.» Natürlich half ihm sein Netzwerk. Es kam Wolf entgegen, dass er ein Fussballer war, der den Kontakt suchte – mit Sponsoren, Anhängern oder Funktionären. So sagt er heute, er rate jedem jungen Fussballer, sich schon während der Sportkarriere ein Beziehungsnetz aufzubauen. «Sie sollen später davon profitieren, dass sie in diesem Beruf so viele Leute kennen lernen können.»

Für den Verein Nexus, dessen Mitglieder im Kybunpark eine Loge besitzen und seine Stiftung unterstützen, analysiert Wolf in regelmässigen Abständen die Spiele des FC St. Gallen. So kam er auch in Kontakt mit den neuen Aktionären, die ihn davon überzeugten, sich in den Verwaltungsrat wählen zu lassen. Trotz des neuen Mandats wird Wolf auch weiterhin in den Logen zugegen sein und St. Galler Partien Revue passieren lassen. «Natürlich habe ich nun die grün-weisse Brille auf», sagt der Vater zweier Kinder. «Aber ich werde weiterhin sagen, wenn etwas gut oder weniger gut war.» Im Verwaltungsrat ist er neben Peter Germann St. Gallens neues, unabhängiges sportliches Gewissen. Auch dort wird Wolf anmerken, wenn etwas gut läuft. Oder eben weniger gut.

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