Trainings sind ein Muster ohne Wert

Lara Gut liegt in dieser Saison hinter den Erwartungen. Doch die Suche nach den Gründen zeigt: Es ist nicht alles schlechter als vergangenen Winter – und es gibt Anlass zur Zuversicht. Schon heute und morgen in St. Moritz kann Gut ihre Bilanz verbessern.

Stefan Klinger/St. Moritz
Merken
Drucken
Teilen
Lara Gut Skirennfahrerin (Bild: ap/Armando Trovati)

Lara Gut Skirennfahrerin (Bild: ap/Armando Trovati)

SKI ALPIN. Der Blick in die Resultatslisten liefert eine eigentlich eindeutige, im Grunde enttäuschende Erkenntnis: In dieser Saison hat Lara Gut bislang ein Weltcuprennen gewonnen – im vergangenen Winter waren es im vergleichbaren Zeitraum vier. Doch ganz so einfach ist es nicht. Allein aufgrund dieser Fakten abzuleiten, dass die siebenfache Saisonsiegerin des vergangenen Winters und Gewinnerin der Super-G-Gesamtwertung nicht mehr so gut in Form ist, wäre voreilig – davon sind Gut und der Schweizer Frauen-Cheftrainer Hans Flatscher fest überzeugt.

«In der Super-G-Wertung lag ich vor einem Jahr mit drei Punkten Vorsprung vorne, jetzt mit zwei Punkten Rückstand auf Platz zwei – wo ist da der Unterschied?», sagt die 23jährige Tessinerin. «Ausserdem bedeutet es nicht, dass du besser bist, wenn du mehr Rennen gewinnst. Jedes Jahr ist anders. Ich habe den Eindruck, dass ich in der Abfahrt besser fahre als vor einem Jahr.» Einzig im Riesenslalom – sie kam noch nicht über einen 18. Rang hinaus – sei sie in diesem Winter «noch nicht richtig in Fahrt gekommen. Aber das ist halt so – das ist ein Teil des Spiels.»

WM-Pisten in guter Erinnerung

Ein Spiel, in dem Gut aber schon bald die Erwartungen erfüllen, wieder Siege holen und vor allem an der in neun Tagen beginnenden WM in den USA Medaillen gewinnen könnte. Denn einer der Hauptgründe für die aktuell nicht ganz so glanzvolle Zwischenbilanz wie vor einem Jahr ist, dass es in dieser Saison noch kein Rennen in Beaver Creek gab. Immerhin hatte Gut zu Beginn des vergangenen Winters auf der in Colorado sehr speziellen Piste Abfahrt und Super-G gewonnen. Doch genau das lässt Gut und ihr Umfeld positiv in die nahe Zukunft blicken. Immerhin finden bei den Titelkämpfen in den USA Abfahrt, Super-G und Riesenslalom in Beaver Creek statt.

«Im Moment kann Lara noch nicht mit einer Lindsey Vonn mithalten, die nach ihrer Rückkehr die Messlatte sehr hoch angesetzt hat. Der Sieg geht momentan nur über die Amerikanerin. Aber Lara ist nahe an ihr daran», sagt Flatscher. «Im Hinblick auf die WM bin ich optimistisch. Lara ist unser Haupttrumpf, denn die Strecke in Beaver Creek liegt ihr mehr als Lindsey. Sie kann im steilen Gelände sehr enge Radien fahren, das kann Vonn nicht so gut.»

Und so lässt sich Gut dieser Tage nicht beunruhigen. Weder von den Eindrücken in den vergangenen Wochen, noch von denen dieser Tage in St. Moritz. Die beiden Trainings, in denen sie jeweils mehr als eine Sekunde auf die Siegerin verlor, sind für sie nur ein Muster ohne Wert.

Nicht unter Druck

«Ich muss dann schnell sein, wenn es gilt», sagt Gut. Und dass bei den Heimrennen heute und morgen nach dem Ausfall von Abfahrts-Olympiasiegerin Dominique Gisin, die einen Bruch im Schienbeinkopf erlitt, erst recht alle Augen auf sie gerichtet sind, bringt sie auch nicht aus dem Konzept. «Nein», sagt Gut, «deswegen spüre ich keinen Druck.» Bald muss sie wohl nicht mehr erklären, weshalb sie keine Spitzenplätze verbucht.