Stillstand statt Weiterentwicklung: Die Ostschweizer Nachwuchsturner trainieren momentan zu Hause

Die Nachwuchsturner des Regionalen Leistungszentrums Ostschweiz können zur Zeit nicht in der Halle trainierne, das Nationalkader hingegen kehrt nächste Woche nach Magglingen zurück.

Raya Badraun
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Die leere Trainingshalle in Wil.

Die leere Trainingshalle in Wil.

Benjamin Manser

Kunstturnen ist trainingsintensiv. Bereits der Nachwuchs verbringt über 20 Stunden pro Woche in der Halle. Seit bald zwei Wochen sind diese Analgen aufgrund des Coronavirus jedoch geschlossen – auch das Regionale Leistungszentrum Ostschweiz in Wil. «In diesen Zeiten müssen wir innovativ sein», sagt Alexander Brochier, der Vorstandspräsident. Die Kinder trainieren trotzdem weiter – einfach zu Hause. Von den Coaches erhalten sie Pläne. Ein bis drei Stunden absolvieren sie nun täglich Athletik- und Beweglichkeitsübungen. Manchmal erhalten sie auch ein Youtube-Video mit Ballettschritten. Aus der Halle konnten die Turnerinnen und Turner zudem noch Kleingeräte mitnehmen, etwa einen verkürzten Balken oder ein Pauschenpferd ohne Beine. Ganze Übungen oder neue Elemente können damit jedoch nicht einstudiert werden. Brochier sagt:

«Eine Weiterentwicklung ist in dieser Zeit nicht möglich. Es gibt unweigerlich einen Stillstand.»

Nun gehe es vor allem darum, die Grundfitness zu halten – für die Zeit danach, wenn die Hallen wieder geöffnet sind.

Der Schweizerische Turnverband hat auf die eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten bereits reagiert. Alle Schweizer Meisterschaften bis Ende Juni wurden abgesagt – dazu gehören auch jene in der Rhythmischen Gymnastik und im Kunstturnen. «Das ist für die Turner sehr schwierig, gerade für den Kopf», sagt Brochier. «Die Meisterschaften sind das grosse Ziel.» Er sei deshalb überrascht, wie diszipliniert die Athleten dennoch trainieren.

Turner sollen sich nicht einsam fühlen

Um die Turner weiter zu motivieren, eröffnete das RLZO Whatsapp-Gruppen, in denen sie sich untereinander und mit den Trainern austauschen und Videos aus dem Training teilen können. Dabei werden auch kleine Wettkämpfe geführt, etwa im Handstandüben. Daneben soll einmal pro Woche eine Telefonkonferenz stattfinden, in der alle zusammenkommen. Brochier sagt:

«Es geht auch darum, dass sich die Athleten nicht alleine fühlen.»

Anders sieht es beim Nationalkader aus. Pablo Brägger oder Giulia Steingruber etwa, die sich auf die Olympischen Spiele vorbereiten wollten, kehren nächste Woche nach ihren Ferien ins Nationale Leistungszentrum nach Magglingen zurück und werden unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen dort trainieren; so müssen sie auf dem Gelände übernachten und dürfen am Wochenende nicht nach Hause reisen.