TRAINERENTLASSUNG: Vaduz-Sportchef: «Contini hinterlässt keinen Scherbenhaufen»

Giorgio Contini ist nicht mehr Trainer des FC Vaduz. Der Tabellenletzte der Super League und der 43-Jährige lösen den Vertrag per sofort auf. Es geht in erster Linie um eine sportliche Neuausrichtung.

Ernst Hasler / Vaduz
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Der frühere St.Galler Stürmer Giorgio Contini war viereinhalb Jahre Trainer des FC Vaduz. (Bild: Keystone)

Der frühere St.Galler Stürmer Giorgio Contini war viereinhalb Jahre Trainer des FC Vaduz. (Bild: Keystone)

Der Knall kam nicht völlig überraschend, denn Kritik gab es schon länger. Wohl auch deshalb tauchten zuletzt am Heimspiel gegen den FC Basel Transparente auf, auf denen «Contini raus» und «Haas raus» geschrieben stand. Das Umfeld des FC Vaduz hatte sich in den vergangenen Tagen und Wochen längst mit der Zukunft beschäftigt, zumal der Vertrag von Giorgio Contini bis Juni 2017 befristet war.

Der Vaduz-Trainer – er war mit 1574 Tagen oder viereinhalb Jahren der dienstälteste Super-League-Coach, sagte gestern: «Ich gebe keinen Kommentar ab, denn es ist Stillschweigen vereinbart worden.» Er räumte jedoch ein, dass der FC Vaduz und er zuletzt «im ständigen Austausch gestanden sind. Ich wollte wissen, wie es weitergeht. Die Entscheidung ist nicht von heute auf morgen gefallen», so der 43-jährige Contini. Wohl deshalb war der Auftritt beim 1:1 gegen Basel nicht mehr relevant.

Zwei Kollegen trennen sich
Sportchef Bernt Haas gestand, dass sich die Frage nach der längerfristigen Ausrichtung gestellt hatte. «Für den einen oder anderen Ausstehenden kommt dieser Entscheid überraschend. Das heisst, neben auslaufenden Spielerverträgen wird auch der Kontrakt des Trainers nicht verlängert», so Haas. Schon im Trainingslager habe er sich persönlich mit Contini ausgetauscht. «Wir haben uns für eine Neuausrichtung entschieden, Giorgio Contini war in den Prozess involviert. Ab heute ist er nicht mehr Trainer, doch wir gehen nicht im Streit auseinander, es gab keine Konflikte und Reibereien. Das war keineswegs der Fall.»
Dass Haas und Contini gute Kollegen sind, ist ein offenes Geheimnis. «Wir waren einst Gegenspieler, und zudem war er Trainer bei der U21 in St. Gallen. Wir sind uns oft über den Weg gelaufen, und die Zusammenarbeit hat funktioniert», so Haas, der die Neuausrichtung des FC Vaduz ansprach, der vom Weg abgekommen ist, Leihspieler zu verpflichten. «Wir wollten Eigenkapital im Verein schaffen und dennoch eine konkurrenzfähige Mannschaft für die Super League stellen», so Haas, der sich stets im Vergleich mit dem FC Thun und dem FC Lugano sieht. «Wir haben bewusst keine Transfers getätigt, da wir in der Zukunft kein erhöhtes Budget haben werden. Es handelt sich um einen Prozess, den der Verein mitträgt», so Haas, der optimistisch bleibt: «Wir sind bei den Leuten, und ich nehme keinen Negativtrend wahr, die Mannschaft ist intakt. Gegen Basel hätten wir gewinnen können, in Thun haben wir ein 0:2 aufgeholt. Contini hinterlässt keinen Scherbenhaufen.»

Daniel Hasler Trainer ad interim
Die Vaduzer Vereinsleitung befürchtete, dass die Wirkung des Cheftrainers verlorengeht, wenn bekannt wird, dass dieser Ende Saison den Verein verlässt. «Wir wollten keinen Trainer, der wirkungslos zu werden droht», erklärte Sportchef Haas. Vorerst leitet Assistenztrainer Daniel Hasler das Training interimistisch. Einige Tage verbleiben, um einen Nachfolger zu präsentieren. «Ein Nachfolger folgt zeitnah. Gemäss Vorgabe der Liga müssen wir innert 20, 22 Tagen einen Nachfolger präsentieren», so Haas.

Contini, der in der Saison 1999/2000 mit dem FC St.Gallen als Stürmer Meister geworden war, hatte die Mannschaft aus dem Fürstentum Liechtenstein im Winter 2012 in der Challenge League übernommen und führte sie eineinhalb Jahre später in die Super League. In der laufenden Saison konnte Vaduz nicht überzeugen. Die Liechtensteiner belegen punktgleich mit Lausanne-Sport den letzten Platz.