Interview

Trainer Goran Perkovac fordert: «Der HC Kriens-Luzern braucht Profitum»

Der HC Kriens-Luzern verfehlte seine Herbstziele deutlich: Abstiegs- statt Finalrunde, K. o. im Cup. Trainer Goran Perkovac erklärt, dass es Veränderungen braucht.

Interview Roland Bucher
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Ist überzeugt, dass er in unserer Handballregion etwas Grosses bewegen kann: Goran Perkovac. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23. November 2018))

Ist überzeugt, dass er in unserer Handballregion etwas Grosses bewegen kann: Goran Perkovac. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23. November 2018))

Goran Perkovac, wie wird Ihr Fazit bei der Manöverkritik ausfallen?

Dass wir erstens nicht zufrieden sind, weil wir die Finalrunde verpasst haben. Und zweitens, dass dieses Scheitern eben auch erklärbar ist.

Erklären Sie.

Verletzungspech, welches den üblichen Rahmen sprengt: Ausfälle wie jene von Goalie Bar, Blättler, Radovanovic, Spengler steckt keine Mannschaft mit links weg. Weit wichtiger: Wir haben es vielleicht ein bisschen unterschätzt, wie viel Zeit man benötigt, um mit einem neuen Trainer ein Team mit fünf frischen Akteuren zu formatieren. Als wir den richtigen Gang gefunden hatten, war es zu spät. Und der Modus hat uns ganz klar benachteiligt.

Tönt eher nach einer billigen Ausrede.

Ist es aber nicht. Wir hatten in dieser unsäglich kompliziert konzipierten Qualifikationsphase nur einen schwächeren Widersacher in unserer Abteilung, GC Amicitia. Jene, die uns den Finalrundenplatz weggeschnappt haben, durften sich zweimal gegen ­nominell weniger starke Gegner (Basel, Gossau) austoben. Das hat uns den Logenplatz gekostet, das war die grosse Ungerechtigkeit in diesem Herbst.

Einverstanden, ändert aber nichts daran: Herbstziele verfehlt. Gibt’s trotzdem positive Erkenntnisse?

Ja, wir haben in den letzten Partien klare Fortschritte gezeigt, als die Rädchen ineinandergriffen. Wir wurden in der Offensive effizient, wir waren abgeklärter, wir haben den Spass am Handball zurückerobert. Und unsere Fans mit gutem Handball begeistert. Es hat mich im Herzen berührt, wie sie beim verlorenen Cup-Halbfinal in Thun so standhaft hinter uns standen. Ich verneige mich.

Die Abstiegsrunde …

... dorthin geht keiner gern. Es ist trotzdem eine Chance für uns. Wir werden jungen Leuten konsequent Bewährungszeit geben. Auch an spielerischen Elementen feilen. Uns für die Playoff-Viertelfinals qualifizieren. Und dann nochmals voll angreifen. Es gibt nur eine Mannschaft in der NLA, die nicht in unserer Reichweite liegt. Das ist Schaffhausen.

Gibt es auch das Szenario der Relegation? Immerhin muss Kriens durch ein Fegefeuer.

Wir wissen, dass es knallhart wird. Zwei-, dreimal verlieren – und du steckst mitten im Sumpf. Aber das wird uns nicht passieren. Ich habe Vertrauen in diese Mannschaft.

Welche weitere Veränderungen erfahren wird. Luca Spengler, Schlüsselfigur auf der Königsposition des Linksaufbauers, steckt mitten in Vertragsverhandlungen, Rechtsaufbauer Radovanovic wird zu Pfadi Winterthur abgeschoben, bei Youzefinezhad scheiden sich die Geister.

Ich hoffe, dass Spengler bleibt. Radovanovic werden wir ersetzen müssen: Wenn wir auf dieser Position eine grössere Nummer verpflichten können, dann haben wir einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Mit Youzefinezhad werden wir reden müssen. Er ist jung, vielleicht kam dieses Abenteuer bei Kriens für ihn zu früh.

Wen haben Sie für Radovanovic im Visier?

Bevor wir in die weite Welt der vielen Kandidaten schweifen, schauen wir ins Portemonnaie. Kurzum: alles eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Könnte ich einen Rechtsaufbauer aus einem NLA-Team wegzupfen, dann nähme ich Nicolas Raemy. Ein Luzerner, unerhört talentiert, gesegnet mit jener handballerischen Leichtigkeit, die mir als Credo vorschwebt. Leider hat er bis 2021 bei Wacker Thun weiterverlängert.

Die Felle scheinen davonzuschwimmen, die Vision, die in allen Köpfen herumschwirrt und irgendwie doch nie so richtig fassbar wird – die neue Grosshalle 2022 mit einer Kapazität von 4000 Zuschauern – ist, um im Tagesgeschäft des Sports zu verbleiben, noch Lichtjahre entfernt.

Das ist richtig, wir können nicht bis übermorgen auf Erfolgsmeldungen warten. Wir müssen vorwärtsmachen, Zeichen setzen, dass wir in die Nähe eines Titels eilen wollen. Zu einem Teil ist uns das in diesem Herbst mit der Halbfinalqualifikation im Cup ­gelungen. Das dürfen wir uns durchaus positiv an die Fahne heften.

Um wirklich die Reife für einen Titel zu erlangen, benötige man, behauptet Hans-Peter Würmli, der Verwaltungsratspräsident des HC Kriens-Luzern, ein Budget von rund 2 Millionen Franken. Mehr als eine halbe Million mehr, als im jetzigen Zeitpunkt generiert. Machbar?

Das kann ich so unterschreiben. Können wir diese Voraussetzungen schaffen, dann rücken wir Schaffhausen und Winterthur auf den Pelz. Aber irgendwie dreht sich die Sache im Kreis: Richtig auffahren können wir erst, wenn die Infrastruktur der neuen Halle greift und die Körbe öffnet.

Zurück zur aktuellen Mannschaft. Bleiben Sie dabei, dass Captain Tom Hofstetter auch in Zukunft der richtige Mittelmann und Regisseur für dieses Team, für die Weiterentwicklungstheorie ist?

Ja, absolut. Aber Tom weiss selber, dass er einen besseren Handball drauf hat als in diesem Herbst. Er wirkt durch seine lange Knieverletzung immer noch gehemmt. Diese Blockade muss sich jetzt lösen. Seine Zukunft ist aber auch ungewiss, weil er eine neue berufliche Herausforderung angenommen hat.

Was die Balance im Engagement für den Handball stören könnte.

Wenn Kriens wirklich weiterkommen und wie angestrebt eine dominante Rolle in der Handball-Schweiz einnehmen will, dann ist es demnächst höchste Zeit fürs Profitum. Mit zwei täglichen Trainings und entsprechender Betreuung in weiteren wichtigen Komponenten. Ich glaube daran und bin bereit, diese Herausforderung anzunehmen. Weil ich felsenfest daran glaube, dass in dieser Handballregion etwas Grosses zu bewegen ist.

Hinweis: Goran Perkovac (56) ist kroatisch-schweizerischer Doppelbürger. Seit dieser Saison ist der Luzerner Trainer des HC Kriens-Luzern.