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TOUR DE SUISSE: «Es war ein schöner Tag in Gelb»

Nach einem Tag muss Stefan Küng das Leadertrikot wieder abgeben. Der Thurgauer kann im Finale der dritten Etappe nach Bern nicht mit den Besten mithalten. Neuer Leader ist Etappensieger Michael Matthews.
Sandro Mühlebach (sda), Bern
Michael Matthews (links) erreicht das Ziel in Bern vor Peter Sagan (Mitte) und John Degenkolb. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Michael Matthews (links) erreicht das Ziel in Bern vor Peter Sagan (Mitte) und John Degenkolb. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Sandro Mühlebach (SDA), Bern

Mit der winzigen Reserve von einer Sekunde auf Michael Matthews und den Niederländer Tom Dumoulin war Stefan Küng am Mittag in Menziken gestartet. Unterwegs in die Hauptstadt erkämpfte sich der 23-jährige BMC-Fahrer bei den beiden Zwischensprints zwei Bonussekunden. Doch die Mühen waren vergeblich. Auch wenn er das Ziel in Bern mit den Besten erreicht hätte, wäre es nichts mit der erfolgreichen Verteidigung des Leadertrikots geworden. Dank der zehn Sekunden Bonifikation für den Etappensieg wäre Matthews, der bereits in allen drei grossen Rundfahrten Etappensiege gefeiert hat, unabhängig davon der neue Leader geworden. «Es war ein schöner Tag in Gelb», so Küng, «leider war das Trikot nicht zu retten.»

Einen ersten Rückschlag im hektischen Finale hatte Küng bereits zehn Kilometer vor dem Ziel verkraften müssen. «Ich verlor die Position hinter meinen Teamkollegen. Danach war es sehr schwierig, wieder nach vorne zu kommen. Dabei liess ich sehr viel Kraft liegen», sagte Küng. Im finalen Anstieg, am Aargauerstalden vom Bärengraben hinauf in das Wankdorf-Quartier, fehlte Küng schliesslich die Energie.

Konkurrenten ohne Respekt

Küng buchte den Tag im Leadertrikot als wertvolle Erfahrung ab. Die Schweizer Radsport-Hoffnung hatte erwartet, dass die Konkurrenten dem Leader mit etwas mehr Respekt begegnen würden. Doch dem war nicht so. Küng: «Ich musste feststellen, dass es offenbar nicht mehr wie früher ist. Es war unglaublich, wie viele mir vor den Karren gefahren sind.» Küng konzentriert sich ab sofort nicht mehr auf die Gesamtwertung, in der er mit einem Rückstand von 26 Sekunden auf Platz zwölf zurückgefallen ist, und schlüpft vorerst wieder in die Rolle des Helfers und Jokers für Etappensiege.

Der beste Schweizer in der Gesamtwertung ist neu als Fünfter Michael Albasini mit einem Rückstand von 20 Sekunden. Platz fünf belegte der Thurgauer auch in der Etappe. Dass Matthews im Sprint vor Weltmeister Peter Sagan und vor dem Deutschen John Degenkolb seinen zweiten Sieg an der Tour de Suisse errang, überraschte Albasini nicht: «Am Schluss waren jene Leute vorne, denen das Kopfsteinpflaster gut behagt. Mir entzieht es in einer solchen Ankunft etwas mehr Energie. Und dann im Sprint gegen solche Fahrer zu verlieren, ist keine Schande.»

Spektakulär oder gefährlich?

In der Tat waren die letzten Kilometer gar anspruchsvoller als bei der Ankunft der Tour de France vor einem Jahr an derselben Stätte. Im Gegensatz zur Frankreich-Rundfahrt mussten die Fahrer die finale Rampe von ganz unten ­hinauffahren. Das liess einige der Profis «explodieren», andere stürzten bei den hohen Tempi. Albasini mochte der Ankunft in der Hauptstadt nicht nur Positives abgewinnen. «Einige sagen spektakulär, andere sagen gefährlich», so der Ostschweizer.

Albasini bezog seine Aussage nicht unbedingt auf den Aargauerstalden, sondern vielmehr auf die Kilometer davor durch die engen Gassen der Berner Innenstadt mit vielen Richtungswechseln und den Pavé-Abschnitten. «Für die Fahrer ist es mega anstrengend, du musst jede Sekunde hellwach sein. Für die Fahrer ist es sicher weniger attraktiv als für die Zuschauer. Es kommt immer auf die Sichtweise an.»

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