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TOUR DE FRANCE: Gut, aber nicht perfekt

Trotz eines Sturzes verteidigt Stefan Küng in der zweiten Etappe das weisse Trikot des besten Jungprofis. Die knappe Niederlage im Zeitfahren beschäftigt ihn immer noch.
Valentin Oetterli (sda), Lüttich
Stefan Küng hat im Zeitfahren eine grosse Chance ausgelassen. (Bild: Christophe Ena/AP)

Stefan Küng hat im Zeitfahren eine grosse Chance ausgelassen. (Bild: Christophe Ena/AP)

Valentin Oetterli (SDA), Lüttich

Obwohl ihm viele Fahrer gratulierten, verhehlte der Thurgauer Tourneuling Stefan Küng auch mit einem Tag Abstand seine Enttäuschung nicht. Um fünf Sekunden hatte er am Samstag in Düsseldorf den Etappensieg im 14 Kilometer langen Zeitfahren und damit die Gesamtführung verpasst. Küng hielt fest, dass sich das Resultat über Nacht schliesslich nicht verändert habe. Er wolle nicht zu negativ sein, doch «mit mir selber bin ich halt immer knallhart. Mein Ziel war der Sieg. Dafür habe ich mich vorbereitet. Es war wohl ein gutes Zeitfahren von mir, aber eben kein perfektes.»

Hinweise, dass er schliesslich noch jung sei, mochte der 23-jährige Küng nicht gelten lassen. «Fakt ist, dass ich eine grosse Chance nicht genutzt habe.» Der Thurgauer hat das Zeitfahren mittlerweile kurz analysiert, doch bahnbrechende Erkenntnisse hat er dabei nicht gefunden: «Fünf Sekunden findet man nicht einfach so.» Klar ist für Küng, dem allseits ein enormes Potenzial beschieden wird, dass er Verpasstes nachzuholen gedenkt: «Ich will bei der Tour irgendwann einmal gewinnen und das Maillot jaune tragen.» In dieser Frankreich-Rundfahrt wird – ein Missgeschick des britischen Leaders Geraint Thomas ausgeschlossen – Gelb für Küng aber nicht mehr zum Thema werden.

Vorhersehbar ist zudem, dass Küng auch das weisse Trikot nicht mehr allzu lange tragen wird. Schon gestern überstand der BMC-Profi eine heikle Situation, als er beim Massensturz 30 Kilometer vor dem Ziel ebenfalls am Boden lag. Blut am rechten Knie zeugte vom Unfall, doch Küng gab sogleich Entwarnung: «Es handelt sich nur um ein paar kleine Schürfungen. Zum Glück hat sich auch sonst niemand verletzt, vor allem auch Richie Porte nicht, der ebenfalls stürzte.»

Der Australier Porte ist der Leader von Küngs Team und soll im Gesamtklassement einen Spitzenplatz belegen. Heute folgt die dritte Etappe nach Longwy, wo eine 1,6 Kilometer lange, durchschnittlich 5,8 Prozent steile Schlussrampe zu bewältigen ist. Kann der tempofeste Ostschweizer da mit den Allerbesten mithalten? «Ja. Das sollte möglich sein, wenn ich denn zu Beginn des Anstiegs gut positioniert bin», gibt sich Küng selbstsicher. Doch bereits zwei Tage danach steht in den Vogesen die erste Bergankunft dieser Rundfahrt an. Im fünften Teilstück wartet der sechs Kilometer lange Anstieg hinauf zur Planche des Belles Filles. «Unmöglich», weiss Küng genau um seine Grenzen.

Ist das weisse Trikot, welches ihm innerhalb des Feldes doch eine kleine Sonderstellung gibt, einmal weg, wird sich der Thurgauer wieder gänzlich auf seine Rolle als Helfer von Porte beschränken: «Ihn gilt es heil durch die immer hektische erste Tour-Woche zu bringen.»

Jubiläumssieg für Sprinter Kittel

Mit einem Tag Verspätung – und nicht in der Heimat in Düsseldorf, sondern im belgischen Lüttich – durfte mit Marcel Kittel ein deutscher Profi bei der 104. Tour de France über einen Etappensieg jubeln. Kittel liess im Massensprint dem Franzosen Arnaud Démare und seinem Landsmann André Greipel keine Chance und feierte seinen zehnten Etappenerfolg. Die topografisch einfache zweite Etappe, die über 203,5 Kilometer nach Wallonien führte, wurde durch die misslichen Wetterbedingungen um einiges schwerer als erwartet. 30 Kilometer vor dem Ziel ereignete sich auf glitschiger Strasse sogar ein Massensturz. Als Folge davon mussten unter anderen auch Vorjahressieger Chris Froome und der letztjährige Gesamtzweite Romain Bardet dem Feld nachjagen.

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