TOUR DE FRANCE: Frederik Backaert: Der radelnde Bauer

Frederik Backaert führt ein Doppelleben. Der Flame ist Landwirt und Veloprofi. Zum Trainieren kommt er erst nach dem Melken. Trotzdem fährt Backaert eine starke Tour.

Daniel Good
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Daniel Good

Die Superstars machten es sich im Vorfeld der Tour de France auf der Couch bequem. Relaxen war angesagt für Chris Froome und Co. Frederik Backaert arbeitete vier Tage vor dem Start zur dreiwöchigen Rundfahrt noch im Stall. 90 Kühe sind in Brakel in Ostflandern zu versorgen. Die Eltern und der Onkel arbeiten mit. Sie verkaufen Käse, Butter und Milch. Die Arbeit auf dem Bauernhof ist hart. Backaert sagt: «Das Leben als Bauer ist härter als jenes als Radprofi.» Am Morgen arbeitet er als Bauer, nach dem Mittagessen geht es für Backaert zum Training.

Trotz der Strapazen im Stall gehörte der 27-Jährige in der ersten Woche der 104. Tour de France zu den auffälligsten Fahrern. Mit der Startnummer 202 war Backaert der erste Profi, der zweimal in einer Fluchtgruppe unterkam. Die Ausreisser wurden zwar jeweils von den Mannschaften mit den starken Sprintern gestellt. Aber damit war zu rechnen. Für das kleine belgische Team, für das Backaert fährt, ist es schon ein riesiger Erfolg, am wichtigsten Radrennen teilzunehmen. «Die Sponsoren sind glücklich, wenn sie einen von uns an der Spitze des Rennens sehen», sagt Backaert.

Statt zu arbeiten, sitzen sie zu Hause vor dem TV

Die Landwirtschaft nimmt Backaert ziemlich in Beschlag. Im Mai kann er gar keine Rennen bestreiten, weil die 95 Aren und die Kühe besondere Aufmerksamkeit benötigen. Und schon nach der Tour de France, die noch bis am 23. Juli dauert, gibt es auf dem Hof wieder viel zu tun für Backaert. «Anstatt zu arbeiten, schauen sie zu Hause am Fernsehen die Tour de France. Da bleibt halt einiges liegen.»

Backaert nimmt’s mit einem Lachen. Denn er weiss, dass die Angehörigen ausserordentlich stolz auf ihn sind. In seiner Heimat ist das Velofahren Nationalsport. Im flämischen Teil Belgiens ist die Flandern-Rundfahrt bedeutender als die Tour de France. Backaert jedenfalls würde lieber die Flandern-Rundfahrt gewinnen als die Tour. So weit wird es aber nie kommen. Sein bis heute grösster Sieg datiert aus dem vergangenen Jahr, als er in Wien die Schlussetappe der Österreich-Tour für sich entschied.

Ferien wie andere Radprofis macht er nicht. «Herumsitzen und Nichtstun sind nicht mein Ding. Die meisten Profis machen im Oktober am Ende der Saison drei Wochen Ferien am Strand. Ich bleibe auf dem Hof und gebe bei der Arbeit Vollgas. Ich bin auch so zufrieden.»