TOUR DE FRANCE: Das Salz in der Suppe

Bergankünfte garantierten Spektakel. Sie trennen die Spreu vom Weizen. In der fünften Etappe, in der es dieses Jahr erstmals richtig bergauf geht, empfiehlt sich Chris Froome für den vierten Gesamtsieg.

Daniel Good
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Mit letzter Kraft hält sich Chris Froome (rechts) Herausforderer Richie Porte vom Leib und wird Etappendritter. (Bild: Guillaume Horcajuelo/EPA)

Mit letzter Kraft hält sich Chris Froome (rechts) Herausforderer Richie Porte vom Leib und wird Etappendritter. (Bild: Guillaume Horcajuelo/EPA)

Daniel Good

Bergankünfte sind selten in dieser Tour de France. Bloss dreimal endet eine der insgesamt 21 Etappen in diesem Jahr am Ende einer Steigung. Dabei gründet ein grosser Teil des Mythos der Tour de France auf Etappenorten wie Alpe d’Huez oder Mont Ventoux, die heuer nicht befahren werden. Gestern ging es nur nach La Planche des Belles Filles in den Vogesen. Die Destination mit dem schönen Namen ist aber ein Scharfrichter. Wer in La Planche des Belles Filles gewann, wurde später auch Gesamtsieger.

Das ist ein gutes Omen für Fabio Aru. Der Italiener griff knapp 2,5 Kilometer vor dem Ziel an und entschied die erste Bergankunft der diesjährigen Tour mit 16 Sekunden Vorsprung für sich. Vor zwei Jahren gewann Aru die Spanien-Rundfahrt. Die Tour de France 2017 wird er aber wohl nicht als Erster beenden. Favorit auf den Gesamtsieg ist nach seiner Leistung in der ersten Bergetappe Chris Froome. Der Brite wurde gestern Dritter und führt nun das Gesamtklassement an.

Eine Zäsur gab es gestern wie erwartet nicht. Dafür war der Schlussaufstieg mit knapp sechs Kilometern zu kurz. Aber ­Verlierer produzierte die steile Rampe schon. Der Kolumbianer ­ Nairo Quintano und der Spanier ­Alberto Contador waren in der ­Entscheidung nicht mehr in der Lage, den Besten zu folgen.

Küng am längsten an der Spitze des Feldes

Einen ordentlichen Eindruck hinterliess Richie Porte, der das Ziel in der gleichen Zeit wie Froome als Vierter erreichte. Der Australier stand aber auch unter Zugzwang. Im Zeitfahren in Düsseldorf hatte er zu Beginn der Tour 35 Sekunden auf Froome, seinen früheren Captain, verloren. Deshalb liess Porte sein Team während fast der ganzen Etappe an der Spitze des Feldes fahren. Das bedeutete Schwerstarbeit für Stefan Küng, den tempostarken Helfer von Porte. Der Thurgauer war fast allein dafür verantwortlich, dass eine starke Spitzengruppe mit dem Belgier Philippe Gilbert doch noch eingeholt wurde. Jedenfalls fuhr gestern keiner länger an der Spitze des Feldes als Küng, der sich 20 Kilometer vor dem Ziel zurückfallen liess. Der 23-Jährige büsste schliesslich noch über eine Viertelstunde ein.

Der 32-jährige Porte versuchte zwar in der 20 Prozent steilen Steigung unmittelbar vor dem Ziel, Froome in die Schranken zu weisen. Aber der dreifache Gesamtsieger konterte Portes Versuch und überholte diesen noch. So besehen war die Ausbeute für das BMC-Team von Porte und Küng bescheiden. Denn im Schlussaufstieg kam Porte auch noch Olympiasieger Greg van Avermaet aus Belgien zu Hilfe.

Profiteure im Windschatten

Es war aber Froomes Mannschaft, die am Berg mit den meistern Fahrern an der Spitze vertreten war. Im Windschatten des Rennstalls BMC hatte Froomes Truppe zuvor reichlich Kraft gespart und war im Final noch zu sechst dabei. Froome wird es überdies verschmerzen, dass Aru den Etappensieg holte. Der Titelverteidiger ist der viel bessere Zeitfahrer als der Italiener.

Heute in einer Woche steht in den Pyrenäen die zweite Bergankunft auf dem Programm, sieben Tage später kommt es in den Alpen am Col d’Izoard zu einem weiteren Schlagabtausch unter den Anwärtern auf den Gesamtsieg. Falls Froome nicht schon ­allein auf weiter Flur das Klassement anführt. Im Vorjahr hatte er am Schluss mehr als vier Minuten Vorsprung auf den Zweiten.