Tour de France
Das Déjà-vu für Stefan Küng – wieder nur der zweite Rang im Zeitfahren

Stefan Küng verpasst trotz starker Leistung den Sieg im Zeitfahren der Tour de France. Wieder einmal reicht es nur für den zweiten Rang. Tour-Favorit Tadej Pogacar triumphiert.

Raphael Gutzwiller
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Wieder reichte es nicht: Stefan Küng musste im Zeitfahren mit Platz zwei Vorlieb nehmen.

Wieder reichte es nicht: Stefan Küng musste im Zeitfahren mit Platz zwei Vorlieb nehmen.

AP

Stefan Küng kann einem Leid tun nach diesem Zeitfahren an der Tour de France. Zunächst spult der Thurgauer eine überzeugende Vorstellung ab, danach sitzt er lange auf dem Leaderthron. Als sich nach und nach grosse Namen an seiner aufgestellten Zeit die Zähne ausbeissen, kann er sich immer grössere Hoffnungen auf den Tagessieg machen. Und dann kommt Tadej Pogacar. Der slowenische Tourfavorit, der in dieser Saison noch kein einziges Zeitfahren gewinnen konnte, pulverisiert Küngs Zeit förmlich, Im Ziel jubelt er über einen Vorsprung von 19 Sekunden.

Wieder hat es nicht gereicht für den grossen Sieg für Küng. Es kommt einem Déjà-vu gleich. Rückblende: Mitte März fliegt Küng richtiggehend im abschliessenden Zeitfahren der Fernfahrt Tirreno-Adriatico. Danach sitzt er eineinhalb Stunden auf dem Leaderthron. Selbst Zeitfahrweltmeister Filippo Ganna hat keine Chance gegen seine Zeit. Und dann kommt Wout van Aert, der ihm sechs Sekunden abnimmt. Nur Rang Zwei für Küng.

Zum zweiten Mal Zweiter an der Tour de France

Zeigt eine gute Performance, aber es reicht nicht zum Sieg für Stefan Küng.

Zeigt eine gute Performance, aber es reicht nicht zum Sieg für Stefan Küng.

AP

Diesmal schlägt Küng zwar jenen van Aert, seines Zeichens als Favorit auf den Etappensieg angetreten. Aber wieder kommt ein anderer, der dem 27-Jährigen den Triumph wegschnappt. Als Pogacar die Ziellinie überquert, ist die Enttäuschung in Küngs Gesicht geschrieben. Er hat sich den Etappensieg an der Tour de France zum grossen Ziel gesetzt. Später sagt er: «Ich habe eigentlich eine gute Performance hingelegt.» Der Start sei ihm gut geglückt, er habe sich auch gut gefühlt. Aber gegen Pogacars Zeit habe das nicht gereicht: «Enttäuscht bin ich natürlich schon.» Es ist bereits zum zweiten Mal der zweite Rang an der Tour de France für Stefan Küng. 2017 hatte er beim Prolog am Sieg geschnuppert, auch damals gab es nur den zweiten Platz.

Bissegger vom Regen ausgebremst

Enttäuschter Stefan Bissegger im Regen des Zeitfahrens an der Tour de France.

Enttäuschter Stefan Bissegger im Regen des Zeitfahrens an der Tour de France.

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Deutlich enttäuschender verläuft derweil das Rennen für den zweiten Thurgauer Hoffnungsträger Stefan Bissegger. Wie schon beim Zeitfahren an der Tour de Suisse hat der 22-Jährige Wetterpech. Direkt vor seinem Start beginnt es zu regnen. «Ich dachte, die Strecke würde in der Schlussphase meiner Fahrt besser werden, aber so war es leider nicht. Es war viel zu nass, ich hatte keine Chance», bilanziert Bissegger genervt. Bis die Topfahrer des Gesamtklassements kommen sollten, war die Strecke längst wieder trocken. Und doch: Allein damit ist der 18. Rang und der Rückstand von deutlich über einer Minute nicht zu erklären. «Wie viel ich durch das Wetter verloren habe, ist schwierig zu sagen. Aber eine halbe Minute dürfte es schon gewesen sein. So macht es einfach keinen Spass.»

Zurück an die Spitze: Dort, wo Pogacar nicht nur den Etappensieg holt, sondern auch grossen Druck auf den Gesamtführenden ausübt. Mathieu van der Poel besitzt zu Hause nicht einmal ein Zeitfahrvelo, ist dementsprechend eine Wundertüte. Aber der Holländer besteht die Prüfung. Er wird Fünfter und verteidigt damit das gelbe Trikot des Gesamtführenden. Voraussichtlich wird er dieses abgeben, wenn es in die Berge geht.

Bleibt in gelb: Mathieu van der Poel.

Bleibt in gelb: Mathieu van der Poel.

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Durch das Zeitfahren ist eine weitere Zäsur im Gesamtklassement Tatsache. Pogacar hat den anderen Mitfavoriten auf den Gesamtsieg Zeit abgenommen. Die Teams Jumbo-Visma und Ineos sind gefordert. Pogacar hat derweil noch nicht den Druck als Leader. «Das könnte gut für mich sein», sagt er, um lachend anzufügen: «Van der Poel steht gelb ja auch sehr gut.»

Tadej Pogacar ist in einer guten Position.

Tadej Pogacar ist in einer guten Position.

EPA

Resultate

Tour de France. Zeitfahren (Changé - Laval, 27,2 km): 1. Pogacar 32:00. 2. Küng +0:19. 3. Vingegaard +0:27. 4. van der Poel +0:31. 5. van Aert +0:30. Ferner: 18. Bissegger +1:22. 64. Schär +3:07.

Gesamtklassement: 1. van der Poel 16:51:41. 2. Pogacar +0:08. 3. van Aert +0.30. 4. Alaphilippe +0:48. 5. Lutsenko +1:21. Ferner: 30. Küng +4:39. 74. Bissegger +12:53. 96. Dillier +16:26.

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