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Julian Alaphilippe ein Nationalheld und Drummer

Julian Alaphilippe ist der neue Liebling Frankreichs. Ein Südafrikaner stiehlt den Franzosen am 14. Juli die Show.
Tom Mustroph, Brioude
Der französische Tour-de-France-Leader Julian Alaphilippe wird bei der Zielankunft in Brioude von seinen Landsleuten besonders gefeiert.Bild: Yoan Valat/EPA (14. Juli 2019)

Der französische Tour-de-France-Leader Julian Alaphilippe wird bei der Zielankunft in Brioude von seinen Landsleuten besonders gefeiert.Bild: Yoan Valat/EPA (14. Juli 2019)

Daryl Impey gewinnt aus einer Fluchtgruppe heraus die 9. Etappe der Tour de France. Am Heldenstatus des Julian Alaphilippe ändert dies aber nichts. Der Franzose kam zwar mit dem Hauptfeld mehr als eine Viertelstunde hinter Impey und dessen Ausreisserkollegen ins Ziel von Brioude. Er durfte sich aber dennoch das gelbe Trikot überstreifen und sich von seinen Landsleuten zum Nationalfeiertag bejubeln lassen. Erobert hatte er sich das Trikot am Vorabend mit einer bravourösen Attacke ein gutes Dutzend Kilometer vor dem Ziel. Er hatte es sich, und das machte die Aktion noch wertvoller, zurückgeholt.

Bereits auf der 3. Etappe hatte sich der Hobbyschlagzeuger aus dem Department Cher mit seinem Etappensieg und dem daraus resultierenden gelben Trikot in die Herzen seiner Landsleute gefahren. Auf dem Plateau des Belles Filles verlor er es dann, obgleich er auch dort für einen Trommelwirbel mit seinen Pedal-bewehrten Füssen sorgte. Am Samstag holte er es sich dann zurück. Alaphilippe trat am letzten Berg einer 200 km langen Etappe durch das Zentralmassiv an. Er fand Begleitung in seinem Landsmann Thibaut Pinot. Beide fuhren, als seien sie langjährige Tandempartner, hinter dem uneinholbaren Dauerausreisser Thomas De Gendt auf die Etappenplätze 2 und 3. Pinot brachte das wertvolle Sekunden im Gesamtklassement.

Unvergesslicher Moment für den Franzosen

Alaphilippe hingegen hatte Gelb wieder. «Ich war gar nicht so traurig darüber, dass ich es auf der Planche des Belles Filles verloren hatte. Ich hatte alles gegeben, und der Rückstand danach war nur gering. Und ich hatte mir vorgenommen, auf dem letzten Berg zu attackieren, um mir das Trikot zurückzuholen. Fantastisch, es am Nationalfeiertag zu tragen. Ich werde das niemals vergessen», meinte er.

Im Laufe der 9. Etappe geriet seine Gesamtführung niemals in Gefahr. Eine 15 Mann starke Ausreissergruppe setzte sich ab und machte auch den Sieg unter sich aus. «Mein Team hat die Gruppe gut kontrolliert. Wir sind kein Risiko eingegangen», meinte Alaphilippe im Ziel.

Dort wurde er ausgiebig gefeiert. Immerhin fünf Jahre ist es her, dass zuletzt ein Franzose am 14. Juli in Gelb fuhr. Beliebt ist Alaphilippe aber nicht nur wegen der Erfolge, sondern vor allem wegen der Art und Weise, in der er sie holt. Vor allem aber begeistert die Art seiner Siege. Meist holt er sie als Solist, schiesst explosiv aus dem Feld hervor und kann auch über 10 oder 20 km nicht eingefangen werden. Er betreibt Radsport in alter Manier, ohne grosse Berechnung, ohne auf Wattzähler zu schielen. Deshalb liebt ihn das Publikum, auch das über Frankreich hinaus.

Ein stets angreifender Fahrer

In Frankreich sind sie natürlich besonders stolz auf ihn. «Ohne ihn wäre diese erste Woche der Tour nur langweilig gewesen. Danke, dass es ihn gibt», meinte etwa Cyril Dessel, Ex-Profi und aktuell Kolumnist für französische Zeitungen.

Seine Vorliebe für Attacken und auch die dafür notwendige Explosivität holte sich Alaphi­lippe ausgerechnet beim Militär. Er war Soldat in einer Sportkompanie und trainierte vor allem Mountainbike und Cyclocross. Im Portal der Streitkräfte sind noch immer Pressemeldungen über die Erfolge des «Soldaten Alaphilippe» nachzulesen. Und auch Fotos im Camouflage-Fahrraddress gibt es. Zum Nationalfeiertag holte er diese Montur aber nicht heraus. Denn er fährt ja in den Diensten des belgischen Rennstalls Deceuninck Quick Step. Für Alaphi­lippe ist dies ideal. Bei diesem Team, das auf Etappensiege und Klassikererfolge aus ist, kann er ganz seinem Instinkt folgen. Einer möglichen Karriere als Klassementfahrer erteilt er daher auch eine Absage. «Um bei der Tour in die Top 10 zu kommen, müsste ich viel kalkulierter fahren. Aber das ist nicht mein Naturell. Ich liebe es, zu siegen, und will so viele Siege wie möglich holen», sagte er.

Heuer gelang ihm das bisher prima. Vor seinen Erfolgen bei der Tour gewann er bereits die Klassiker Mailand–San Remo und Wallonischer Pfeil. Er führt die UCI-Weltrangliste an. «Morgen will ich das gelbe Trikot verteidigen», ist sein Kurzzeitplan.

106. Tour de France

106. Tour de France. 9. Etappe, Saint-­Etienne–Brioude (170 km): 1. Impey (RSA) 4:03:12. 2. Benoot (BEL), gleiche Zeit. 3. Tratnik (SLO) 0:10 zurück. 4. Naesen (BEL). 5. Stuyven (BEL), beide gleiche Zeit. 6. Roche (IRL) 0:14. 7. Soler (ESP) 0:21. 8. Garcia Cortina (ESP) 1:50. 9. Clarke (AUS), gleiche Zeit. 10. Delaplace (FRA) 2:42. – Ferner: 17. Mathias Frank (SUI) 16:25. 27. Porte (AUS). 30. Ciccone (ITA). 32. Thomas (GBR). 35. Alaphilippe (FRA). 36. Pinot (FRA). 37. Yates (GBR). 39. Sébastien Reichenbach (SUI). 48. Bernal (COL). 53. Quintana (COL). 59. Fuglsang (DEN). 61. Valverde (ESP). 65. Bennett (NZL). 66. Bardet (FRA), alle gleiche Zeit. 75. Michael Schär (SUI) 17:52. 96. Stefan Küng (SUI) 19:03. – 172 gestartet, 171 klassiert. – Aufgegeben: de Marchi (ITA/Sturz).

Gesamtklassement: 1. Alaphilippe 38:37:37. 2. Ciccone 0:23. 3. Pinot 0:53. 4. Bennett 1:10. 5. Thomas 1:12. 6. Bernal 1:16. 7. Kruijswijk (NED) 1:27. 8. Uran (COL) 1:38. 9. Fuglsang 1:42. 10. Buchmann (GER) 1:45. – Ferner: 12. Yates 1:47. 14. Quintana 2:04. 18. Porte 2:19. 22. Valverde 3:18. 23. Bardet 3:20. 31. Reichenbach 10:12. 42. Impey 20:50. 50. Frank 25:10. 105. Küng 1:02:04. 112. Schär 1:07:24.

8. Etappe am Samstag, Mâcon–Saint-­Etienne (200 km): 1. de Gendt (BEL) 5:00:17. 2. Pinot (FRA) 0:06 zurück. 3. Alaphilippe (FRA), gleiche Zeit. 4. Matthews (AUS) 0:26. 5. Sagan (SVK). 6. Trentin (ITA). 7. Meurisse (BEL). 8. van Avermaet (BEL). 9. Bernal (COL). 10. Thomas (GBR). – Ferner: 13. Quintana (COL). 16. Yates (GBR). 21. Fuglsang (DEN). 23. Kruijswijk (NED). 24. Ciccone (ITA). 26. Porte (AUS). 28. Bardet (FRA). 29. Reichenbach (SUI). 30. Bennett (NZL), alle gleiche Zeit. 45. Nibali (ITA) 4:25. 48. Frank (SUI) 5:37. 81. Schär (SUI) 17:13. 90. Küng (SUI) 19:43. – 173 gestartet, 172 klassiert.

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