Tor durch Calabro – ein kleines Fussballwunder

Eine SMS war am Freitag dafür verantwortlich, dass mir vor Schreck mein Handy beinahe aus der Hand fiel. «3:1 durch Calabro!» las ich da. Ein verspäteter Aprilscherz oder ein kleines Fussballwunder? Sandro Calabro? Der holländische Stürmer des FC St.

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Eine SMS war am Freitag dafür verantwortlich, dass mir vor Schreck mein Handy beinahe aus der Hand fiel. «3:1 durch Calabro!» las ich da. Ein verspäteter Aprilscherz oder ein kleines Fussballwunder? Sandro Calabro? Der holländische Stürmer des FC St. Gallen, der zuvor aus einem Meter Entfernung an einem Garagentor vorbeischoss, als Torschütze?

Er traf tatsächlich, sein erster Meisterschaftstreffer für St. Gallen. Ist damit der Knoten bei Calabro geplatzt? Und hat St. Gallen mit dem Sieg in Bellinzona die Krise überwunden? Der Erfolg im Tessin macht Mut und stimmt zuversichtlich. Über dem Berg ist der Verein deswegen allerdings längst noch nicht – weder finanziell, noch sportlich. 11 Spiele, 10 Punkte, 12:23 Tore – St. Gallens Bilanz sieht fast haargenau gleich aus wie im gleichen Zeitraum in der Saison 2007/2008. Damals stand der Club auf dem achten Zwischenrang, jetzt auf dem neunten.

Damals stieg der Verein am Saisonende ab – und diesmal?

Zu hohe Erwartungen

St. Gallen kämpft in dieser Saison gegen den Abstieg, vielleicht gar bis zum letzten Spieltag. Hauptverantwortlich für die triste sportliche Situation ist eine verfehlte Personalpolitik. Im Sommer trennte sich der Verein von neun Spielern, die er nicht alle gleichwertig ersetzte. Insbesondere Moreno Costanzo, Zé Vítor und Marc Zellweger werden schmerzlich vermisst.

Gleichwohl verkündeten Exponenten des Clubs als Saisonziel einen erneuten sechsten Schlussrang oder eine gar noch bessere Plazierung.

Eine Fehleinschätzung, aufgrund derer bei den Anhängern zu hohe Erwartungen geschürt und Mannschaft und Trainer unnötig unter Druck gesetzt wurden. St. Gallen ist zwar nicht so schlecht, wie die derzeitige Rangierung vermuten liesse, aber auch keinesfalls so gut wie in der vergangenen Spielzeit. St.

Gallen verfügt, zumindest statistisch gesehen, über die schlechteste Abwehr der Liga, und nur die Grasshoppers, bei einem Spiel weniger, trafen weniger häufig. Hinzu kommt die eklatante Heimschwäche: drei der bislang fünf Auftritte in der AFG Arena endeten mit einer Niederlage.

Mutig und riskant

Es ist mutig und riskant, dass St. Gallen auf dem Transfermarkt nicht nochmals aktiv geworden ist.

Es spricht aber für die Vereinsführung, dass sie auf die fast durchwegs negativen Resultate besonnen reagierte und Trainer Uli Forte im Amt beliess. Doch geschah dies einzig aus finanziellen Gründen, oder ist die Clubleitung nach wie vor von Fortes Arbeit überzeugt? Forte ist für manchen Fehlentscheid in der Personalpolitik verantwortlich oder zumindest mitverantwortlich. Ihm ist gleichwohl zuzutrauen, dass er die Mannschaft vor dem Abstieg bewahrt. Seine Botschaften erreichen die Spieler jedenfalls noch immer, und das ist entscheidend.

Das war am Freitag in Bellinzona spür- und sichtbar – nicht zuletzt bei Calabro. Andreas Werz

Der nächste «Freistoss» erscheint am Dienstag, 19. Oktober.

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