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Der Koch kann an dieser Töff-WM entscheidend sein

Der Emmentaler Tom Lüthi muss sich beim GP von Italien in Mugello mit dem 3. Platz begnügen. Aber der 32-Jährige kann diese verrückte Moto2-WM 2019 gewinnen.
Klaus Zaugg, Mugello
Tom Lüthi fühlte sich unwohl und musste sich vor dem Rennen fast übergeben. (Bild: Waldemar Da Rin/Freshfocus (Mugello, 2. Juni 2019))

Tom Lüthi fühlte sich unwohl und musste sich vor dem Rennen fast übergeben. (Bild: Waldemar Da Rin/Freshfocus (Mugello, 2. Juni 2019))

Tom Lüthi ist erschöpft. Munter plaudert Valentino Rossis Halbbruder Luca Marini nach dem ersten Podestplatz der Saison über das «Wunder» seiner Rückkehr an die Spitze. Man habe die technischen Probleme endlich lösen können. Alex Marquez ist nach seinem zweiten Sieg hintereinander überglücklich. Erstmals seit fünf Jahren hat er wieder zwei Siege in Serie herausgefahren. Lüthi hingegen wischt sich mit dem Frottiertuch übers Gesicht. Es ist förmlich zu spüren, dass er einfach froh ist, alles überstanden zu haben. Er hatte das Rennen 8 Runden (von 21) angeführt. Aber er habe früh gespürt, dass es nicht reichen würde. «Ich konnte mit Alex Marquez nicht mit­halten.»

Nach einem Rennen ist bei der offiziellen Medienkonferenz der ersten drei keiner der «Asphaltcowboys» frisch. Aber so «unfrisch» wie Lüthi ist selten einer. Er erklärt hinterher, warum das so war. «Es geht mir nicht gut. Nach dem Frühstück spürte ich, dass etwas nicht stimmt, und ich musste mich fast übergeben. Vielleicht war da etwas mit dem Essen. Einer unserer Mechaniker hat die gleichen Symptome.»

Die Spitzenleute können sich keine Fehler leisten

Als Ausrede will der Berner sein Unwohlsein nicht verstanden haben. Auf die Frage, ob es für den Sieg oder Platz zwei gereicht hätte, wenn er fit gewesen wäre, erklärt er kategorisch: «Kein Hätte und Könnte. Ich bin glücklich, dass es fürs Podest gereicht hat, bloss kann ich die Freude nicht so gut zeigen.» Er weiss zu gut, dass es nicht nur an seinem Unwohlsein lag. Es gibt auch technische Schwierigkeiten, die noch gelöst werden müssen. Zweimal hintereinander ist es nun nicht gelungen, die starken Trainingsleistungen im Rennen ganz umzusetzen: der 2. Platz im Training in Le Mans und der 6. Platz im Rennen. Und nun der 2. Platz im Training in Mugello und der 3. Platz im Rennen. Trotzdem: Wäre Lüthi fit gewesen, hätte er Platz zwei gerettet.

Nun zeichnet sich ab: Diese WM wird durch Details entschieden. Einen Dominator, der sich Fehler leisten kann, gibt es in dieser WM nicht. Und das Beispiel von Lüthi zeigt, dass es nicht ein technisches Detail, nicht ein Konzentrationsfehler sein muss. Es kann auch der Koch sein, der die WM entscheidet. Das Gesamtklassement lässt erahnen, zu welchem Drama sich diese Moto2-WM in den verbleibenden 13 Rennen entwickeln wird. Der Italiener Lorenzo Baldassarri (88 Punkte, der Spanier Alex Marquez (86) und Tom Lüthi (84) liegen nahe beieinander.

Baldassarri und Marquez stehen für neue Generation

Dieses «Trio Grande» wird mit ziemlicher Sicherheit den Titel unter sich ausmachen. Auch wenn Jorge Navarro (73 Punkte), Marcel Schrötter (64) und Luca Marini (58) durchaus noch theoretisch-statistische Titelchancen haben. Lüthi sagt, entscheidend sei die Konstanz auf hohem Niveau. «Auf dem Niveau, um bei jedem Rennen ums Podest zu fahren.» Und natürlich darf sich keiner mehr einen Nuller leisten. Also kein Rennen mehr ohne Punkte.

Baldassarri und Marquez sind die heisseren Siegfahrer als Lüthi. Sie personifizieren eine neue Generation. Aber Erfahrung hilft beim Vermeiden von Fehlern und Nullern. Lorenzo Baldassarri ist 22-jährig. Alex Marquez, der jüngere Bruder von MotoGP-Titan Marc Marquez, ist 23 und Tom Lüthi 32. Entsprechend dem Altersunterschied ist die Rennerfahrung. Baldassarri hat in Mugello seinen 107., Marquez den 122. und Lüthi den 273. GP bestritten.

Und wie wir in Mugello soeben gesehen haben, hilft auch ein gutes Frühstück am Renntag.

Mugello. MotoGP (23 Runden à 5,245 km/120,635 km): 1. Petrucci (ITA), Ducati, 41:33,794 (174,1 km/h). 2. Marc Marquez (ESP), Honda, 0,043 zurück. 3. Dovizioso (ITA), Ducati, 0,338. 4. Rins (ESP), Suzuki, 0,535. – Ausgeschieden u.a.: Valentino Rossi (ITA), Yamaha. – WM-Stand (6/19): 1. Marquez 115. 2. Dovizioso 103. 3. Rins 88. – Ferner: 5. Rossi 72.

Moto2 (21 Runden/110,145 km): 1. Alex Marquez (ESP), Kalex, 39:31,262 (167,2 km/h). 2. Marini (ITA), Kalex, 1,928. 3. Tom Lüthi (SUI), Kalex, 2,242. 4. Baldassarri (ITA), Kalex, 3,653. – Ferner: 17. Dominique Aegerter (SUI), MV Agusta, 24,081. – WM-Stand (6/19): 1. Baldassarri 88. 2. Marquez 86. 3. Lüthi 84. – Ferner: 22. Aegerter 5.

Moto3 (20 Runden/104,9 km): 1. Arbolino (ITA), Honda, 39:29,874 (159,3 km/h). 2. Dalla Porta (ITA), Honda, 0,029. 3. Masia (ESP), KTM, 0,078. – WM-Stand (6/19): 1. Canet (ESP), KTM, 83. 2. Dalla Porta 80. 3. Antonelli 70.

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