Töff
Jason Dupasquier ist der neue Tom Lüthi: Eine Karriere geht zu Ende, eine Karriere hat begonnen

Die Frage nach dem Töff-GP von Frankreich von Le Mans: Kann der Freiburger Jason Dupasquier (19) der nächste Tom Lüthi (34) werden?

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
Moto3-Fahrer Jason Dupasquier im Zielraum des Moto Grand Prix von Doha.

Moto3-Fahrer Jason Dupasquier im Zielraum des Moto Grand Prix von Doha.

Karl Fritz Glaenzel / Keystone

Jason Dupasquier ist gestern beim GP von Frankreich in Le Mans im Moto3-Rennen auf den 13. Platz gefahren. Haben wir den nächsten Tom Lüthi gesehen? Ja und nein. Nein, weil es keinen nächsten Tom Lüthi geben wird. Die Art und Weise, wie er von einem Bauernhof im oberen Emmental den Weg hinaus in die Töffwelt gefunden, seinen Traum verwirklicht hat und Weltmeister (2005, 125 ccm) geworden ist, bleibt einzigartig wie seine Persönlichkeit.

Ja, weil Jason Dupasquier alle Voraussetzungen hat, um der nächste Schweizer Weltklassefahrer zu werden. In Le Mans ist er diese Saison zum fünften Mal in Serie in der Moto3-WM in die Punkte gefahren (13.). In der WM finden wir ihn schon auf Rang 10. Auf den Spuren von Tom Lüthi. Er wird im Juli 20 und ist der erste Schweizer, der im neuen System gross geworden ist: zuletzt die Einstiegsklasse Rookies Cup, jetzt in der zweiten Saison in der Moto3-WM. Es ist der Weg, den heutzutage die Talente gehen.

Dupasquiers Karriere wird eng von den Eltern begleitet

Jason Dupasquier auf seiner Maschine in Le Mans.

Jason Dupasquier auf seiner Maschine in Le Mans.

Freshfocus

Tom Lüthis Eltern konnten und wollten die Rennfahrerkarriere ihres Sohnes nicht managen und haben diese Aufgabe klug Daniel Epp überlassen. ­Dupasquiers Karriere wird hingegen von den Eltern eng begleitet. Sein Vater Philippe war eine Motocross-Legende und ist mittlerweile als Rennsportverantwort­licher von KTM Schweiz eng mit dem Motosport verbunden.

Sein Sohn hat den ganzen Winter in Spanien verbracht, um dort fahren, fahren und nochmals fahren zu können. Ein Merkmal der neuen Generation ist diese Rastlosigkeit. Die Räder stehen nie still. Lüthi gehört noch zur Generation, die im Winter zwischendurch die Motoren ruhen und die Höllenmaschinen abkühlen liess. Eine Saisonvorbereitung in Spanien hätte er sich in diesem Stil zu Beginn der Karriere gar nicht leisten können.

Noch fehlt Dupasquier der grosse Exploit

Daniel Epp hilft auch der Familie von Philippe Dupasquier, sich im Haifischbecken MotoGP zurechtzufinden und hat teilweise die Unterstützung der Sponsoren gesichert, die auch Tom Lüthi alimentieren. Er hat die Kontakte zum deutschen Team von Ingo und Florian Prüstel geknüpft und dieses junge Team entwickelt sich zusammen mit Dupasquier: keine WM-Punkte letzte Saison, jetzt in jedem Rennen WM-Punkte. Folgt bereits nächste Saison der Aufstieg in die Moto2-WM? «Nein, daran denken wir nicht einmal», sagt Daniel Epp. «Auch wenn die Verträge noch nicht unterschrieben sind: Wir planen auch die nächste Saison in der Moto3-WM.»

Tom Lüthis Karriere geht langsam zu Ende.

Tom Lüthis Karriere geht langsam zu Ende.

Karl Fritz Glaenzel / KEYSTONE

Dupasquier soll behutsam an die zweitwichtigste WM herangeführt werden. Was ihm noch fehlt, ist ein Exploit, der ihn ins Bewusstsein der Sportfans ausserhalb der Motorsportkreise katapultiert. Ein Sieg wie damals jener von Tom Lüthi 2005 in Le Mans. Wenn nicht diese Saison, so wird ihm dieser Exploit nächste Saison gelingen.

Von der Persönlichkeit her ist der Unterschied zwischen den beiden gar nicht so gross. Der Freiburger ist freundlich, weiss, was er sagen muss, und er pflegt mit bemerkenswertem Geschick den Ruf des hochprofessionellen Traum-Schwiegersohnes. So wie der eher scheue, introvertierte Lüthi ist auch er kein «Haudegen» und Rock’n’Roller wie Dominique Aegerter, der erfolgreich das Image des wilden Abenteurers pflegt.

Gut möglich, dass Jason Dupasquier Lüthis Rolle als «Posterboy» unseres Töffrennsportes übernehmen kann.

Gut möglich, dass Jason Dupasquier Lüthis Rolle als «Posterboy» unseres Töffrennsportes übernehmen kann.

Karl Fritz Glaenzel / KEYSTONE

Es mag sein, dass Tom Lüthis Karriere soeben in Le Mans mit einem Sturz, mit inzwischen saisonübergreifend 9 Rennen und bloss einem WM-Punkt und dem Absturz auf den 27. WM-Rang in die Schlussphase eingetreten ist. Aber die Hoffnung, dass Jason Dupasquier seine Rolle als «Posterboy» unseres Töffrennsportes übernehmen kann, ist berechtigt. Nicht als nächster Tom Lüthi. Aber als erster Jason Dupasquier.

Aktuelle Nachrichten