Töbi Tobler im Thurgau

WARTH. Das Thurgauer Kammerorchester unter Claude Villaret hat sich schon mit dem Thurgauer Jazztrio, Tango-Solisten oder Pierre Favre zusammengetan. Am Sonntag wendet es sich einem Instrument aus der Volksmusik zu – dem Hackbrett.

Dieter Langhart
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Claude Villaret, Dirigent des Thurgauer Kammerorchesters. (Bild: Andreas Sommer)

Claude Villaret, Dirigent des Thurgauer Kammerorchesters. (Bild: Andreas Sommer)

Wir kennen das Hackbrett nicht nur aus dem Alpstein. Und Töbi Tobler ist einer der Virtuosen, die es bekanntgemacht haben. Am Ittinger Sonntagskonzert ist der Eschliker zu hören, dessen Stil durch eigene Stücke, frei improvisierte Musik, traditionelle Appenzeller Musik, aber auch Interpretationen von klassischer und zeitgenössischer Musik geprägt ist, die weit über die Formationen Toblermit oder Appenzeller Space Schöttl hinausgehen, denn Töbi Tobler hat mit Toni Vescoli oder Bligg zusammengearbeitet, aber auch mit dem Berner Kammerorchester oder dem Symphonischen Orchester Zürich. Und der St. Galler Komponist Paul Huber hat 1994 mit einem Konzert für Hackbrett und Streichorchester gezeigt, woher das Hackbrett kommt – aus der klassischen Musik des 18. Jahrhunderts.

Für Tobler komponiert

Fabian Müller hat für Töbi Tobler das Alpstein-Concerto komponiert, das vergangenen Sommer mit dem Collegium Musicum in Rheineck, Fischingen und St. Gallen aufgeführt worden ist. Es fängt in drei Sätzen Stimmungen rund um die magische Landschaft des Alpsteinmassivs ein, und natürlich sind Elemente der Appenzeller Musik mit hineingeflossen: im ersten Satz eine getragene Rugguserli-Melodie und ein Ländler, im atmosphärischen zweiten Satz kann man einen Sonnenaufgang am Säntis «hören», und im nahtlos folgenden dritten Satz spiegeln sich die Fröhlichkeit und der spritzige Humor der Appenzeller. Fabian Müller: «Ich habe Töbi Tobler auch immer wieder Raum für Improvisationen gelassen.»

Tänze als Filmmusik

Zum 200.Geburtstag des Gründers der norwegischen Volksliteratur Ludvig Baron Holberg (1684–1754) hat Edvard Grieg die Tanzsuite «Aus Holbergs Zeit» geschrieben. Er verwebt in ihr Elemente der Volksmusik seiner Heimat, etwa leere Quinten und scharf betonte Tanzrhythmen, mit den kompositorischen Neuerungen der Spätromantik.

Ebenfalls aus der Volksmusik entliehene Tanzrhythmen erklingen im zweiten Programmteil: Brahms' «Ungarische Tänze» entstanden 1858–69 nach seiner Begegnung mit dem Geiger Eduard Reményi. Brahms erreichte mit ihnen eine ungeheure Popularität, denn die Themen aus der ungarischen Volks- und Zigeunermusik und die temperamentvollen Rhythmen fahren in die Beine. Den fünften Tanz hat Charlie Chaplin in seinem Film «The great dictator» verwendet. Und der Walzer aus der Jazz-Suite von Dmitri Schostakowitsch ist in Stanley Kubricks Film «Eyes wide shut» eindringlich zu hören.

So, 30.9., 11.30, Kartause Ittingen Reservation: www.kartause.ch

Töbi Tobler, Hackbrettspieler aus Eschlikon. (Bild: Michael Hug)

Töbi Tobler, Hackbrettspieler aus Eschlikon. (Bild: Michael Hug)