TITELJAGD: Alter Hase gegen junges Talent

Im Final des Masters-1000-Turniers kam es in Montréal zum Generationenvergleich. Der 36-jährige Roger Federer traf auf den 20 Jahre alten Alexander Zverev – und fand das «cool».

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Alexander Zverev, erfolgreicher Vertreter der neuen Generation im Tennis. (Bild: Pete Malkovic/EPA)

Alexander Zverev, erfolgreicher Vertreter der neuen Generation im Tennis. (Bild: Pete Malkovic/EPA)

Der Deutsche Alexander Zverev beendete im Halbfinal in Montréal die Traumwoche des noch zwei Jahre jüngeren Denis Shapovalov. Der 18-jährige Kanadier hatte zuvor schon sensationell Juan Martin Del Potro und vor allem Rafael Nadal ausgeschaltet. Dank seinen Leistungen wird sich Shapovalov unter die Top 70 der Weltrangliste verbessern. Im Halbfinal gegen Zverev flatterten ihm aber die Nerven: Beim 6:4, 7:5-Erfolg erhielt der Deutsche die entscheidenden Breaks beider Sätze jeweils mit einem Doppelfehler auf dem Silbertablett vom Kanadier serviert.

Auf solche Schwächen durfte Zverev gestern Abend im Final gegen Roger Federer, der erst nach Redaktionsschluss zu Ende ging, nicht hoffen. Im Halbfinal gegen Robin Haase schlug der Schweizer äusserst überzeugend auf. Darüber zeigte er sich besonders erfreut. «In diesem Turnier war es ein Auf und Ab beim Service.» Zeitweise sei er gut gewesen, dazwischen aber auch wackelig. «Das mag ich nicht so. Ich möchte mich in den entscheidenden Momenten auf den Aufschlag verlassen können», so Federer. Deshalb gebe die Leistung gegen Haase viel Selbstvertrauen für den Final von Montréal.

Favoritenrolle für Federer

Federer sagte ausserdem, dass er sich frisch fühle und er bisher wenig Energie verbraucht habe. «Ich konnte die Punkte kurz halten und war am Netz sehr sauber.» Der Entscheid, nach Kanada zu reisen, habe sich auf jeden Fall bereits ausgezahlt. Vor dem Final zählte Federer als Favorit, auch wenn Zverev vergangene Woche bereits in Washington triumphiert und auch seinen bisher einzigen Masters-1000-Final im Mai in Rom gewonnen hat. Das vergangene Aufeinandertreffen der beiden im Final in Halle auf Rasen dominierte der 36-jährige Basler. Anfang Jahr in Perth setzte sich der Deutsche jedoch beim Hopman Cup in einer hochklassigen Partie durch. Für Federer war dies jedoch erst sein zweites Spiel nach seiner Verletzungspause.

Erfahrung als grosser Pluspunkt

Im Vorfeld des Finals von Montréal freute sich Federer auf den Generationenvergleich. «Solche Spiele sind ein Grund, warum ich noch spiele», erklärte er. «Das ist echt cool. Ich habe es enorm geschätzt, dass Agassi so lange spielte und ich so noch die Chance erhielt, gegen ihn antreten zu können.» Federer weiss um die Stärke Zverevs, hoffte aber dennoch, dass seine grössere Erfahrung mit Finalspielen ein entscheidender Vorteil sein könnte.

Neben der Chance, sich mit einem Sieg in eine optimale Position zu bringen, um nächste Woche in Cincinnati die Nummer eins der Welt zu werden, könnte Federer in Montreal mit dem 94. Turniersieg auch zu Ivan Lendl in der Bestenliste aufzuschliessen. Der Basler betonte vor dem Final einmal mehr, dass er zu Beginn seiner Karriere nie mit solchen Erfolgen gerechnet hätte. «Ich habe ein Level erreicht, das ich nie für möglich gehalten hätte.» Das Ranking sei eigentlich nebensächlich, es sei denn, man sei die Nummer eins. Jetzt habe er das Glück, dass beides in Reichweite sei. (sda)