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Interview

Timo Meier im Doppelinterview mit François Affolter: «Ich konnte mental viel von François profitieren»

Der eine surft auf einer Erfolgswelle und hat gerade einen neuen Vertrag über 34 Millionen Dollar unterschrieben, der andere kämpft um seine Zukunft – der in San Jose beschäftigte Eishockeyaner Timo Meier und der Fussballer François Affolter im Doppelinterview.
Marc Wälti aus San Jose
Eishockeyaner Timo Meier (r.) und Fussballer François Affolter wurden in San Jose zu Freunden. (Bild: Julia Sieber)

Eishockeyaner Timo Meier (r.) und Fussballer François Affolter wurden in San Jose zu Freunden. (Bild: Julia Sieber)

Sie sind beide nun seit zweieinhalb beziehungsweise drei Jahren in San Jose. Was macht das Leben in Kalifornien lebenswert?

François Affolter: Das Wetter ist sicher der grösste Vorteil. Aber mir gefällt auch die Stadt, die Mannschaft und unser Fussball. Wir sind ständig unterwegs und verbringen viel Zeit in anderen Städten, in denen wir spielen. Für mich sind die USA alles in allem eine sehr gute Erfahrung.

Timo Meier: Das Wetter ist schon cool, wie François sagt. Man kann das ganze Jahr über Flip-Flops tragen und die angenehmen Temperaturen bieten Lebensqualität. Obwohl es nicht den Anschein macht, ist in San Jose auch die Begeisterung fürs Eishockey gross. In der näheren Umgebung gibt es Sportteams aus allen Major Leagues. Man lernt andere Athleten kennen und kann sich austauschen.

Ob Sonne oder angenehme Temperaturen, letztendlich sind Sie zum Arbeiten hier. Was ist aus Sicht des Spitzensportlers der grösste Unterschied zur Schweiz?

François Affolter: Die Professionalität in unserer Mannschaft ist vergleichbar mit der Schweiz. Der Fussball entwickelt sich nach wie vor und die Liga wird mit neuen Teams erweitert. Mein Eindruck ist, dass sich das Niveau stetig verbessert und an Attraktivität gewinnt. Das allgemeine Interesse am Fussball ist aber sicherlich noch nicht mit Europa vergleichbar.

Timo Meier: Für mich liegt der grösste Unterschied in der Mentalität. Man ist viel mehr auf sich allein gestellt, die Eigenverantwortung ist höher. Es wird erwartet, dass man immer in Bestform ist und man über die ganze Saison in 82 Spielen Leistung erbringt. Der Druck ist schon gewaltig, zumal auch der Konkurrenzkampf unter den Spielern da ist. An Talenten und der Einsatzbereitschaft mangelt es hier nicht und manch einer möchte gerne meinen Platz einnehmen.

Timo Meier freut sich über die grosse Begeisterung der Fans in San Jose. (Bild: Keystone)

Timo Meier freut sich über die grosse Begeisterung der Fans in San Jose. (Bild: Keystone)

Der Fussball hier gilt als athletischer und weniger taktisch als in Europa. Hinzu kommt das viele Reisen in andere Zeit- und Klimazonen. Wie gross war die Umstellung für Sie?

François Affolter: Die Belastung ist gerade bei Auswärtsspielen immens. Nach einem sechsstündigen Flug sind die Beine müde und eine wirkliche Akklimatisation an die neue Umgebung gibt es eigentlich nicht. Das widerspiegelt sich dann auch in den Resultaten, die meistens negativ ausfallen. Aber das macht die Liga ausgeglichen und sorgt für Spannung bis zuletzt. Für uns Sportler ist es jedoch auch mental eine Herausforderung, mit einem erschöpften Körper Höchstleistungen zu erbringen.

Im Gegensatz zu François Affolter, der als gestandener Profi in die USA kam, wechselten Sie bereits mit 16 Jahren in eine kanadische Juniorenliga. Mit was für Erfahrungen hat Sie das geprägt?

Timo Meier: Ich hatte das Glück, dass mich meine Gastfamilie sehr gut aufnahm und mir den Einstieg erleichterte. Neben den technischen Aspekten auf dem Eis musste ich zuerst auch die Mentalität verstehen und die Sprache lernen. Dass ich dies alles schon in jungen Jahren erfahren durfte und ich mich letztlich auch durchgesetzt habe, hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Davon zehre ich heute in der NHL, wo man sich in jedem Spiel neu behaupten muss.

François Affolter, Timo Meier hat schon fast 200 NHL-Spiele absolviert und konnte jetzt einen neuen Vertrag über CHF 34 Millionen Dollar unterschreiben. Wie beurteilen Sie seine bisherige Karriere?

François Affolter: Was Timo erreicht hat, ist sehr eindrücklich. Mit 16 Jahren hierherzukommen ohne Familie und Freunde ist nicht einfach. Ich war selber mit 21 Jahren in der Bundesliga und weiss, wie sich das anfühlt. Wenn es dir da sportlich nicht läuft, fühlst du dich sehr schnell einsam und bist traurig. Timo hat sich durchgesetzt und die Vertragsverlängerung ist mehr als verdient.

Hier noch in der Schweiz, heute spielen beide im Ausland. Davide Mariani vom FC Lugano, François Affolter im Dress des FC Luzern. (Bild: Keystone)

Hier noch in der Schweiz, heute spielen beide im Ausland. Davide Mariani vom FC Lugano, François Affolter im Dress des FC Luzern. (Bild: Keystone)

Für Sie persönlich läuft es im Moment nicht gerade toll. Sie kommen kaum zum Einsatz und konnten sich auch nie einen Stammplatz erkämpfen. Warum ist es so und nicht anders herausgekommen?

François Affolter: Es ist wie verhext: Um gut spielen zu können, braucht es Selbstvertrauen und Rhythmus. Um in den Rhythmus zu kommen und Selbstvertrauen tanken zu können, muss man spielen. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Hinzu kommt, dass wir auf meiner Position in der Innenverteidigung sehr gut besetzt sind. Trotzdem gebe ich nicht auf und der Trainer attestiert mir auch eine professionelle Einstellung. Er weiss, dass ich bereit bin und auf meine Chance warte.

Timo Meier, bisher waren Sie der Junge, der sich aufdrängen konnte. Jetzt mit Ihrem neuen Vertrag gehören Sie zu den Grossverdienern und damit zu den Leistungsträgern im Team. Wie gehen Sie mit dieser neuen Situation um?

Timo Meier: Die grössten Erwartungen an mich habe schon immer ich mir gestellt. Von daher hat sich eigentlich nichts geändert. Im Vordergrund steht für mich die Mannschaft. Zusammen wollen wir erfolgreich sein und jeder versucht dafür, seine Rolle bestmöglich auszufüllen. Natürlich sehe ich mich in einer wichtigen Position. Aber die Konkurrenz ist gross und auch ich muss mich immer wieder beweisen. Für mich ist der neue Vertrag mehr Motivation als Belastung.

Die Fussballsaison in den USA neigt sich ihrem Ende zu und Ihr Vertrag läuft aus. Wie sehen sie Ihre Zukunft?

François Affolter: Der Klub besitzt noch eine Option für ein weiteres Jahr. Es wird sich weisen, ob er sie zieht oder nicht. Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, auch weiterhin für San Jose oder für einen anderen Verein in der Major League Soccer zu spielen. Ich fühle mich wohl in den USA und die bisherigen Erfahrungen sind sehr bereichernd. Ich schliesse aber auch eine Rückkehr in die Schweiz oder nach Europa nicht aus. Ich bin jetzt 28 Jahre alt und komme somit in das beste Alter für einen Innenverteidiger (lacht).

«François hat mir auch mental viel gebracht, zumal er sich als Spitzensportler in meine Situation hineinfühlen kann.»

Bei Ihnen, Timo Meier, geht es erst richtig los. Ihr Team gehört auch heuer wieder zum Favoritenkreis für den Stanley Cup. Was rechnen Sie sich aus?

Timo Meier: Wir waren vergangene Saison mit dem Erreichen des Western Conference Final schon sehr nahe dran. Da merkt man schon, trotz allem Spass, wie hart und körperlich anspruchsvoll es ist, diese Trophäe zu gewinnen. Es muss wirklich sehr vieles zusammenpassen und es braucht den vollen Einsatz eines jeden Einzelnen. Unser Team hat sicherlich grosses Potenzial. Ich bin sehr gespannt, was wir dieses Jahr zu Stande bringen.

Sie sind durch die gemeinsame Zeit in San Jose zu Freunden geworden. Was werden Sie voneinander vermissen, sollten sich nun Ihre Wege trennen?

Timo Meier: Es wäre schon schade, wenn François wegziehen würde. Ich konnte viel von ihm profitieren, nicht nur als Eishockeyspieler, sondern auch als Mensch. Gute Kollegen um mich zu haben und der regelmässige Austausch mit ihnen, ist mir enorm wichtig. François hat mir auch mental viel gebracht, zumal er sich als Spitzensportler in meine Situation hineinfühlen kann.

François Affolter: Ich würde sicherlich auch die Treffen und Diskussionen mit ihm vermissen. Wir verbringen viel Zeit miteinander und reden dabei nicht nur über Fussball oder Eishockey. Wir sind füreinander da und helfen uns gegenseitig, wenn wir Probleme haben. Ich gehe auch gerne ins Eishockeystadion und freue mich jeweils riesig, wenn Timo ein Tor schiesst.

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