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TIEFPUNKT: Das Ende der Dominanz

Nach der 0:2-Niederlage gegen die Young Boys im Cuphalbfinal steht Serienmeister Basel möglicherweise vor einer Saison ohne Titel. Es könnte zu einer Wachablösung kommen.
Sergio Dudli
Raphael Wicky muss im Cuphalbfinal die vierte Niederlage seit Anfang Februar hinnehmen. (Bild: Freshfocus)

Raphael Wicky muss im Cuphalbfinal die vierte Niederlage seit Anfang Februar hinnehmen. (Bild: Freshfocus)

Sergio Dudli

Mit gesenktem Haupt schritt Raphael Wicky nach dem Schlusspfiff in Bern über den Kunstrasen. In den 90 Minuten des Cup­halbfinals hatte der Trainer des FC Basel zusehen müssen, wie die Young Boys seiner Mannschaft in allen Belangen überlegen waren. Auf dem Papier ging es «nur» um den Einzug in den Cupfinal. Doch das 0:2 des Serienmeisters aus Basel gegen die aufstrebenden Berner ist mehr als nur eine schmerzliche Niederlage. Es dürfte für Wicky und seine Spieler die Erkenntnis gewesen sein, dass die Basler Dominanz der vergangenen Jahre in dieser Saison keine Fortsetzung findet. Nach der Meisterschaft, in der die Berner elf Punkte vor Basel platziert sind, liegt nun auch der Cupsieg für das Aushängeschild des Schweizer Fussballs ausser Reichweite.

Als Wicky nach dem Spiel in den Katakomben vor die Mikrofone trat, schwang die Enttäuschung in seiner Stimme mit. «Wir müssen weiter arbeiten. Wir müssen präziser werden. Wir müssen nach vorne schauen.» Floskeln, die davon zeugen, dass derzeit eine ungewohnte Unsicherheit die Aura der Basler prägt. Auch die Spieler klammern sich an Durchhalteparolen. «Es ist jetzt noch zu früh, um aufzugeben», sagte Michael Lang nach der Partie. Zu früh, um aufzugeben. Aber wohl auch zu spät, um noch eine Wende einzuleiten.

Bezahlen für die Unerfahrenheit

Vor der Saison herrschte noch Optimismus in Basel. Mit der Ernennung von Marco Streller zum Sportchef rückte ein Mann in eine Führungsposition, der wie kein Zweiter für den Aufstieg der Basler steht. Eine Identifikationsfigur, die nach den Rücktritten von Präsident Bernhard Heusler und Sportchef Georg Heitz eine neue Ära einleiten sollte. Mit ­Wicky hob Streller einen Trainer ins Amt, der, wie er selbst, über keinerlei Erfahrung in einer Führungsposition im Profifussball verfügte. Für dieses Experiment mit zwei Unerfahrenen bezahlt der FC Basel nun Lehrgeld. Mit den Rücktritten von Heusler und Heitz gingen Know-how und ein ausgedehntes Netzwerk verloren. Streller stellte Wicky im Sommer eine Mannschaft mit Spielern zusammen, deren Namen kein Team in der Schweiz erzittern lässt. Vorbei sind die Zeiten, als die Startformation der Basler gespickt war mit Namen wie Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Mohamed Salah, Alex Frei oder Yann Sommer.

Dem FC Basel Version 2018 fehlt es an individueller Klasse und Führungsfiguren. Captain Marek Suchy ist ein überdurchschnittlich guter Super-League-Spieler, aber er strahlt nicht diese Selbstsicherheit aus wie seine Vorgänger Matias Delgado und Marco Streller. Dass er mit seinem Eigentor am Dienstagabend die Niederlage besiegelte, passt perfekt in das Bild. Wicky selbst ist noch nicht in der Lage, aus den Talenten wie Dimitri Oberlin oder Raoul Petretta mehr rauszukitzeln, als es ihr fussballerisches Können derzeit zulässt. Rennen gleichzeitig Routiniers wie Lang oder Suchy ihrer Form hinterher, ist Basel nur guter Durchschnitt. Dass es der Mannschaft an Klasse und Erfahrung fehlt, erkannte Streller zu spät. Im Winter reagierte er mit den Verpflichtungen von Fabian Frei und Valentin Stocker. Beide spielten einst beim FC Basel, ihre Rückkehr wurde von den Anhängern gefeiert. Sie sollten den Karren aus dem Dreck und in die richtige Spur führen. Das Schicksal eines ganzes Vereins, aufgehängt an zwei Spielern, die im Ausland nie über die Rolle eines Mitläufers ­hinauskamen. Diese Rechnung geht scheinbar nicht auf, denn weder Stocker noch Frei lassen ihr vorhandenes Können auf­blitzen.

Blicken die Basler Verantwortlichen nach Bern, finden sie dort all das, was in den eigenen Reihen fehlt. Ein guter Mix zwischen jungen Spielern wie Djibril Sow und erfahrenen Akteuren wie Steve von Bergen sowie die nötige fussballerische Klasse in Form von Guillaume Hoarau oder Miralem Sulejmani. Auch in der Führungsetage sind die Young Boys einen Schritt weiter als die Basler. Trainer Adi Hütter weiss seit seinem Engagement in Salzburg, wie man Meister wird. Sportchef Christoph Spycher hat sein erstes Lehrjahr hinter sich und versteht die Mechanismen im Business.

Zweites Lehrjahr wird entscheiden

Bei derzeit elf Punkten Rückstand auf die Young Boys brauchen die Basler ein kleines Fussballwunder, um den neunten Titel in Serie zu feiern. Wunder gibt es immer wieder, aber die Zahlen zeigten, dass sich die Machtverhältnisse verschoben haben. Doch ist es eine endgültige Verschiebung? Das wird sich im Sommer zeigen. Spätestens dann, in ihrem zweiten Lehrjahr, müssen Streller und Wicky ihre Reifeprüfung ablegen.

Dank des guten Abschneidens in der Champions League und des damit einhergehenden Millionenregens verfügt Basel über die finanziellen Mittel, um gestärkt zurückzukommen. Dass die Mannschaft unter Wicky ­guten Fussball spielen kann, hat sie mit Siegen gegen Manchester United und Benfica Lissabon gezeigt. Zudem steht den Young Boys bei einem allfälligen Titelgewinn ein schwieriger Sommer bevor, gewichtige Abgänge wären vorprogrammiert. Es wird die Chance für Basel sein, zu zeigen, dass diese Saison nur ein Schönheitsfehler war.

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