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42,195 Kilometer, 1829 Höhenmeter – das tiefe Glücksgefühl eines Ostschweizers, der erstmals den Jungfrau-Marathon bestritt

Ivo Dietsche aus Andwil hat erstmals den Jungfrau-Marathon absolviert – der 46-Jährige benötigte dabei vor allem auch mentale Stärke.
Peter Birrer aus Interlaken
Ivo Dietsche: «Wenn nichts Verrücktes passiert, sollte ich oben ankommen.» (Bild: Peter Birrer)

Ivo Dietsche: «Wenn nichts Verrücktes passiert, sollte ich oben ankommen.» (Bild: Peter Birrer)

Ivo Dietsche hat viel Gutes gehört, mehr noch, es ist ihm vorgeschwärmt worden von diesem Lauf mit Start in Interlaken und Ziel auf der Kleinen Scheidegg. Die Herausforderung heisst Jungfrau-Marathon oder: 42,195 Kilometer, 1829 Höhenmeter. Am 14. Februar fängt der Verkauf der Startplätze an, 36 Stunden später sind alle 4000 abgesetzt. Der 46-jährige Dietsche ist dabei, er bekommt die Nummer 3327. Und er weiss, was die Anmeldung mit sich bringt: die Pflicht, sich in eine entsprechende Verfassung zu bringen.

Dietsche, Leiter der Coop Verkaufsregion Ostschweiz-Ticino und damit Chef von 5300 Angestellten, intensiviert fortan das Training, meist ist er am frühen Morgen unterwegs. Er hat die Erfahrung schon gemacht, wie viel ein Marathon abverlangt, er hat auf flacher Strecke in Zürich einmal eine Zeit von 3:28 Stunden erreicht. Und den Swiss Alpine Marathon hat er zweimal bestritten. Nur eines bereitet ihm Sorgen, als der Wettkampf in Interlaken naht: das Wetter.

Eine alte Verletzung bricht auf

Für diesen Samstag kündigt sich der Herbst an, mit Nebel, Regen und Kälte. Erwartet wird eine Temperaturdifferenz von bis zu 15 Grad zwischen Start und Ziel. Dietsche versucht, die Gedanken daran, dass es heikel werden könnte, auszublenden. Er sagt: «Wenn nichts Verrücktes passiert, sollte ich oben ankommen.» Und eines nimmt er sich auch vor: Er will nicht zu ungestüm losrennen.

«Die Gefahr besteht, dass man sich von Schnelleren mitreissen lässt und euphorisch wird, sobald man eine Startnummer trägt, danach aber für ein zu hohes Tempo büsst.»

Aber kaum ist er losgelaufen, spürt er einen Schmerz in der Wade. Eine alte Verletzung ist aufgebrochen, die ihn vor allem in den Aufwärtspassagen behindert. Bis Kilometer 25 sind die Anforderungen an die Läuferinnen und Läufer überschaubar, danach beginnt sozusagen ein neues Rennen: Es wird steil. Oder wie es Dietsche formuliert: «Ab Lauterbrunnen steht die grosse Prüfung an.» Er muss beissen wie die Mehrheit des Feldes und begibt sich damit auch auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Nur eines kommt nicht infrage: Resignation.

Zwischendurch fährt ihm durch den Kopf: «Warum nur tust du dir das an?» Aber nach 5:39.07,6 Stunden hat er den Kampf gewonnen: Er läuft ins Ziel ein, auch er darf sich fühlen wie ein Sieger. «In diesem Moment ist die Anstrengung vergessen und der Schmerz verflogen», sagt er. Glücklich ist er, obwohl er gehofft hat, eine halbe Stunde weniger zu benötigen.

Der Beruf verschiebt die sportlichen Prioritäten

Dietsche war in jüngeren Jahren Fussballer, er schaffte es beim FC Montlingen bis in die 2. Liga. Sein beruflicher Aufstieg verschob aber die sportlichen Prioritäten. Er fand im Laufsport den idealen Ausgleich und brauchte nicht mehr Rücksicht auf das Training mit einem Team zu nehmen. Dietsche löste auch schon ein Fitness-Abo, merkte aber nach wenigen Besuchen: «Das ist weniger für mich. Ich muss hinaus in die Natur.» Heute sagt er:

«Ich trainiere bei Wind und Wetter. Und nehme die vier Jahreszeiten dank dem Sport bewusst wahr.»

Am Tag nach dem Jungfrau-Marathon spürt er die Strapazen in den Beinen. Er gönnt sich eine Woche Ruhe, vor allem wegen seiner verletzten Wade. In nächster Zeit will er den einen oder anderen Halbmarathon absolvieren und damit eine Distanz bewältigen, über die er vor acht Jahren in 1:30 Stunden seine persönliche Bestzeit aufstellte. Und 2020? Wird er sich dann ein zweites Mal an den Jungfrau-Marathon heranwagen? Seine Antwort mit einem zufriedenen Lächeln am Tag nach dem Rennen: «Die Chancen stehen gut. Nun kenne ich die Strecke – das ist ein grosser Vorteil.»

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