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TIEF: Wieder in der Bredouille

Es ist gerade nicht so leicht für Fabian Schär. Seinem Club Deportivo La Coruña könnte es schlechter in der Liga nicht laufen, der Ostschweizer spielt seit drei Partien keine Rolle. Und das im WM-Jahr.
Christian Brägger
Gegen Barcelona noch Stammspieler: Fabian Schär. (Bild: Alex Caparros/Getty (Barcelona, 17. Dezember 2017))

Gegen Barcelona noch Stammspieler: Fabian Schär. (Bild: Alex Caparros/Getty (Barcelona, 17. Dezember 2017))

Christian Brägger

Nein, Fabian Schär geht nicht vergessen. Nicht in diesem WM-Jahr, in dem der Innenverteidiger wichtig sein kann für die Schweizer Nationalmannschaft. Dabei könnte man dort oben im nordwestlichen Zipfel Spaniens, wo Schär für La Coruña in den Niederungen der spanischen Liga spielt, schon einmal in der Versenkung verschwinden. Insbesondere dann, wenn es so läuft wie zuletzt.

Zurück auf Feld eins hiess es im Sommer, Hoffenheim konnte Schär nicht mehr geben, was er sich wünscht: Zufriedenheit im Fussball, glücklich sein im Beruf. Er unterschrieb einen Vierjahresvertrag mit La Coruña, es herrschte Aufbruchstimmung. Der Schritt weg von Hoffenheim musste kommen, der Wechsel zum neuen Arbeitgeber, der maximal im ­Mittelmass agiert, aber Ambitionen vorgibt, war sinnvoll. Und Schär war froh. Das Sportlerleben meinte es wieder gut mit ihm – endlich war er Stammspieler, die Sicht von der Wohnung aufs Meer tat der inneren Balance zusätzlich gut. Anfänglich waren die Re­sultate Deportivos durchzogen, dann schlechter, bis sie miserabel wurden. Schär aber fand sich gut und lange zurecht, er spielte in der Innenverteidigung, setzte sich im Mannschaftsgefüge fest, erledigte seinen Job, wie er es nennt.

Zwei Trainerwechsel innert Kürze

Doch der Niederlagen wurden mehr und mehr, auf Coach Pepe Mel folgte bald Cristóbal Parralo, auf diesen bald Clarence Seedorf. Wenn zwei Trainer mitten in der Saison ausgewechselt werden, sagt das viel aus über deren Verlauf. Der Club habe sich wohl neue Impulse erhofft, so Schär. «Trainer kommen und gehen, Spieler kommen und gehen, so ist das halt im Fussball, darauf muss man sich einlassen können.» Seit einem Monat steht kein Geringerer als Seedorf an der Seitenlinie, einst Profi bei Real Madrid, Inter Mailand oder beim AC Milan, viermaliger Gewinner der Champions League – inzwischen 41 Jahre alt. Selbstredend ist das Medieninteresse mit dem Holländer gewachsen, doch La Coruña steckt mehr denn je in Abstiegsnot; unter dem Coach, der zuvor mässig erfolgreich Milan und Shenzen trainiert hatte, holte es in sieben Spielen nur drei Unentschieden und verlor viermal.

Schär spielt jetzt nicht mehr, zumindest die letzten drei Partien war das so. «Für mich ist es ge­rade nicht so einfach», sagt er. Ein Déjà-vu. Angst, dass es wieder wie in der Bundesliga kommen könnte, hat Schär aber nicht. «Eigentlich habe ich meine Leistung ja gebracht.» Dass er am vergangenen Samstag beim 1:1 im Heimspiel gegen das ebenfalls gefährdete Las Palmas nicht eingesetzt wurde, war ein neuerlicher Rückschlag – für ihn, und für den Club; mit 20 gewonnenen Punkten beträgt der Rückstand auf den rettenden 17. Platz sieben Zähler. «Ich glaube noch immer an den Ligaerhalt, sonst müsste ich gar nicht mehr trainieren gehen», sagt Schär. Die Krise bei den ­Galiziern hat sich langsam ein­genistet, manifest ist sie seit dem 9. Dezember und dem letzten Sieg in der Meisterschaft. Danach folgten 14 Ligapartien mit lediglich fünf gewonnenen Punkten, das Torverhältnis steht heute bei minus 34 Toren – das sind Werte eine Absteigers.

Seedorf liebt das gepflegte Passspiel, eigentlich ein Stil, der Schär entgegenkommt. Auch lässt der Coach härter trainieren – doch der Erfolg bleibt beim Zweitletzten der Liga aus. Hinzu kommt noch das Pech, das man hat, wenn man hinten steht. «Es fehlt immer ein My», sagt Schär. Noch ist theoretisch vieles möglich, doch es werden mit jedem Spieltag weniger Runden, um die fehlenden Punkte für den Ligaerhalt zu holen. Zudem ist das Rest­programm gespickt mit ziem­lichen Brocken wie dem grossen FC Barcelona, Atlético Madrid, Valencia, Sevilla oder Villarreal.

Allen Widrigkeiten zum Trotz hat sich der 26-Jährige samt Freundin und Hund gut eingelebt in A Coruña. Einzig mit dem Tagesablauf der Iberer liegt Schär bis heute im Clinch; trainiert wird mittags ab 12 und abends ab 18 Uhr, das Nachtessen wird ab 21.30 Uhr eingenommen. Das ist nicht der Rhythmus, nach dem sich ein Schweizer richtet. Ein Schweizer, der im Januar nahezu weltweite Bekanntheit erlangte, als er gegen Real Madrid dem Superstar Cristiano Ronaldo im Zweikampf eine klaffende Wunde im Gesicht zufügte. Die Bilder gingen um die Welt, weil der Stürmer von Welt den Schaden im Handy begutachtete. «Ronaldo hat danach gemeint, es sei alles gut. Von daher war das halb so wild», sagt Schär.

Willkommener Tapetenwechsel

Nun aber freut sich der Ostschweizer auf den Tapeten­wechsel, wieder einmal ist die Nationalmannschaft dafür da, Aufbauarbeit zu leisten. Nationaltrainer Vladimir Petkovic wird seinen Beitrag leisten, wie er das oft tut, wenn es nicht läuft. Die WM ist für alle noch weit weg, zuerst gilt es, die Aufgaben im Club zu erledigen. Angst, sich vor dem Turnier zu verletzen, hat Schär nicht. Der Profi sieht seine Beziehung zu Seedorf nicht gefährdet, und er ist erfahren genug, den Coach nicht in der Öffentlichkeit zu kriti­sieren; sie brauchen sich ja noch gegenseitig. Schär sagt nur: «Früher ein Spieler und später ein Trainer zu sein, das sind schon zwei Paar Schuhe.»

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