Thurgau nach dem Gewittersturm

EISHOCKEY. Der Gewittersturm rund um Christian Webers Demission hat zumindest auf dem Eis wenig Schaden angerichtet. Zwar verliert der NLB-Club Thurgau unter Interimscoach Mario Kogler 1:4 gegen Rapperswil-Jona – das aber mit Würde.

Thomas Werner/Matthias Hafen
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Verunsichern liessen sich die Thurgauer Spieler durch die jüngsten Entwicklungen nicht. Im Gegenteil: Der anfängliche Optimismus hätte ihnen fast die frühe Führung gebracht. (Bild: SPORTS-MEDIA.ch)

Verunsichern liessen sich die Thurgauer Spieler durch die jüngsten Entwicklungen nicht. Im Gegenteil: Der anfängliche Optimismus hätte ihnen fast die frühe Führung gebracht. (Bild: SPORTS-MEDIA.ch)

Eine 1:4-Niederlage gegen Rapperswil-Jona ist nichts Gemütliches. Doch hätte es für Thurgaus Clubführung am Dienstagabend in der Weinfelder Güttingersreuti noch viel ungemütlicher kommen können. Was den plötzlichen Abgang von Trainer und Sportchef Christian Weber betrifft, sind noch längst nicht alle Fragen beantwortet. Und weil sich immer mehr herausstellt, dass Webers Demission am Montagmorgen auch mit einem Machtgehabe im Verwaltungsrat zu tun haben könnte, wären ungemütliche Fragen nicht abwegig gewesen. Doch stattdessen gab es für Präsident Ronny Keller und Geschäftsführer Patrick Bloch von den Matchbesuchern vor allem warme Händedrücke und Glückwünsche für die kommenden Tage und Wochen. Der Schock über den Verlust der kompetenten Leaderfigur an der Bande sass bei vielen noch tief. Geschäftsführer Bloch sagte: "Unsere Aufgabe ist es nun, das Schiff auf Kurs zu halten."

Winkler als Assistenzcoach
Auf dem Eis blieb nicht viel Zeit zum Reagieren. Bereits am ersten Tag nach Webers Abgang stand für die Thurgauer die nächste Herausforderung auf dem Programm, das Heimspiel gegen den NLA-Absteiger Rapperswil-Jona. Die Hoffnung auf einen Punktgewinn war deshalb nicht sehr gross. Zum einen waren die Thurgauer gegen die St.Galler in den ersten drei Saisonvergleichen ohne wirkliche Chance geblieben, zum anderen stand dem zum Headcoach beförderten Mario Kogler nur ein Training zu Verfügung, um das Team auf sein neues Trainerduo einzustimmen. Koglers Assistent ist bis auf weiteres der frühere NLA-Profi Benjamin Winkler, der nach seinem Karriereende bei Thurgau Nachwuchstrainer im Verein wurde.

Eines konnte rasch festgestellt werden: Verunsichern liessen sich die Thurgauer Spieler durch die jüngsten Entwicklungen nicht. Im Gegenteil: Der anfängliche Optimismus hätte ihnen fast die frühe Führung gebracht. Nach einem energischen Vorstoss von Topskorer Evan McGrath sahen viele Zuschauer den Puck bereits nach 69 Sekunden erstmals im Tor hinter Rapperswils Goalie Michael Tobler. Die Schiedsrichter winkten aber ab und liessen sich auch von den Videobildern nicht umstimmen. Koglers Spieler stürmten weiter und kamen durch Johannes Bischofberger, Simon Sterchi und nochmals McGrath im Startdrittel zu den besseren Abschlussversuchen als die Gäste. 40 Sekunden vor Drittelsende folgte allerdings die Ernüchterung, als Marc Grieder zum 0:1 traf.

Entscheidung zu Spielmitte
Im Mitteldrittel erhöhten die Gäste den Rhythmus und überforderten damit die Thurgauer. Mit zwei Toren innerhalb von 42 Sekunden beantwortete Rapperswil-Jona die Frage nach dem Sieger kurz nach Spielmitte. Das 0:2 gelang Ryan McGregor im vierten Powerplay. Dies entspricht dem Schnitt der St.Galler, 24 Prozent ihrer Versuche in Überzahl bringen ihnen ein Tor ein. Dem zweitbesten Wert der Liga steht die schlechteste Quote gegenüber: Thurgau braucht für ein Tor zehn Versuche.

Nach der vierten Niederlage in Folge, der zwölften in den vergangenen 14 Spielen, kommt dem Gastspiel beim Tabellenneunten GCK Lions am Samstag wegweisende Bedeutung zu.

Zu erwarten ist, dass Thurgau auch in Küsnacht mit Mario Kogler an der Bande antreten wird. Zwar erhielt Geschäftsführer Patrick Bloch alleine am Tag von Webers Demission 15 Bewerbungen auf den Trainerposten, doch scheint sich noch kein ernsthafter Kandidat herauskristallisiert zu haben.

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