TEUFEN: Razzia bei Beckenbauer-Vertrautem in Teufen

Die Affäre Beckenbauer zieht weitere Kreise: In Teufen hat am Donnerstagnachmittag eine Hausdurchsuchung stattgefunden. Auf Anordnung der Schweizer Bundesanwaltschaft wurde das private Anwesen des bekannten Sportfunktionärs Fedor Radmann durchsucht.

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Fedor Radmann (rechts) war Vize-OK-Chef der Weltmeisterschaft in Deutschland von 2006. (Bild: WALTER BIERI)

Fedor Radmann (rechts) war Vize-OK-Chef der Weltmeisterschaft in Deutschland von 2006. (Bild: WALTER BIERI)

TEUFEN. In einer ruhigen Nebenstrasse in Teufen sollen Autos vorgefahren sein. Eine Gruppe von Männern in Anzügen trugen Aktenmaterial aus einem Appenzeller Haus. Die Bundesanwaltschaft (BA) ermittelt gegen Fedor Radmann, wie der "Tagesanzeiger" berichtet. Die Razzia ist Teil einer grossangelegten Aktion.

Bei Fedor Radmann handelt es sich um einen engen Vertrauten von Franz Beckenbauer. Die beiden warben gemeinsam für eine Durchführung der Fussball-WM in Deutschland. Im Januar 2001 wurde Radmann Vizepräsident des Organisationskomitees der WM 2006. Von diesem Posten trat er jedoch im Juni 2003 zurück und wurde Berater des Präsidiums für Kunst und Kultur sowie Marketing und Tourismus.

Zeitgleich acht Hausdurchsuchungen

Die BA hat gemäss Medienberichten im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2006 an Deutschland Ermittlungen gegen Franz Beckenbauer und weitere ehemalige Spitzenfunktionäre eingeleitet. Nach einem Bericht des "Spiegels" geht es dabei um den Verdacht auf untreue Geschäftsführung und Geldwäscherei.

Beschuldigt werden neben Beckenbauer als OK-Präsident der WM auch sein Vize Horst Rudolf Schmidt, sowie die ehemaligen DFB-Präsidenten, Theo Zwanziger und Wolfang Niersbach.

Das Strafverfahren gegen die vier Beschuldigten läuft bereits seit dem 6. November 2015. Am Donnerstag führte die BA zusammen mit den zuständigen Behörden Österreichs und Deutschlands an insgesamt acht Orten zeitgleich Hausdurchsuchungen durch. Ausserdem seien verschiedene Beschuldigte einvernommen worden.

Fragwürdige Zahlungen
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht laut Bundesanwaltschaft die Mitfinanzierung einer Galaveranstaltung in der Höhe von sieben Millionen Euro, die später auf 6,7 Mio. herabgesetzt worden war.

Die vier Beschuldigten sollen die anderen Mitglieder des Organisationskomitees "durch Vorspiegelung und Unterdrückung von Tatsachen" über die Verwendung von 6,7 Millionen Euro "arglistig irregeführt haben".

Sie hätten sie im Glauben gelassen, dass die Gelder für eine Galaveranstaltung verwendet worden seien. Stattdessen habe die Summe für die Tilgung einer Schuld gedient, "die nicht durch den DFB geschuldet war."

Fraglich ist nun, welche Rolle Fedor Radmann, der damalige Vize-OK-Chef, in dieser Angelegenheit spielte. Der Sportfunktionär war für "Tagesanzeiger" telefonisch nicht erreichbar. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. (sda/red.)

Zur Person Fedor Radmann

Seit rund elf Jahren wohnt Fedor Radmann mit seiner Familie in der Gemeinde Teufen. Von dort berät der 71-jährige bis heute Unternehmen zu Fragen der Sportvermarktung. Im vergangenen Jahr äusserte sich Radmann in der Appenzeller Zeitung zu seinen Umzug nach Teufen. "Es war reiner Zufall", sagte er. Ein Freund habe ihm von einem Bauernhäuschen erzählt, das zum Verkauf stand. "Wir fühlen uns sehr wohl in der Gemeinde."

Radmann äusserte sich im Juni 2015 ebenfalls gegenüber der Appenzeller Zeitung auch zur Krise der Fifa und zur Rolle des zurückgetretenen Präsidenten Sepp Blatter: "Für einen Neubeginn muss man das System ändern", sagte er. Man könne die Misere nicht alleine an Blatter festmachen.

Radmann forderte ein System mit einem führungsstarken Präsidenten, kontrolliert durch einen unabhängigen Verwaltungsrat. "Die Krux ist jedoch, dass die 200 Mitgliederländer einer neuen Systematik zustimmen müssen." (mge)

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