TESTSPIELE: «Das grosse Ziel ist eine Medaille»

Die Schweizer Eishockeynationalmannschaft startet mit dem Karjala Cup in die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Pyeongchang. Trainer Patrick Fischer will, dass ihm die Spieler das Leben schwer machen.

Sergio Dudli
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Patrick Fischer steht vor seinen ersten Olympischen Spielen als Trainer der Schweiz. (Bild: Freshfocus)

Patrick Fischer steht vor seinen ersten Olympischen Spielen als Trainer der Schweiz. (Bild: Freshfocus)

Interview: Sergio Dudli

In knapp drei Monaten beginnen die Olympischen Spiele im südkoreanischen Pyeongchang. Als Vorbereitung nimmt das Schweizer Eishockeyteam mit Trainer Patrick Fischer erstmals am Karjala Cup teil und trifft morgen in Biel auf Kanada, dann am Freitag und Sonntag in Helsinki auf Tschechien respektive Russland. Für den Trainer und seine Spieler beginnt damit das erste Kapitel auf dem Weg nach Südkorea. Im Vorfeld der Testspiele spricht Fischer über seine Ziele und erklärt, weshalb das Fehlen der NHL-Spieler in Pyeong­chang ein Vorteil für die Schweiz ist.

Patrick Fischer, der Karjala Cup steht an. Was erhoffen Sie sich davon im Hinblick auf die Olympischen Spiele?

Wir freuen uns, zum ersten Mal am Cup dabei zu sein. Die Spiele gegen Kanada, Tschechien und Russland sind ein guter Gradmesser um zu sehen, wo wir stehen – zumal wir diese grossen Nationen auch in Pyeongchang besiegen müssen, um unsere Träume zu erfüllen.

Wovon träumen Sie denn?

Die Schweiz hat im Eishockey an Olympischen Spielen seit 1948 keine Medaille mehr geholt. Eine solche wäre sicher das grosse Ziel. Zuerst müssen wir die Gruppenphase überstehen, was bereits eine sehr grosse Herausforderung ist. Wenn wir das schaffen und alles zusammenpasst, haben wir sicher die Chance, eine Medaille zu holen.

Was genau muss zusammenpassen, damit eine Medaille vom Traum zur Realität wird?

Auch wenn ich es nicht gerne sage: Es gibt im Sport einen Faktor, der über Sieg oder Niederlage entscheidet: Glück. Das kann man sich aber ein Stück weit durch Leidenschaft und Einsatz erkämpfen. Dafür müssen die Spieler am Tag X bereit sein und ihr ganzes Potenzial abrufen. Gelingt uns das, sind wir gefährlich.

Die NHL stellt die Spieler nicht für Pyeongchang ab. Ist das die grosse Chance auf eine Medaille für die Schweiz?

Zuerst einmal finde ich es schade, dass die NHL-Spieler nicht dabei sind. Die besten Spieler gehören an ein solches Turnier. Blickt man auf die Teams, die in der Weltrangliste vor uns platziert sind, werden diese Nationen vom Entscheid härter getroffen als wir, da sie mehr Spieler in Nordamerika haben. Unsere Chancen sind also grösser, allerdings wird es auch in dieser Konstellation schwer, eine Medaille zu holen. Aber sicher ist: Wenn die Top-Nationen mit allen NHL-Spielern kommen, hat keine andere Mannschaft eine Chance. So hingegen sind alle viel näher beisammen.

Für den Karjala Cup haben Sie 32 Spieler aufgeboten, wobei nur ein Debütant dabei ist (siehe Kasten). Ist das bereits das Olympia-Kader?

Es gibt Spieler, die jetzt nicht dabei sind, aber durchaus noch Chancen haben. Wir werden beispielsweise am Spengler Cup dabei sein, dort werden einige ihre Chance erhalten. Wir haben eine grosse Auswahl an guten Spielern. Sie müssen diese Turniere nutzen, um uns Trainern das Leben noch schwerer zu machen.

Aber grösstenteils haben Sie das Kader bereits im Kopf, das Sie für Pyeongchang nominieren werden?

Wir stehen, was das angeht, nicht bei Null. Aus der WM in Paris am Ende der vergangenen Saison nahmen wir im Trainerteam viele Erkenntnisse mit. Wir hatten einen guten Teamgeist und haben den Viertelfinal erreicht. Viele Spieler haben sich dort gut präsentiert, sie haben nun einen Bonus. Natürlich müssen sie diesen Platz behaupten, aber wir haben ziemlich konkrete Vorstellungen, wie das Team in Südkorea aussehen kann.

Sie selber waren 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin an den Spielen dabei. Was bedeutet der Anlass Ihnen?

Eine Teilnahme ist mit viel Stolz verbunden, man vertritt das eigene Land. Es gibt einen tollen Zusammenhalt mit anderen Sportlern und Mannschaften. Einmal im olympischen Dorf angekommen, herrscht eine ganz spezielle Atmosphäre. Sich an Olympischen Spielen zu messen, bringt viele Emotionen, und es ist einfach ein Fest des Sports. So ein Anlass ist etwas, das man jedem Athleten und Betreuer nur wünschen kann.