Testspiel und Trikotpräsentation
Starkes Zeichen vor dem Saisonstart: Der FC St.Gallen gewinnt das Testspiel gegen Bilbao mit 2:1

Gegen ein müde wirkendes Athletic Bilbao gelingt dem FC St.Gallen ein überzeugender Auftritt. Die Ostschweizer legen die Basis zum 2:1-Sieg in der ersten Halbzeit. Peter Zeidler sagt nach dem Spiel: «So offen war das Rennen um Stammplätze lange nicht mehr.» Was die Fans nun auch wissen: Wie die Trikots der kommenden Saison aussehen werden.

Ralf Streule
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Élie Youan, einer der besten auf dem Platz, feiert sein Tor zum 2:0.

Élie Youan, einer der besten auf dem Platz, feiert sein Tor zum 2:0.

Ralph Ribi

Die Aufbruchstimmung rund um den Kybunpark ist am Samstagnachmittag greifbar. Erstmals seit dem vergangenen Herbst sind wieder mehr als 100 Zuschauer im Stadion, Gegen- und Haupttribüne sind mit über 6000 Personen gut gefüllt. Der Hauptaufgang ist neu gestrichen, noch emotionaler, noch grün-weisser. Und im Stadion macht Präsident Matthias Hüppi schon eine Stunde vor dem Testspiel Stimmung. Lobt die «riesige Solidarität» der Fans und Sponsoren. «Mutiger, agiler Fussball» werde der Klub wieder zeigen.

Ein Neuanfang also, aber mit bewährtem Motto.

St.Gallen hat an Physis gewonnen

Der Test gegen Bilbao war so etwas wie die Hauptprobe, bevor es in einer Woche beim Super-League-Start gegen den FC Lausanne ernst gilt. Die Basken, die für zwei Wochen in der Ostschweiz weilen, belegten in der spanischen La Liga in der vergangenen Saison einen Mittelfeldplatz - auf dem Papier also ein übermächtiger Gegner, der aber erst am Anfang seiner Vorbereitungsphase steht. Bilbao ging dementsprechend gemächlich ins Spiel, liess dem FC St.Gallen Platz zur Entfaltung - was dieser dankend und auf starke Art und Weise ausnutze.

Zeidler liess vorerst Stammspieler wie Basil Stillhart auf der Bank, schickte dafür Neu-Leihspieler Ousmane Diakité, Neuzugang Michael Kempter sowie den 17-jährigen Alessio Besio aus dem eigenen Nachwuchs aufs Feld. Die Ostschweizer nutzten die Räume, überzeugten mit schnellen Kombinationen und Vorstössen - und, unter anderen dank Besio und Diakité, mit viel Physis. In dieser Beziehung haben die Ostschweizer im Vergleich zur vergangenen Saison zugelegt.

Starke erste Halbzeit der Ostschweizer

Alessio Besio trifft früh zum 1:0.

Alessio Besio trifft früh zum 1:0.

Ralph Ribi

Nach einem Corner in der 19. Minute konnte Besio einen herrenlosen Ball zum 1:0 ins Tor dreschen. Bilbao drehte in den Minuten darauf auf, kam zu Chancen. Doch die Ostschweizer überstanden diese Phase und kamen nach 36 Minuten zu einem weiteren Tor, abermals nach einem Corner. Youan, bereits zuvor einer der Auffälligsten auf dem Platz, traf nach dem Eckball von Victor Ruiz präzis per Kopf. Die darauffolgende Reaktion der Basken war nun von Erfolg gekrönt. Betim Fazliji verwertete eine scharfe Hereingabe gleich selbst ins eigene Tor.

Nach den vielen Wechseln in der Pause war das St.Galler Spiel nicht mehr gleich agil, dennoch waren die Ostschweizer weiterhin mindestens ebenbürtig. Erst in der zerfahrenen Schlussphase mussten die St.Galler einige gefährliche Angriffe Bilbaos überstehen.

Die Basken werden in einer Woche noch einmal im Kybunpark antreten, dann ist Dortmund der Gast.

Nach Bilbao folgt Uzwil

Was lässt sich aus dem Spiel für die St.Galler Saison herauslesen? Wie so oft sind Prognosen aufgrund von Testspielen schwierig - auch wenn ein 2:1 gegen Bilbao sich hören lässt. Lukas Görtler sagte nach dem Spiel: «Wir haben gegen einen auf dem Papier stärkeren Gegner verdient gewonnen.» Und:

«Das bringt uns viel Selbstvertrauen, aber noch keine Punkte.»
Captain Lukas Görtler gegen Mikel Balenziaga.

Captain Lukas Görtler gegen Mikel Balenziaga.

Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

Vieles scheint im Spiel der Ostschweizer tatsächlich bereits zu funktionierten. Youan macht im Mittelfeld einen starken Eindruck, auch Diakité dürfte eine wichtige Rolle einnehmen können. Ohnehin scheint Zeidler für das Mittelfeld mittlerweile eine klare Idee zu haben. Diakité, Görtler, Youan und Ruiz liess er viel Spielzeit. Andere Neue wie Stürmer Fabian Schubert oder Mittelfeldspieler Leonhard Münst zeigten erst Ansätze, hatten für ihren Auftritt aber lediglich 20 Minuten Zeit. Zeidler sagte am Ende, gerade auch über die Offensive:

«Das Rennen um die Stammplätze ist so offen wie lange nicht mehr.»

Rundum zufrieden sei er mit dem Spiel jedoch nicht, so Zeidler. Noch habe er zuviele Fehler gesehen. «Doch das Team hat viel Herz gezeigt, hatte eine Riesenfreude, vor Publikum aufzutreten.»

Bringt viel Physis ins defensive Mittelfeld: Ousmane Diakité (rechts).

Bringt viel Physis ins defensive Mittelfeld: Ousmane Diakité (rechts).

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

Am Sonntagmorgen werden die St.Galler einen weiteren und definitiv letzten Test vor der Saison absolvieren. Gegen den FC Uzwil, ab 10.30 Uhr auf dem Sportplatz Rüti in Henau werden wohl jene Akteure auflaufen, die in der Partie gegen Bilbao wenig oder nicht zum Einsatz kamen.

Leibchen mit Ostschweiz-Relief

Dem Testspiel gegen Bilbao am Samstagnachmittag war die Trikotpräsentation vorausgegangen. Auch mit dem neuen Trikot möchte der FC St.Gallen seine überregional-ostschweizerische Ausrichtung unterstreichen. Das Relief der Ostschweiz ist abgebildet auf Brust und Bauch: Der Walensee auf dem Bauchnabel, der Bodensee am Schlüsselbein.

Die Teamvorstellung vor dem Spiel war in vollen Zügen ausgekostet worden, sowohl von Zuschauern wie von den Akteuren: Seit neun Monaten war es nicht mehr so laut im Stadion als in jenem Moment, als Lukas Görtler den Platz betrat – er, der Publikumsliebling, der kürzlich einen Fünfjahresvertrag unterschrieben hat. Das erste Heimspiel der Super-League-Saison werden die St.Galler dann am 1. August gegen Luzern austragen. Bereits am kommenden Samstagabend starten die St.Galler in Lausanne in die Saison.

St.Gallen – Athletic Bilbao 2:1 (2:1)
Kybunpark - SR. Huwiler - 6261 Zuschauer
Tore: 19. Besio 1:0, 36. Youan 2:0. 38. Fazliji (Eigentor) 2:1.
St.Gallen: Zigi; Lüchinger (46. Cabral), Stergiou (46. Stillhart), Fazliji (72. Nuhu), Kempter (46. Traorè); Diakité (72. Jacovic); Görtler (72. Staubli), Ruiz (72. Münst), Youan (72. Schmidt); Babic (46. Schubert), Besio (46. Duah).