Testspiel
Die Schweizer Fussballerinnen verlieren 0:2 – entdecken vor der EM-Barrage aber ihre Leidenschaft neu

Zweimal 0:2 verloren gegen Frankreich und trotzdem einige gute Gefühle gesammelt. Warum die Schweiz vor den wegweisenden Spielen im April hoffen darf.

Etienne Wuillemin
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Das 1:0 für Frankreich. Wendie Renard trifft per Kopf.

Das 1:0 für Frankreich. Wendie Renard trifft per Kopf.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Manchmal verfolgen einen schlimme Erinnerungen viel länger, als man sich das eingestehen will. Anfang Dezember war es, als die Schweiz in Belgien gleich mit 0:4 unterlag. Nach einem unterirdischen Auftritt. Die direkte Qualifikation für die EM 2022 war damit verspielt. Im April steht die Ehrenrunde via Barrage an (ausser Italien blamiert sich im heutigen Nachtragsspiel gegen Israel).

Gegen Frankreich ging es am Dienstagabend im letzten Testspiel vor dieser grossen Aufgabe darum, irgendwie gute Gefühle zu sammeln, welche die Dämonen von Belgien möglichst vertreiben.

Zwar verlor die Schweiz auch den zweiten Vergleich innert vier Tagen gegen den Nachbarn, wie schon am Samstag erneut 0:2, doch der Auftritt machte Mut. Es waren Spielerinnen am Werk, die in jeder Sekunde Leidenschaft zeigten, sich in ­jeden Schuss warfen. Und so ­seriös verteidigten, dass der WM-Viertelfinalist von 2019 über weite Strecken ziemliche Mühe bekundete, sich Chancen herauszuarbeiten.

Svenja Fölmli wird unsanft gestoppt.

Svenja Fölmli wird unsanft gestoppt.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Natürlich, auch diesmal konnten die Schweizerinnen nicht verbergen, dass gleich fünf Teamstützen fehlten. Captain Lia Wälti durfte nicht einreisen, weil sie in England spielt. Genauso wie Malin Gut, Noelle Maritz und Alisha Lehmann. Dazu fehlte Ana Maria Crnogorcevic verletzt.

Vor allem in der Offensive gelang den Schweizerinnen wenig, Ramona Bachmann war zu häufig auf sich allein gestellt. Doch entscheidend in der Barrage werden andere Fragen sein. Beispielsweise, ob es gelingt, schlimme individuelle Fehler zu vermeiden. Und in dieser Hinsicht lassen die Partien dieser Woche hoffen. Kein Vergleich mit dem Drama in Belgien.

Die erst 17-jährige Riola Xhemaili überzeugte erneut, tauschte einmal keck ein paar Nettigkeiten mit Renard aus. Auch Ersatztorhüterin Seraina Friedli überzeugte mit zwei sehenswerten Paraden. Superstar Wendie Renard überwand Friedli dann doch noch zweimal. Zuerst per Kopf nach einem Freistoss (77. Minute). Dann kurz vor Schluss per Penalty.

Wegweisende Spiele für den Schweizer Frauenfussball

Nun ist zu hoffen, dass es Trainer Nils Nielsen und den Spielerinnen gelingt, das Feuer noch einmal neu zu entfachen. Schliesslich warten in der Barrage wegweisende Spiele für den Schweizer Frauenfussball. Am 5. März findet die Auslosung statt. Die EM-Qualifikation wäre enorm wichtig, um den Schwung, der derzeit im Frauenfussball herrscht, aufrecht zu erhalten.

Und dann wären auch die schlimmen Erinnerungen aus Belgien wieder vertrieben.