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TESTLAUF: Selbstversuch unseres Sportredaktors: Die Zaubermaschine von Dario Cologna im Test

Das moderne Rollband im Davoser Langlauf-Leistungszentrum hat mitgeholfen, Dario Cologna in Olympiaform zu bringen. Wie sich die virtuelle Olympiastrecke auf dem Hightech-Gerät für einen Amateur anfühlt, zeigt ein Selbstversuch.
Ralf Streule, Davos
Schiefe Rollphase, breite Armführung, schwerer Atem: Der Testläufer ist meilenweit von olympischen Träumen entfernt. (Bild: Dominic Wirth)

Schiefe Rollphase, breite Armführung, schwerer Atem: Der Testläufer ist meilenweit von olympischen Träumen entfernt. (Bild: Dominic Wirth)

Ralf Streule, Davos

Die olympischen Loipen Pyeongchangs sind mit der Rhätischen Bahn erreichbar. Haltestelle «Davos Dorf», dann führen mich einige Skatingschritte im Schnee zum nationalen Langlauf-Leistungs­zentrum. Hier, im ersten Stock, steht es: das Rollband, das für die jüngsten Höhenflüge Dario Colognas verantwortlich sein soll. Jenes Hightech-Gerät, das technische Detailarbeit ermöglicht, aber auch Intervalltrainings. Und eben: virtuelle Läufe auf der südkoreanischen Olympiastrecke. Man habe Cologna auf der Maschine quasi «neu programmiert», sagte Cheftrainer Ivan Hudac kürzlich. Ich will wissen: Was taugt die Maschine für einen Langlauf-Laien?

Ein Gstältli – und eine Matte, die auf Stürze wartet

Die Langlaufhose weicht den Shorts, die Jacke einem T-Shirt. Der Blick geht aus dem Fenster auf die verschneiten ­Davoser Berge, dann auf die Zauber­maschine. «Rodby» heisst das Monstrum, «made in Sweden». Die Skandinavier arbeiten schon längst damit, die Nor­weger nahmen ihre zwei Exemplare gar mit nach Pyeongchang. Swiss Ski liess sich die Maschine im vergangenen Jahr 140 000 Franken kosten. Fast bedrohlich wirkt das Ganze: Die Rollfläche misst rund drei auf vier Meter, von der Decke baumelt ein Gstältli an einem Seil. Und hinter dem Gerät wartet eine dicke Matte auf allfällige Fehltritte.

Christian Flury, Leiter des Zentrums, mit langjähriger Erfahrung als Langlauftrainer und Teammanager, relativiert die Gefahren der Maschine. Und gleich auch die Vorstellung, dass sie mit den Schweizer Läufern Wunder vollbringt. «Das Rollband ist ein wichtiger Mosaikstein in Sachen Formaufbau und Technik­training.» Es sei aber eben nur ein Teil eines Zusammenspiels, zu dem neben Kraft- vor allem auch Schneetraining gehöre. «Wer es nicht in sich drin hat, den wird auch das Rollband nicht zum Olympiasieger machen», sagt er lächelnd, während ich die Rollskis anschnalle.

Für die kleinen Stolperer gebe ich den Ski die Schuld

Dann startet das monotone Säuseln des Rollbands. Meine ersten Schritte sind wacklig, ein lautes «Klack» bei jedem Absetzen zeugt nicht von eleganter ­Technik. Auf den Ski im Schnee lässt sich’s angenehmer gleiten. «Gewöhnungssache», sagt Flury. Schwer fällt es, die vielen Informationen gleichzeitig zu verarbeiten. Ein Bildschirm zeigt technische Daten wie Tempo oder Steilheit, ein ande­rer die per Kamera eingefangene Seitenansicht. Ein Spiegel gibt – wie im Ballettsaal – Rückmeldung über die eigenen Bewegungen in der Frontansicht. Ich hatte mir dieses Bild etwas geschmeidiger vorgestellt. Keine Frage: Bei dieser Ansicht bleibt kein technischer Makel verborgen, ständig möchte ich korrigieren – und komme darob ins Stolpern. Dafür gebe ich zunächst den ungewohnten Rollski die Schuld, später gebe ich schnaufend zu: Das Tempo ist zu hoch.

Es folgt die ersehnte Darbietung: das Video von der Olympiastrecke in Pyeongchang, aufgenommen im vergangenen Jahr von einem Materialverantwortlichen, der damals für Tests in Südkorea weilte. Flury passt die Neigung des Rollbands der Topografie im Video an und moderiert gleichzeitig: «200 Meter nach dem Start kommt ein Anstieg. Hier eine Abfahrt. Hier die Verpflegung.» Über 3,7 Kilometer geht das so, es ist eine Fahrt über einen Teil der Schlaufen, die die Golfanlage des Alpinia-Resorts im Landkreis Pyeongchang kreuz und quer durchziehen. Hier also werden ab kommendem Wochenende Laurien van der Graaff, Dario Cologna und Co. ihre Olympiarennen bestreiten. Während sich das Rollband hebt und senkt, kommt auf dem Bildschirm die Skisprung­schanze in Sicht. Und das Stadion, das 7500 Personen fasst. Und hin und wieder Langläufer, die ich – beziehungsweise der Kameramann – locker überhole.

Flury macht bei mir einen guten Kniewinkel aus, aber eine unsichere Links-rechts-Verlagerung, im Stock­abstoss eine Verdrehung des Ober­körpers, eine überhastete Rollphase. Ernüchternd ist auch, was Flury über das Video der Olympiastrecke sagt. Es sei für Profis nur mässig interessant. Entscheidender seien die Leistungsdaten. Flury formuliert es so: «Der Lunge ist es egal, wie es auf der Strecke aussieht.» Relevant seien folgende Erkenntnisse: Wie lange kann der Athlet in welchem Pulsbereich und bei welcher Steilheit laufen? Welche Intervalle erträgt sein Körper? Wie sehen die Fortschritte aus, wie die teaminternen Vergleiche? Training, exakt geplant.

Tatsächlich hat auch Cologna vom Video «nicht so viel Gebrauch gemacht», wie der Münstertaler kürzlich sagte. Aber immerhin: Es sei ein gutes Gefühl, wenn man die Strecke vor der ersten ­Reise nach Pyeongchang schon gesehen habe. Unterstützend für die vorgängige Orientierung hängt ein grosses Plakat an der Wand, welches das olympische Streckengewirr zeigt.

Roger Federer im Rollband-Fernsehen

Zum Abschluss sucht Flury in einer langen Liste von vorprogrammierten Trainings-Laufsequenzen eine, die mich nicht überfordern soll. Die olympische Sprintstrecke, 70 Prozent des Profi-Tempos? «Keine Chance», sagt der Trainer. Er mutet mir immerhin ein langsames Warm-up zu. Doch bald gebe ich auf, mein Atem wird schwer. Wie lange war ich auf dem Band? «Wötsch go dusche?» Flury scheint mir die Frage fast mitleidig zu stellen. Aber, ja: Der Schweiss rinnt.

Weit entspannter sieht der nächste Läufer aus: Profiathlet Jonas Baumann. Er lässt sich bei seinem lockeren Ausdauertraining etwas anderes auf den Bildschirm zaubern: Die Liveübertragung von Roger Federers Halbfinal in Melbourne (ja, der Test ist eineinhalb Wochen her). Aha! So also wird der Bildschirm ausnahmsweise auch genutzt. Sollte Baumann seine Einheit nach der Dauer von Federers Spiel gerichtet haben, gab es für ihn ein kurzes Training.

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