Tessiner Geschenke im Regenspiel

FUSSBALL. Der FC St. Gallen erfüllt seine Pflicht. Im Cup-Sechzehntelfinal gewinnen die Ostschweizer im Dauerregen gegen den FC Lugano mit 3:1. Die Tessiner helfen in der ersten Halbzeit mit, dass die St. Galler nie ins Zittern kommen.

Ralf Streule
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Von wegen Sonnenstube. Am Monte Brè hängen die Wolken, auf das triste Leichtathletikrund prasselt der Regen, nur die fünf Cheerleader des FC Lugano lächeln. Es ist ein ungemütlicher Sonntagnachmittag, auch für die rund 300 St. Galler Anhänger, die ihren Club ins Tessin zum Cupspiel gegen Lugano begleitet haben. Sie werden 90 Minuten lang geduscht. Und auch St. Gallens Trainer Jeff Saibene lässt sich gelegentlich aufs Sakko regnen. Vor allem zu Beginn der Partie steht er oft vor der gedeckten Bank an der Seitenlinie – denn die Luganesi kommen in den ersten Minuten auf dem tiefen Boden gleich zu mehreren Möglichkeiten. Am Ende aber kann Saibene beruhigt konstatieren: «Lugano hatte sein Pulver schnell verschossen.»

Aegerter trifft ins falsche Tor

Doch auch wenn der FC St. Gallen im Cornaredo in der Folge die bessere Mannschaft war: Dass er schon nach einer halben Stunde mit 3:0 führte, hatte er Geschenken der Tessiner zu verdanken. Das 1:0 in der siebten Minute erzielten die Ostschweizer zwar noch ohne gegnerische Hilfe: Matias Vitkieviez traf nach einem Eckball von Roberto Rodriguez per Kopf. Zwanzig Minuten später half der Luganesi Silvan Aegerter mit einem spektakulären Kopfball aus zehn Metern – ins eigene Tor. Und nur eine Minute später profitierte Goran Karanovic von einem Fehlpass: 3:0. Das Resultat nahm dem Spiel die Spannung, hektisch wurde es nur noch kurz vor der Pause. Die Luganesi schienen frustriert von den schnell zerstörten Erwartungen, die Partie wurde kurzzeitig gehässig, die Fouls mehrten sich. Ein Leidtragender der ruppigeren Gangart wurde Philippe Montandon. Der Innenverteidiger verletzte sich in einem Zweikampf leicht am rechten Fussgelenk. Für ihn kam – zur Freude des Tessiner Publikums – Daniele Russo ins Spiel, der in der vergangenen Saison noch für die Luganesi im Einsatz gewesen war.

Die Ostschweizer bauten in der zweiten Halbzeit ab, der Sieg blieb aber ungefährdet, der FC Lugano kam nur noch zum Ehrentreffer durch Armando Sadiku. Dennoch ärgerte sich Karanovic nach dem Spiel über die schwächere zweite Hälfte: «In der Meisterschaft und der Europa League würde das bestraft.»

Spieler kehren zurück ins Team

«Jede Mannschaft hat mal eine solche Halbzeit zugute», sagte hingegen Saibene am Ende. Dass es nach der Nationalmannschaftspause schwierig sei, den Tritt wieder zu finden, hätten die Grasshoppers und die Young Boys in ihren Cup-Spielen gezeigt. Hauptsache für Saibene ist wohl: Der FC St. Gallen hat nicht allzu viel Kraft auf dem tiefen Cornaredo-Rasen liegen gelassen. Kraft, die er am kommenden Donnerstag im ersten Gruppenspiel der Europa League gegen Kuban Krasnodar brauchen kann.

Dann wird im Mittelfeld Schlüsselspieler Stéphane Nater wieder dabei sein, der wegen Adduktorenproblemen im Cupspiel geschont wurde. Seine Position hat im Tessin Aussenverteidiger Mario Mutsch übernommen – ohne Fehl und Tadel. Neben Nater wird am Donnerstag auch Alhassane Keita wieder im Kader stehen. Und auch für Philippe Montandon gab's am Sonntagabend Entwarnung: Er dürfte bis zum Spiel gegen die Russen wieder fit sein.