US Open

Warum Zverev und Mannarino drei Stunden warten mussten

Der Deutsche Alexander Zverev (ATP 5) zog mit einem Viersatzsieg über Adrian Mannarino am US Open in die Achtelfinals ein. Die Partie begann wegen der Gesundheitsbehörden mit drei Stunden Verspätung.

Drucken
Teilen
Adrian Mannarino war auf Goodwill der Behörden angewiesen, weil er vor einer Woche engen Kontakt mit dem positiv-getesteten Benoit Paire gehabt hatte

Adrian Mannarino war auf Goodwill der Behörden angewiesen, weil er vor einer Woche engen Kontakt mit dem positiv-getesteten Benoit Paire gehabt hatte

KEYSTONE/AP/Frank Franklin II

Derart lange wurde darüber debattiert, ob Mannarino überhaupt antreten darf. Am Anfang hiess es, die Chancen stünden schlecht. "Letztlich bin ich zufrieden, dass sie mich noch spielen liessen", sagte Adrian Mannarino.

Der Franzose gehörte zu jenen sieben Spielern, die am letzten Sonntag ein striktes Zusatzprotokoll unterzeichneten, um im US Open verbleiben zu können, nachdem sie mit dem positiv getesteten Benoit Paire engen Kontakt gehabt hatten. Sie mussten sich täglich anstatt alle vier Tage aufs Coronavirus testen lassen. Sie durften ausser fürs Training und für die Matches das Hotelzimmer auf Long Island nicht mehr verlassen.

Uneinige Behörden

Seit der Unterzeichnung des Zusatzprotokolls hatte Mannarino vor der Partie gegen Zverev zwei Runden überstanden. Am Freitagmittag informierte die ATP Mannarino und Zverev aber darüber, dass ihr Drittrundenspiel womöglich nicht stattfinden kann. Denn die Gesundheitsbehörde des US-Bundesstaats New York genehmigte im Gegensatz zu der Behörde der Stadt New York mit Verspätung das Zusatzprotokoll nicht, dank welchem die Gruppe um Mannarino im Turnier hatte verbleiben können.

"Die Behörden des Staates New York vertraten die Ansicht, dass ich engen Kontakt mit einem positiven Fall gehabt hatte und deshalb in Quarantäne sein muss und nicht auf den Tennisplatz", erklärte Mannarino hinterher die Sachlage. Das US Open bestätigte nur, dass es Verhandlungen mit der Gesundheitsbehörde gegeben hatte.

Zwei Stunden nach dem geplanten Beginn erhielten die Akteure das Okay der Behörden; eine weitere Stunde später ging es los. Die Behörden beeinflussten den Ausgang der Partie nicht: "Ich liess mich nicht aus der Ruhe bringen", sagte Mannarino, "mein Coach beschäftigte sich für mich mit der Situation. Als wir spielen durften, traf ich auf einen Gegner, der stärker war als ich." Der Deutsche Alexander Zverev, ein Mitfavorit am US Open, stimmte dem verspäteten Spielbeginn zu. Er wäre nicht dazu verpflichtet gewesen.

Bis 11.9. in Quarantäne

Fünf Spieler aus Frankreich (Mannarino, Richard Gasquet, Grégoire Barrère, Edouard Roger-Vasselin, Kristina Mladenovic) und zwei Belgierinnen (Kirsten Flipkens und Ysaline Bonaventure) mussten vor einer Woche nach dem "Fall Benoit Paire" das Zusatzprotokoll unterzeichnen, um im Turnier zu bleiben. Mittlerweile sind alle diese Spieler aus dem Turnier ausgeschieden mit Ausnahme von Mladenovic, die am Samstag mit der Ungarin Timea Babos zu einem Achtelfinal im Frauen-Doppel antreten soll.

All diese Akteure müssen noch bis am 11. September in New York in Quarantäne bleiben. Der Plan, all diese Spieler mit einem von der französischen Regierung finanzierten Flieger nach Europa auszufliegen, wurde von den New Yorker Behörden nicht genehmigt. Den Spielern wurde ursprünglich zugesichert, dass sie in New York auch nach dem Ausscheiden auf Sand weiter trainieren dürfen, um sich auf das French Open (ab 27. September) vorbereiten zu können. Seit Freitag dürfen die Ausgeschiedenen ihr Hotelzimmer aber nicht mehr verlassen und auch nicht mehr trainieren.

Kristina Mladenovic bezeichnete am Donnerstag das US Open als "Alptraum" für sie, weil "wir wie Kriminelle und Häftlinge behandelt werden". So weit ging Mannarino nach dem Ausscheiden gegen Zverev nicht. "Als Alptraum bezeichne ich die Erfahrung nicht. Ich entschied mich, an diesem speziellen Turnier teilzunehmen. Und die Organisatoren unternahmen alles und gaben mir die Möglichkeit, auf dem Platz alles zu geben. Dafür bedanke ich mich bei ihnen."