TENNIS: Märchen ohne Happy End

Das Swiss Open in Gstaad endet bei Traumwetter – aber nicht mit der grossen Sensation. Der italienische Routinier Fabio Fognini stoppt im Final den Lauf des deutschen Qualifikanten Yannick Hanfmann.

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Fabio Fognini (links) hat im Final gegen den jungen Yannick Hanfmann die grösseren Kraftreserven. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Fabio Fognini (links) hat im Final gegen den jungen Yannick Hanfmann die grösseren Kraftreserven. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Am Ende entschieden die grössere Klasse, die Erfahrung und die grösseren Kraftreserven zu Gunsten von Fabio Fognini. Yannick Hanfmann wirkte im Final nicht mehr so schnell und wach wie in den Runden zuvor. Zwar erreichte auch Fognini den Final mit lauter Dreisatzsiegen, der Italiener profitierte aber im Gegensatz zu Hanfmann in den Sechzehntelfinals von einem Freilos und musste sich nicht vor einer Woche erst noch fürs Hauptfeld qualifizieren. Fognini stand inklusive dem 93-minütigen Final in Gstaad sieben Stunden und zehn Minuten auf dem Platz. Hanfmann, der innerhalb von acht Tagen sieben Partien bestritt, brachte es sogar auf elf Stunden und elf Minuten.

Fognini triumphierte als erster Italiener seit Nicola Pietrangeli am Swiss Open. Pietrangeli fügte vor 54 Jahren im Final dem Australier Roy Emerson mit 7:5, 6:2, 6:2 eine der ganz wenigen Niederlagen in Gstaad zu. Nach Emerson, dem fünfmaligen Turniersieger im Saanenland, ist seit 2000 der Centre Court benannt.Fogninis Teilnahme in Gstaad entsprang mehr dem Zufall. Erst eine Woche vor Turnierbeginn akzeptierte er aus einer Laune heraus eine Wildcard. «Ich wollte eigentlich gar nicht nach Gstaad», so Fognini, «denn ich traute mir nicht zu, in der Höhenlage gut zu spielen. In der ersten Runde (als er beinahe gegen Norbert Gombos verlor) sah ich mich in meiner Meinung bestätigt, weil ich in diesem Spiel unglaublich schlecht spielte. Und vier Tage später gewinne ich das Turnier – das ist für mich eine schier unglaubliche Geschichte.» Der Italiener, der mit Flavia Pennetta, der US Open Siegerin 2015 verheiratet ist, widmete den Turniersieg dem gemeinsamen Sohn, welcher vor zwei Monaten zur Welt kam.

Kein Happy End in Hanfmanns Märchen

Finalverlierer Hanfmann steckte seine Niederlage schnell und problemlos weg. Er hatte nie damit gerechnet, an seinem erst dritten ATP-Turnier schon einen ersten Final zu erreichen. Die Eltern und viele Freunde reisten eigens für das Highlight aus Karlsruhe an. Am Ende fehlte in Hanfmanns Märchen aber das Happy End.

Die Organisatoren zogen nach zwei Tenniswochen in Gstaad eine sehr positive Bilanz. «Unser ‹Wimbledon der Alpen› war besser besetzt als das German Open in Hamburg, obwohl dort viermal mehr Preisgeld ausgeschüttet wird», stellte Turnierdirektor Jeff Collet fest. Mit dem Publikumszuspruch gaben sich die Organisatoren ebenfalls zufrieden, obwohl die Fans erst mit Beginn des Männerturniers zahlreicher aufmarschierten. Im Vergleich zum Vorjahr rechnen die Organisatoren bei den Zuschauern mit leichten Mehreinnahmen. Enttäuschend schnitten während der Gstaader Wochen die Schweizer ab. Bei den Frauen feierte nur Patty Schnyder einen Sieg, bezeichnenderweise gegen eine andere Schweizer Spielerin. Auch bei den Männern gab es nur einen Schweizer Erfolg durch Henri Laaksonen zu beklatschen. (sda)