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TENNIS: Holprige Rückkehr

Nach zehn Wochen Wettkampfpause bezieht Roger Federer eine überraschende Niederlage. Am Rasenturnier in Stuttgart unterliegt der Baselbieter dem Deutschen Tommy Haas. Federer verliert gegen die Weltnummer 302 mit 6:2, 6:7 (8:10), 4:6.
Jörg Allmeroth
Roger Federer verpasst seinen 1100. Sieg auf der Tour. (Bild: Roland Wittek/EPA)

Roger Federer verpasst seinen 1100. Sieg auf der Tour. (Bild: Roland Wittek/EPA)

Jörg Allmeroth

Es sah nach einem netten Tennisnachmittag aus für Roger Federer in Stuttgart. Nach einer leichten Auftaktübung, nach dem perfekten Wiedereinstieg in das Tourgeschehen. 22 Minuten lang zeigte der Baselbieter makelloses Tennis, er gewann dann auch den ersten Satz gegen seinen Freund Tommy Haas 6:2. Aber danach war es vorbei mit dem entspannten Auftritt auf dem Centre Court. Erst verlor Federer die Kontrolle über die Partie, dann die meisten der sogenannten Big Points, und schliesslich verliess er sogar als 6:2, 6:7 (8:10), 4:6-Verlierer den Platz – ebenso verdient wie sensationell. Triumphiert hatte nicht der beste Rasenspieler, sondern – jedenfalls schwarz auf weiss – die Nummer 302 der Weltrangliste. Der unverwüstliche, ewige Tommy Haas, der sich bei seiner Abschiedstournee den besten Auftritt und süssesten Sieg ausgerechnet gegen Federer aufgehoben hatte.

Haas: «Ich bin jetzt gerade ein bisschen geschockt»

«Um ehrlich zu sein», sagte Haas nach dem verwandelten Matchball, «ich kann es selbst nicht fassen. Ich bin jetzt gerade ein bisschen geschockt.» Kurios, aber wahr: Der letzte Haas-Sieg gegen einen Top-zehn-Spieler datiert ziemlich genau fünf Jahre zurück, und sein Gegner war auch damals Weggefährte Federer, im Final von Halle. «Es ist blöd gelaufen. Ich konnte mich am Ende nicht mehr zurückkämpfen, auch nicht richtig aufputschen gegen Tommy», bekannte Federer.

Es war ein rekordverdächtiger Moment auf allen Ebenen und an allen Fronten, dieser Haas-Coup gegen den acht­fachen Wimbledon-Champion, gegen den Mann, der die ersten drei Monate dieses Jahres von Traumsieg zu Traumsieg geeilt war – erst in Melbourne, dann auch noch in Indian Wells und Miami. Lange, lange war es her, dass Federer ein derartiges Missgeschick passiert war. Die letzte Auftaktniederlage auf Rasen ­hatte er im Jahr 2002 gegen den Kroaten Marin Cilic kassiert. Gegen einen ähnlich niedrig eingestuften Spieler wie den Dauerpatienten und Dauer-Comebacker Haas hatte er sogar nur 1999 verloren, damals handelte es sich auch um einen Deutschen, den Rheinländer Björn Phau, der auf Platz 407 der Tennis-Charts eingestuft war. «Ich war mir immer des Risikos bewusst, dass ich gegen Tommy verlieren könnte», sagte Federer nach dem Spiel, «er war zum Schluss immer der bessere Mann.»

Federer tritt nächste Woche in Halle an

Alter schützt vor Klasse nicht. Nicht beim 35-jährigen Federer, und auch nicht beim 39-jährigen Haas, der in den Sätzen zwei und drei das Drehbuch komplett umschrieb – fortan begegneten sich die beiden Freunde auf Augen­höhe, in einer Begegnung, die an Klasse und Spannung gewann. «Ich habe den Ball richtig gut gespürt, es lief besser und besser», sagte Haas, «es ist schon ein sehr spezieller Tag für mich. Dieser Sieg gegen Roger, da weisst du, dass sich die vielen Stunden im Kraftraum, auf dem Trainingsplatz gelohnt haben.»

Und Federer? Noch ist es zu früh, um von einer Fehlkalkulation zu sprechen – mit der Entscheidung, fast zweieinhalb Monate keinen Schläger mehr an­zurühren. Auch zu Jahresbeginn hatte Federer zuerst holprige Momente beim Hopman-Cup, bevor er in Australien siegte. Sein Weg führt nun nächste Woche nach Halle, er wird daraufsetzen, dass er mehr Spiele gewinnen, mehr Matchpraxis erlangen kann. Und dann für Wimbledon gerüstet ist. Die grösste Schwäche des Maestros in Stuttgart, gegen einen bärenstarken Haas, es waren sicher die vielen ausgelassenen Chancen im zweiten Satz.

Federer vergab einen Breakvorsprung, er vergab auch viele weitere Breakbälle, und im ­Tiebreak konnte er dann einen Matchball nicht nutzen. Gewöhnlich ist das Federers herausragende Qualität: Bei den Spielen auf Rasen die wenigen wirklich wichtigen Ballwechsel für sich zu entscheiden, dem Gegner den Nerv rauben, selbst Sicherheit und Zuversicht zu sammeln.

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