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TENNIS: Der Traum geht weiter

Mit der Titelverteidigung an den Australian Open knüpft Roger Federer an sein Traumjahr 2017 an. Nach dem 20. Grand-Slam-Titel wird der nächste Rekord greifbar – die älteste Nummer eins der Geschichte.
Christian Finkbeiner (sda), Melbourne
Roger Federer mit der Norman-Brookes-Trophäe vor dem Government House in Melbourne. (Bild: AP)

Roger Federer mit der Norman-Brookes-Trophäe vor dem Government House in Melbourne. (Bild: AP)

Christian Finkbeiner (SDA), Melbourne

Auch eine Nacht nach seinem Triumph konnte Roger Federer seinen 20. Sieg an einem Grand-Slam-Turnier noch nicht richtig einordnen. «Es fühlt sich noch immer surreal an. Die Zahl 20 ist sehr speziell. Niemals hätte ich gedacht, diese jemals erreichen zu können», sagte der Baselbieter, während er gestern mit der Norman-Brookes-Trophäe vor dem Government House in Melbourne noch einmal posierte. «Ich werde diesmal wohl etwas mehr Zeit brauchen als sonst, um das Ganze zu realisieren und zu verarbeiten.»

Im Gegensatz zu seinem Sieg vor einem Jahr, als er bei seinem Comeback als Aussenseiter auf den Turniersieg angetreten war und wenig zu verlieren hatte, präsentierte sich die Ausgangslage vor dem diesjährigen Turnier komplett anders. Schon früh stellte er unmissverständlich klar, dass für ihn in Melbourne nur etwas zählt: die erfolgreiche Titelverteidigung. Federer hält allerdings nichts davon, seine Major-Siege zu vergleichen. «Alle Titel waren sehr speziell und unterscheiden sich voneinander.» Der Weg in den Final, der Matchball, die Gefühle unmittelbar danach, die Siegerehrung – jeder Erfolg sei einzigartig gewesen. «Aber alle kamen aufgrund von harter Arbeit, Hingabe und Leidenschaft zu Stande.»

Der richtige Umgang mit dem Körper

So sehr Federer auf dem Platz die Leichtigkeit des Seins symbolisiert, so sehr wird abseits der grossen Arenen und des Scheinwerferlichts «der Arbeiter Federer unterschätzt». Die Aussage machte sein langjähriger Konditionstrainer Pierre Paganini vor dem Turnier. Die Emotionen unmittelbar nach dem Sieg zeigten, was für eine Last von Federers Schultern fiel. Seine Motivation, sein Ehrgeiz, sein Siegeswillen und die Leidenschaft für den Wettkampf sind auch nach fast 1400 Partien auf der Tour sowie 96 Turniersiegen ungebrochen.

Wohl auch deshalb wird ­Federer zugetraut, den Allzeit-Grand-Slam-Rekord der in den Sechziger- und Siebzigerjahren aktiven Margaret Court mit ihren 24 Siegen zu brechen. Er glaube nicht daran, diese Marke zu erreichen, sagte Federer, nachdem er von einer britischen Journalistin darauf angesprochen worden war. «Sie ist zu weit weg.» Doch so unrealistisch die Marke der Australierin erscheinen mag, etwas hat Federer während seiner Karriere immer und immer wieder getan: sportliche Grenzen verschoben.

Den Fantasien und Träumereien der Anhänger und Journalisten gibt sich Federer nicht hin. «Ich wäre auch sehr glücklich, wenn ich bei 20 stehen bleiben würde.» Er kennt seinen Körper, er weiss, dass der Grad, auf dem er sich bewegt, schmal ist. «Im Gegensatz zu den US Open konnte ich hier unbeschwert aufspielen», sagte er am Tag nach dem Triumph. Mit den Rückenproblemen, die sich im August am Turnier in Montreal akzentuiert hatten, schlug er sich bis Anfang Oktober in Schanghai herum. Aber während Federer in Melbourne wieder mit einer Frische und Inspiration aufgetreten ist, die seinesgleichen sucht, haben seine langjährigen und jüngeren Rivalen Rafael Nadal, Novak Djokovic, Andy Murray und Stan Wawrinka auch 2018 mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Ein paar Tage Ruhe in den Bergen

Auch deswegen wird Federer nichts forcieren, denn die Gesundheit und die Frische sind die Basis seiner Erfolge der vergangenen zwölf Monate. Der nächste fix geplante Einsatz ist das Masters-1000-Turnier in Indian Wells im März, ein paar Tage früher wird er im kalifornischen San Jose den nächsten «Match for Africa» gegen Jack Sock absolvieren. Ob er bereits Ende Februar am Turnier in Dubai auf die Tour zurückkehren und Jagd auf die Nummer eins im Ranking machen wird, will er in den nächsten Tagen entscheiden. Vorerst gönnt sich Federer aber eine Auszeit.

Zu Hause in den Bündner Bergen will er die Erlebnisse der vergangenen Wochen verarbeiten und sich in aller Ruhe erholen. Und sollte Nadal aufgrund seiner in Melbourne erlittenen Verletzung in Acapulco noch nicht antreten können, würde Federer Ende Februar mit 36 Jahren und sechs Monaten Andre Agassi als älteste Nummer eins des ATP-Rankings ablösen. Spätestens nach Melbourne glauben viele, dass der erfolgreichste Spieler der Geschichte 2018 auch diesen Rekord an sich reissen wird.

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