Tennis
Dank Spezialbewilligung: Novak Djokovic spielt ungeimpft bei den Australian Open

Titelverteidiger Novak Djokovic spielt bei den Australian Open, obwohl er nach wie vor nicht gegen das Coronavirus geimpft ist. Der Serbe bestätigt, dass er für die Einreise eine Spezialbewilligung erhalten hat.

Simon Häring
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Novak Djokovic kann seinen Titel in Melbourne verteidigen.

Novak Djokovic kann seinen Titel in Melbourne verteidigen.

Dave Hunt / EPA

Das Rätselraten hat ein Ende: Novak Djokovic bestreitet die Australian Open. Das gab der 34-jährige Serbe auf den sozialen Medien bekannt. Er habe für die Reise nach Melbourne eine Spezialbewilligung erhalten. Das heisst, dass der 20-fache Grand-Slam-Sieger ungeimpft ist. Derzeit kann nur nach Australien reisen, wer gegen das Coronavirus geimpft ist. Es sei denn, er erhält eine medizinisch begründete Ausnahmegenehmigung.

Der australische Tennisverband bestätigt die Ausnahme für die Nummer 1 der Weltrangliste in einer Stellungnahme. Djokovics Gesuch sei von zwei unabhängigen Expertengremien behandelt und gutgeheissen worden.

Djokovic hatte sich zu Beginn der Pandemie als Impfkritiker positioniert, als er sagte: «Ich bin dagegen. Denn ich möchte nicht, dass mich jemand zwingt, einen Impfstoff einzunehmen, um zu reisen. Ich entscheide, was für meinen Körper am besten ist.» Im Sommer 2020 hatte der Serbe die Erkrankung durchgemacht, nachdem er sich bei der von ihm initiierten Adria-Tour, einer Turnierserie auf dem Balkan, angesteckt hatte.

Djokovic machte Erkrankung 2020 durch

Danach erklärt Djokovic seinen Impfstatus zur Privatsache. Er werde sich erst wieder zum Thema äussern, wenn entschieden sei, unter welchen Bedingungen die Australian Open in Melbourne über die Bühne gehen werden, die er neun Mal gewonnen hat, und wo er auch Titelverteidiger ist. Mit seinem Bekenntnis, dank einer Spezialbewilligung in Australien zu spielen, offenbart Djokovic nun doch seinen Impfstatus. Er hätte auch die Möglichkeit gehabt, diesen geheim zu halten. Ob er mit Spezialbewilligung oder geimpft antritt, ist nicht von öffentlichem Interesse.

Gegenüber serbischen Medien sagte Djokovic im Herbst «Es gibt immer weniger freien Journalismus und Informationen. Es geht nur noch darum, Propaganda zu verbreiten, die einer Elite dient.» Djokovic bedient sich damit eines Vokabulars, das auch Verschwörungstheoretiker verwenden, die glauben, die Medien würden durch den Staat gesteuert.

Selber bekannte er, kaum Nachrichten zu konsumieren. «Ich habe seit Jahren keine Zeitung gelesen, oder Fernsehnachrichten geschaut, auch nicht online», sagte Djokovic. «Doch durch meine Präsenz in den sozialen Medien, sehe ich immer wieder, was berichtet wird.» Über Facebook, Instagram und Twitter folgen Djokovic knapp 30 Millionen Menschen.

Ob sich Djokovic impfen lässt oder nicht, ist selbstverständlich ihm überlassen. Die Frage danach wird aber dadurch legitimiert, dass der Status einen Einfluss darauf hat, ob er bei den Australian Open antreten kann. Jüngst sagte er dazu: «Egal, ob ich ‹ja›, ‹nein›, ‹vielleicht›, ‹weiss nicht› oder ‹ich überlege› antworte – sie werden die Antwort umdrehen», und: «Das ist Privatsache und gemäss Gesetz könnte ich jemanden dafür belangen, der mich danach fragt. Diese Frage ist unangemessen.»

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