TENNIS: Auf Fortschritte fokussiert

Chiara Grimm verfolgt konsequent ihren eigenen Weg. Die beste Thurgauerin der Weltrangliste misst sich gerne mit Besseren und bestreitet in diesem Jahr auf Ratschlag ihres Arztes ausschliesslich Sandturniere.

Marie-Theres Brühwiler
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Chiara Grimm spielt meist gegen stärkere Gegnerinnen, um sich zu verbessern. (Bild: Mario Gaccioli)

Chiara Grimm spielt meist gegen stärkere Gegnerinnen, um sich zu verbessern. (Bild: Mario Gaccioli)

Marie-Theres Brühwiler

sport@thurgauerzeitung.ch

«Auch wenn die Niederlage bitter und äusserst knapp war, habe ich hier wieder sehr viel gelernt und wertvolle Erfahrung gesammelt», sagt Chiara Grimm nach ihrem Ausscheiden am Qualifikationsturnier für die Ladies Championship Gstaad. Solche Aus­sagen sind bei der Tägerwilerin derzeit keine Seltenheit. Denn anders als Mitkonkurrentinnen in einer ähnlichen Situation setzt Grimm nicht auf die unterste Turnierstufe auf der Frauentour. Viel lieber konzentriert sie sich auf die nächsthöheren 25000-Dollar-ITF-Tournaments oder nimmt die Gelegenheit wahr, in Qualifikationsturnieren für WTA-Turniere in Tuchfühlung mit deutlich besser Rangierten zu gehen.

Auf hohem Niveau verbessern

Im WTA-Ranking ist die 20-Jährige im Aufstieg und mit Position 539 aktuell die mit Abstand best- klassierte Thurgauerin. «Wichtiger als mein Ranking ist im Moment aber, dass ich mich konstant mit sehr guten Spielerinnen messen und durch diese Duelle mein eigenes Niveau verbessern kann.» So wie etwa vor kurzem, als sie in Essen nach drei überstandenen Qualifikationsrunden in der zweiten Runde des Hauptturniers auf Patty Schnyder traf und gegen die frühere Top-Ten-Spielerin über drei Sätze eine sehr gute Partie zeigte und phasenweise das Spielgeschehen sogar diktieren konnte. «Obwohl sich letztlich die Routine durchgesetzt hat, konnte ich sehr viel mit­nehmen», weiss Chiara Grimm. Auch habe es ihrem Selbstvertrauen natürlich gutgetan, von einer derart erfahrenen Spielerin so viel Lob für ihr Spiel, ihre Taktik und ihren Kampfgeist zu erhalten. Selbstbewusstsein kann die mehrfache Junioren-Schweizer-Meisterin nach ihrer langen verletzungsbedingten Wettkampfpause besser denn je gebrauchen. «Ich habe zwei Jahre verloren», sinniert sie. Den Rat ihres Arztes, der ihr empfahl, nach zwei Knieoperationen vorläufig nicht mehr auf den bis anhin von ihr favorisierten schnellen Hartbelägen, sondern während eines Jahres ausschliesslich auf Sand zu spielen, hat die Thurgauerin befolgt. «Jetzt bin ich seit einigen Monaten schmerzfrei.»

Da Tennis eine sehr komplexe Sportart ist, muss man in vielen Bereichen arbeiten, um die ­Spielstärke unter dem Strich zu ­verbessern», hält der erfahrene Wettkampftrainer Alexander Hizli fest. Chiara Grimm habe in allen Bereichen die nötigen weiteren Schritte gemacht. «Sie liegt im Karriereplan», ist der Konstanzer überzeugt. Alexander ­Hizli, in dessen Talentschmiede schon grosse Namen herangewachsen sind, ist voll des Lobes. Chiara Grimm habe nicht nur sehr viel Potenzial, sondern auch noch genug Defizite, welche sie weiterentwickeln könne. «Ich glaube hundertprozentig an sie. Auch mit späteren Spitzenspielerinnen habe ich über mehrere Jahre an der Entwicklung ­gearbeitet», betont Hizli. Chiara Grimm weiss, dass Tennis ein Fehlersport ist. «Fehler machen alle, und selbst die Besten sind nicht davor gefeit.» Dies zu akzeptieren sei aber nicht immer einfach. Die in diesem Sport so wichtige Lockerheit fehle ihr zuweilen noch. Sie habe sich deshalb vorgenommen, ganz einfach jeden Tag besser zu werden und sich nicht allzu fest an Zahlen zu orientieren. «Ich gebe jeden Tag alles und werde hart weiterarbeiten.»

Schule unterbrochen

Derweil frühere gleichaltrige Weggefährtinnen wie etwa die Lettin Jelena Ostapenko oder die Kroatin Ana Konjuh bereits die Nummern 13 und 29 der Welt sind, geht Chiara Grimm ihren Weg abseits vom Scheinwerferlicht und meist in der Anonymität von WTA-Unterbauturnieren. «Es ist logisch, dass da manchmal auch etwas Wehmut aufkommt. Aber meine Motivation ist nach wie vor sehr gross.» Die Doppelbelastung zwischen Schule und Spitzensport ist Chiara Grimm seit letztem Sommer los. Die PMS laufe nicht davon. «Im Spitzensport muss ich aber jetzt Akzente setzen», sagt die Thurgauerin, die in den Diensten des TC Cologny demnächst auch im NLA-Interclub wieder punkten will.