Tell muss Thurgauer gewesen sein

An der Armbrust-Weltmeisterschaft im russischen Ulan-Ude gewinnt Joel Brüschweiler dreimal Gold – und das trotz teilweise schwieriger Windverhältnisse. Auch Nicole Bösch wird überraschend U23-Weltmeisterin.

Urs Huwyler
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Neuling Nicole Bösch wurde stehend überraschend 30-m-Weltmeisterin. (Bild: Urs Huwyler)

Neuling Nicole Bösch wurde stehend überraschend 30-m-Weltmeisterin. (Bild: Urs Huwyler)

ARMBRUSTSCHIESSEN. Die Frage wäre etwas für «Wer wird Millionär»: Welches war die erfolgreichste Nation an der Armbrust-WM in Südostsibirien? A) Schweiz, B) Russland, C) Thurgau oder D) Deutschland. Richtig! Der Kanton Thurgau mit viermal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. Joel Brüschweiler aus Hefenhofen war der erfolgreichste und kompletteste Schütze unter sämtlichen Teilnehmern. Wilhelm Tell dürfte Thurgauer Wurzeln gehabt haben.

Die Königsdisziplin (stehend/kniend 30 m) dominierte der 22jährige Joel Brüschweiler in der Qualifikation und im Final, liess die Konkurrenz mindestens sechs Punkte hinter sich. Kniend macht ihm sowieso niemand etwas vor, und den Triumph mit der Mannschaft genoss er besonders, weil neben Tamara Menzi (Wattwil) seine Freundin Monika Hurschler (Steinhausen) dem Team angehörte.

«Das habe ich noch nie erlebt»

Was auf der Rangliste eindeutig aussieht, war im Wettkampf teilweise anders. «Vor allem über 30 m hatte ich bei den schwierigen Bedingungen stehend und kniend meine Probleme. Solch starke Winde über eine so lange Zeit habe ich noch nie erlebt», gibt sich der zweifache Vizeweltmeister von 2014 bescheiden und möchte nicht von einer Überlegenheit sprechen.

Über 10 m (Indoor) gelang dem Mitglied der ASV Bürglen und der Sportschützen Gossau im Final ein weiterer Exploit. Mit 99 von möglichen 100 Punkten schob er sich von Platz sechs auf Rang zwei vor. «Ich konnte lockerer schiessen, weil ich drei Titel im Sack hatte», so Joel Brüschweiler. «Insgesamt waren es resultat- und leistungsmässig die besten Titelkämpfe, und ich kann sehr zufrieden sein.» Nachdem es über 30 m Open stehend bei Joel Brüschweiler nicht nach Wunsch klappte (11.), sprang mit Nicole Bösch (Dotnacht) eine Thurgauer WM-Debütantin ein. Aus Schweizer Sicht sorgte die 21jährige Studentin der Pädagogischen Hochschule Kreuzlingen für die grösste Überraschung.

Nach der ersten von drei Zehner-Passen ging Nicole Bösch in Führung (91), fiel mit 85 im zweiten Durchgang hinter die Französin Aurélie Chevance zurück und holte den Punkt Rückstand mit der dritten Serie (88) wieder auf. Bei Punktgleichheit entschied die bessere Schluss-Passe für sie. Die Schützin der ASV Neuwilen war Stehend-Weltmeisterin, verpasste in der Kombination Bronze um vier Punkte (5.) und gewann zudem Bronze mit dem 10-m-Team.

Gigantische Schlussfeier

Die dritte Thurgauerin, Mara Schönholzer (Neukirch a. d. Thur), kam erstmals bei der Elite über 10 m zum Einsatz. 370 Punkte reichten zu Rang 17. In der Anfangsphase verlor die bisherige Junioren-Internationale zu viele Punkte (91), schloss den von ihrer Teamkollegin Silvia Guignard (Zürich) gewonnenen Wettkampf jedoch durchaus zufriedenstellend ab (96).

Für die drei Thurgauer wird die WM in Russland schon wegen der Aufmachung in Erinnerung bleiben. «Die Eröffnungs- und die Schlussfeier waren gigantisch und die Atmosphäre unbeschreiblich», schwärmt Joel Brüschweiler. Die Schweiz ist gefordert. 2016 findet die EM in Zürich statt.