Teil von Constantins

Gerichtsakte Mario Mutsch ist kein Grosser der Fussballgeschichte. Mittlerweile dürften ihn sogar mehr Anwälte und Richter als Spieleragenten kennen.

Merken
Drucken
Teilen

Teil von Constantins Gerichtsakte

Mario Mutsch ist kein Grosser der Fussballgeschichte. Mittlerweile dürften ihn sogar mehr Anwälte und Richter als Spieleragenten kennen. Der Luxemburger gehört zu den ausländischen Spielern, deren Transfer ins Wallis dem FC Sion einen Rechtsstreit eingebrockt hat, der schon Monate dauert und internationale Dimensionen angenommen hat. Heute kann sich Mutsch abseits aller gerichtlichen Streitigkeiten wieder einmal voll und ganz auf den Fussball konzentrieren. Im Test-Länderspiel gegen die Schweiz (Beginn 20.30 Uhr) tritt der 27-Jährige im Josy-Barthel-Stadion als Nationalspieler an.

Dass Mutsch heute für Luxemburg spielt, entschied sich eher zufällig zwischen Reifenmontage und Ölwechsel. Am 3. September 1984 im belgischen St. Vith geboren, lebte der Sohn eines Luxemburgers und einer Belgierin bis zu seinem 20. Lebensjahr im deutschsprachigen Osten Belgiens. Seine Laufbahn als Fussballer lancierte er in Spa, wo er am Rand der Formel-1-Strecke drei Jahre lang für den belgischen 4.-Liga-Club RFC Spa spielte. Alles sprach für eine Karriere in Belgien. Nachdem er seine Automechanikerlehre abgeschlossen hatte, nahm Mutsch aber die luxemburgische Staatsangehörigkeit an, weil er in Luxemburg die besseren Aussichten auf eine Anstellung als Mechaniker hatte.

Von Jeff Saibene empfohlen

In der Banken- und Versicherungshochburg Europas verdienen Fussballer selten mehr als 1000 Euro pro Monat. Sie brauchen einen Hauptberuf, um die Lebenskosten zu decken. Entsprechend weniger Priorität hat für luxemburgische Fussballer eine Karriere im Ausland. Doch anders als etwa sein ehemaliger Nationalmannschaftskollege Alphonse Leweck – er erzielte den 2:1-Siegtreffer gegen die Schweiz in der Qualifikation für die WM 2010 – nahm Mutsch die erste Offerte aus dem Ausland an. Der Mittelfeldspieler packte 2006 seine Siebensachen und wechselte in die zweite Mannschaft des damaligen deutschen Bundesliga-Clubs Alemannia Aachen. Sein Glück fand er dort jedoch nicht.

Es war Jeff Saibene, der Mutsch aus der Bedeutungslosigkeit der deutschen Oberliga in die Schweizer Super League und damit in ein europäisch beachtetes Schaufenster holte. Der heutige Trainer des FC St. Gallen empfahl seinen Landsmann, nicht zuletzt aufgrund dessen ruhigen, bescheidenen Art, dem FC Aarau, wo Saibene 2007 Co-Trainer war. Vom Schweizer Mittelland aus glückte Mutsch ein lukrativer Transfer in Frankreichs zweithöchste Profiliga, wo er zwei Jahre lang für Metz spielte.

Bangen um seine Karriere

Im vergangenen Winter einigte sich Mutsch mit Sions Präsident Christian Constantin auf eine Rückkehr in die Schweiz. Sein Zweijahresvertrag sollte ab Sommer Gültigkeit haben. Er konnte damals nicht ahnen, was auf ihn zukommen würde. Als ihm die Spiellizenz verweigert wurde, weil der FC Sion ihn wegen einer Transfersperre nicht hätte verpflichten dürfen, verstand er die Welt nicht mehr. Ihm droht ein halbes Jahr Zwangspause. «Das kann meine Karriere zerstören», sagte er unlängst gegenüber der «Sonntags-Zeitung», wohlwissend, dass er nicht in der Position ist, Ansprüche zu stellen: «Ich bin Mario Mutsch aus Luxemburg.» (mat) sport 17