Teamkollege wird zum Gegner

Normalerweise spielt Janick Schwendener diese Saison für Hockey Thurgau. Heute abend im Cup hütet der 22-Jährige allerdings das Tor seines Stammclubs HC Davos – und muss so dazu beitragen, die Thurgauer aus dem Cup zu werfen.

Hansruedi Camenisch
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Diener zweier Herren: Janick Schwendener steht diese Saison sowohl für Davos wie auch für Thurgau im Tor. (Bild: Mario Gaccioli)

Diener zweier Herren: Janick Schwendener steht diese Saison sowohl für Davos wie auch für Thurgau im Tor. (Bild: Mario Gaccioli)

EISHOCKEY. Janick Schwendener ist in dieser Saison zum Reisenden geworden. Der 22jährige Goalie trainiert beim NLA-Club Davos und steht dort während der Meisterschaftsspiele auch an der Bande – ausser er hütet das Tor des NLB-Clubs Thurgau. Was sich als mühsames Hin und Her zwischen Davos und Weinfelden liest, bezeichnet Schwendener für sich als geniale Lösung. «Ich kann bei Davos auf höchstem Niveau trainieren (mittwochs speziell auch mit Marcel Kull, der schon Jonas Hiller gross gemacht hat, Red.) und daneben sammle ich bei Thurgau wertvolle Spielpraxis.» Das sei in seinem Alter wichtig, betont der Bündner. In den drei vergangenen Saisons habe er bei Davos nicht oft gespielt. So sei es schwierig gewesen, Selbstvertrauen und Selbstsicherheit auf dem Eis zu finden.

Mit dem Auto nach Weinfelden

In Weinfelden ist Schwendener nur, wenn ihm Thurgaus Trainer Christian Weber einen Einsatz garantiert. Das war bisher im Durchschnitt jede zweite Begegnung der Fall, weil Weber zwischen Schwendener und Dominic Nyffeler alterniert. Die beiden Torhüter kennen sich schon lange aus gemeinsamen Zeiten in der Schweizer U14- und U15-Auswahl. Spielt Schwendener für Thurgau, reist er jeweils tags zuvor in einem vom HC Davos zur Verfügung gestellten Auto nach Weinfelden, um mit seinen NLB-Teamkollegen zu trainieren. Sein Dienst für zwei Herren beziehungsweise Clubs offenbart sich im Outfit: Schwendener trägt auch im grünen Leibchen von Hockey Thurgau seine blaue Davoser Maske.

«Zwei Gegentore wären optimal»

Die Partnerschaft ist dank einer B-Lizenz möglich. Und sie nützt nicht nur Schwendener, sie zahlt sich auch für die Thurgauer aus. Mit dem Davoser im Tor punkteten sie bis jetzt dreimal: Langnau und Ajoie besiegten sie je 5:4 nach Penaltyschiessen und gegen Langenthal gewannen die Ostschweizer in der Verlängerung 5:4. Am vergangenen Samstag beim 1:4 gegen Olten setzte es für Schwendener mit Thurgau die erste Niederlage ab. Seine Leistungen beurteilt der Davoser kritisch. «Ich kassiere zu viele Treffer», stellt er fest. «Optimal wäre ein Durchschnitt von etwa zwei Gegentoren.» Die Umstellung vom Davoser zum Thurgauer Spiel falle ihm jeweils nicht schwer, sagt Schwendener. «Ich versuche den Puck zu stoppen, für welchen Club spielt keine Rolle. Als Goalie hat man den Vorteil, dass man sich keine Gedanken über Laufwege machen muss.»

Die grössten Unterschiede zwischen NLA und NLB ortet Schwendener im Tempo, in der Genauigkeit des Passspiels und beim raschen Umschalten von der Defensive in die Offensive.

Keine Geschenke für Thurgau

Eine spezielle Situation erwartet Schwendener heute um 20 Uhr, wenn Thurgau im Sechzehntelfinal des Schweizer Cups in Weinfelden den HC Davos empfängt. In dieser Partie bildet Schwendener zusammen mit dem 18jährigen Gilles Senn das Goalieduo des NLA-Clubs. Davos-Coach Arno del Curto gewährt seinem Stammtorhüter Leonardo Genoni vor der Meisterschafts-Doppelrunde vom Freitag und Samstag in Genf und zu Hause gegen Biel eine Pause.

Schwendener freut sich auf seinen Cup-Einsatz mit seinem Stammclub. Er werde seinen Thurgauer Kollegen nichts schenken, sagt er. Dass er alle kenne, sei auf dem Eis weder ein Vor- noch ein Nachteil. «Ich schaue nicht, wer schiesst, sondern werde mich auf den Puck konzentrieren», meint er. Und falls es ein Penaltyschiessen gibt? «Dann weiss ich natürlich, welcher Thurgau-Spieler welche Tricks oder Finten anwendet. Ich hoffe aber, dass es gar nicht so weit kommt», so Schwendener.