EX-ESPEN-KICKER: Gefangen in Klischees

Moreno Costanzo spielte einst für den FC St. Gallen. Dann zog der Wattwiler nach Bern zu den Young Boys weiter, die Fussballwelt lag ihm zu Füssen. Vermeintlich. Morgen nun gastiert er mit dem FC Vaduz ab 13.45 Uhr in der AFG Arena.

Christian Brägger
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Für die Young Boys waren Moreno Costanzos 32 Tore und 35 Assists in 166 Pflichtspielen nicht gut genug. Deshalb haben ihn die Berner für diese Saison an Vaduz ausgeliehen. (Bild: ky/Dominic Steinmann)

Für die Young Boys waren Moreno Costanzos 32 Tore und 35 Assists in 166 Pflichtspielen nicht gut genug. Deshalb haben ihn die Berner für diese Saison an Vaduz ausgeliehen. (Bild: ky/Dominic Steinmann)

FUSSBALL. Klischee Nummer eins: Moreno Costanzo ist ein Schönwetterfussballer. Und deswegen der falsche Spieler für ein Team wie Vaduz, das tief im Abstiegskampf steckt, wo es vor allem eines braucht – eben den Kampf. Klischee Nummer zwei: Moreno Costanzo steht im Ruf, lauffaul zu sein. Klischee Nummer drei: Moreno Costanzo vergeudet sein Talent und macht somit zu wenig aus der Karriere.

Moreno Costanzo galt bei den Young Boys, zu denen er 2010 nach seinen erfolgreichen Lehrjahren mit St. Gallen gewechselt war, einst als der «Berner Pirlo». Der 28-Jährige muss schmunzeln, wenn er damit konfrontiert wird. «Immer werden die gleichen Dinge aus der Vergangenheit hervorgekramt.» Aus seiner Sicht mag das sogar stimmen. Dennoch ist es zuallererst eine Ehre, mit dem Italiener Andrea Pirlo verglichen zu werden. Zumal hierzulande ähnliche Attribute lediglich für eine Handvoll Spieler gelten. Wenn überhaupt. Nur, der Vergleich mit dem legendären Mittelfeldregisseur ist schon ein paar Jahre her, damals, als Vladimir Petkovic noch die Berner trainierte.

Seither hat Costanzo nicht immer alles richtig gemacht, wie er selber sagt: «Mein temporärer Wechsel im vergangenen Winter zum FC Aarau war ein Fehler. Der grösste meiner Karriere.» Mit den Aargauern stieg er Ende Saison 2014/15 ab, er sagt, er habe früh gespürt, dass das nicht gut kommen würde.

Falsche Transfers

Die Young Boys hatten zu jener Zeit plötzlich ein erstes Mal genug von ihm, obwohl Costanzo in 166 Partien 67 Skorerpunkte erzielt hatte, der Vertrag vorzeitig bis 2017 verlängert worden war und sie ihm noch zum Saisonstart die Captainbinde gegeben hatten. «Ich bin seit der Zeit und den Toren mit St. Gallen in dieser Schublade gefangen, dass man mehr von mir sehen will. Die Erwartungshaltung war sehr hoch, zu hoch.»

Weil ihn die Berner nach der Aarauer Zeit auch im vergangenen Sommer ein zweites Mal nicht wieder bei sich wollten, wechselte Costanzo erneut leihweise, diesmal zum FC Vaduz. «Mein Ziel war das Ausland, aber dafür haben meine Leistungen nicht gereicht.» Der Offensivspieler glaubt, dass ihm dafür etwas gefehlt habe. Was insofern nicht überrascht, weil die Young Boys gleich wie der Wattwiler funktionieren, beide im Grunde im selben Dilemma feststecken: Ihnen fehlt die Konstanz.

Im August wird Costanzo nun zum zweitenmal Vater, und weil die Young Boys in der nächsten Saison weiterhin den Lohn bezahlen – die Rede ist von 50 000 Franken monatlich – hat er vorerst keine Zukunftsängste. «Es gibt schlimmere Dinge, als auch im nächsten Jahr an die Young Boys gebunden zu sein. Manch einer würde wohl gerne mit mir tauschen.» Dennoch ist der Vertrag wie ein Klotz am Bein, zumal die Zeichen aus Bern so sind, dass es auch in Zukunft keine Zusammenarbeit mehr gibt. Da könnte St. Gallen wieder zum Thema werden, selbst wenn Costanzo von den Ostschweizern bis dato nichts gehört hat. Es wird gemunkelt, dass der Vaduzer Sportchef Bernt Haas den Spieler nochmals ausleihen will und Costanzo sagt: «Die Challenge League wäre nicht mein Ziel. Ich bin zufrieden hier, aber wir sind Letzter, das ist nicht gut.»

«Bin ein lauffreudiger Spieler»

Zu guter Letzt erhält Costanzo doch noch die Chance, die Klischees zu widerlegen. «Die Etikette, ich sei lauffaul, kommt aus der Aarauer Zeit. Nur so viel: In Vaduz habe ich fast die besten Werte aller Spieler und laufe mitunter am meisten.» Und was ist mit dem Vergeuden seines Talents? «Das hat etwas. Sonst wäre ich jetzt nicht in Vaduz.»